05. Januar 2021 / 10:23 Uhr

Das Erbe des Doktors: Dr. Fritz-Fröhlich-Stadion in Regis-Breitingen

Das Erbe des Doktors: Dr. Fritz-Fröhlich-Stadion in Regis-Breitingen

Udo Zagrodnik
SPORTBUZZER-Nutzer
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Das Stadion in Regis-Breitingen schnupperte in der Vergangenheit auch internationales Flair. © Udo Zagrodnik
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Mit der Wende kam auch die Namensänderung der Sportstätte, in Anerkennung der Verdienste von Dr. Fritz Fröhlich. Das Stadion wurde von weit über 30 DDR-offenen Sportfesten geprägt und zu Gast waren Ausnahmeathleten wie Sprinter Enrique Figuerola und Speerwerferin Christine Spielberg.

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Regis-Breitingen. Der Sportursprung in der Pleißestadt Regis-Breitingen datiert aus dem Jahr 1862 in Form des Turnvereins, der zunächst im Garten des Gasthofs trainierte. Nach einer Odyssee erfolgte im Jahr 1912 der Umzug in die Deutzener Straße (Regis-Nord), wo bereits die Schützengesellschaft ansässig war. Als Sportstätte diente ein Hartplatz am „Herrenhölzchen“ und „An der Halde“.

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Kubanische Olympiamannschaft zu Gast

Acht Jahre später erweckte Dr. Fritz Fröhlich 1920 den Fußball und die Leichtathletik, 1927 kam der Handball hinzu. Ein Jahr später wurde am Kirchteich die Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben. Die Braunkohle schritt voran und so kam es 1934 zu einem Gebietstausch. Der neue Sportplatz war fortan am Regiser Wasserwerk beheimatet, dort wo seit 1971 das Freibad existiert. Die Sportstätte erlebte deutschlandweite Sportfeste und rassige Fußballspiele.

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Der Doktor war während seiner Studienzeit in Leipzig beim VfB Leipzig in Probstheida aktiver Leichtathlet. Doch durch eine frühzeitige Lähmung war er an den Rollstuhl gefesselt und managte von da aus vieles. Das Kriegsende 1945 stand für einen Neuanfang. Im Jahr 1950 wurde die BSG Aufbau Regis-Breitingen gegründet und nur vier Monate später kam die Umbenennung in BSG Aktivist. Im Jahr 1962 folgte wegen Hochwassergefährdung durch die Braunkohle ein weiterer Gebietstausch und die neue Sportstätte kam unter dem Namen „Artur-Becker-Stadion“ in die Stadtmitte, zwischen Kleingärten im Bergmannsruh/Pleiße und dem jungen Neubaugebiet.

Das ortsansässige Braunkohlewerk fungierte über viele Jahrzehnte als Trägerbetrieb. Doch im Baugeschehen ergab sich ein Stillstand. Es wurde nur das Notwendigste gemacht. Weit über 30 DDR-offene Sportfeste prägten die Sportstätte. Bernd Kipping war über die Jahrzehnte hier der Motor. Einen Höhepunkt gab es 1967, als die kubanische Olympiamannschaft mit dem Weltklassesprinter Enrique Figuerola zu Gast war. Ein Jahr später warf Christine Spielberg einen Weltrekord im Speerwerfen. Höhepunkt war im September 1970 der Dreiländerkampf der Junioren und Juniorinnen DDR-Polen-Rumänien.


1994 Investitionsplan erstellt

Die Kegler fanden im heutigen Stadion seit 1962 ihre Heimat. In den 1970er-Jahren begann der Wettkampfsport, wobei 1973 das heutige Kegelgebäude eingeweiht wurde. Auch Geschichte schreibend war 1978 ein Fußball-Länderspiel im Nachwuchs, DDR mit Trainer Jörg Berger gegen Polen, das der damalige Sektionsleiter Peter Räßler an die Pleiße holte. Die 1980er-Jahre prägten vor allem an Bergmannstagen Freundschaftsspiele der BSG Aktivist gegen die BSG Motor Gößnitz.

Mit der Deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 veränderte sich vieles. Es kam die Umbenennung von BSG Aktivist in Sportverein. Und die Sportstätte wurde umbenannt in Dr. Fritz-Fröhlich-Stadion, in Anerkennung an seine Verdienste. Gelände und Gebäude waren in die Jahre gekommen und verschlissen – und der Träger, das BKW Regis, war weggebrochen.

Also erstellte der Sportvorstand 1994 mit Bürgermeister Reinhard Mäder einen Investitionsplan (Modernisierung, Bau der Sporthalle) für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Zum Vorstand gehörten Werner Heiche (Vorsitzender), Dieter Gerlach (Stellvertreter) und Eckhard Schob (Schatzmeister). In dieser schweren Zeit hielt der ortsansässige Getränkeladen Erich & Gisela Strobel, in Zusammenarbeit mit der Bellheimer Brauerei, den Verein am Leben. Der Sportvorstand holte die Stadtväter mit ins Boot und in mehreren Phasen erfolgte die Sanierung des Geländes.

Titelkämpfe auf Kreis- und Landesebene

1994/1995 wurde auf dem Zweitplatz Flutlicht installiert, 2003 Sanitäranlagen erneuert und die zweigeteilte Tribüne gebaut. 2006 folgte der Kunstrasenbau und 2007 auf dem Hauptplatz ein Rasensprenger. Rundherum wurde aus der Aschenbahn eine Tartanbahn. Unter Bürgermeister Wolfram Lenk erfolgten weitere Reparaturarbeiten. Die Sporthalle hat ihren Ursprung im Jahr 2001, von nun an hatten die Handballer eine wettkampftaugliche Heimspielstätte. Die Sanierungen brachten in der Folge den Effekt, hochwertige Sportereignisse ausrichten zu können und dürfen. Leichtathlet Udo Lehmann sorgte in den Neunzigern und nach der Jahrtausendwende für Aufsehen. Im Viererbob von Harald Czudaj (und danach von Andre Lange) fuhr er die Bob-Bahnen der Welt als Anschieber erfolgreich hinunter.

Die Fußballer wurden unter Trainer Werner Heiche (seit 1990 Stadtrat und mehrere Perioden stellvertretender Bürgermeister) Kreispokalsieger 1990 und Kreismeister 1992 und spielten zwei Jahre in der Bezirksklasse Leipzig. Ein Aufschwung kam mit dem früheren Oberligaspieler Gianfranco Zanirato (einst Chemie Böhlen), der den Verein zur Kreismeisterschaft 2007 führte und den Aufstieg in die Bezirksklasse Leipzig (heute: Kreisoberliga) vollbrachte.

Im Großraum der Messestadt gehörte Regis-Breitingen zu den ersten, deren Sportstätte einen Kunstrasen bekam. In den frühen Jahren kam es vor, dass sich in strengen Wintern Vereine einmieteten und an manchen Wochenenden fünf bis sechs Pflichtspiele ausgetragen wurden. Der SV Post Borna, in Heuerdorf beheimatet, musste der Braunkohle weichen und fand ab der Winterpause 2008/2009 auf dem Kunstrasen eine neue Heimat und spielte hier einige Jahre, ehe man umzog. Zum 50- jährigen Jubiläum des Standorts an der Pleiße im Juli 2012 war der Verein Ausrichter der sächsischen Landesmeisterschaften der Leichtathleten. Zudem gab es weitere Titelkämpfe auf Kreis- und Landesebene, sowie die landesoffenen Werfertage.

Gravierende Veränderungen

In die Geschichte eingegangen sind zwei internationale Fußballspiele, 2003 die U19-EM der Frauen mit Niederlande gegen Spanien und 2006 die U15-WM der Juniorinnen mit Deutschland gegen Schottland. In diese Zeit fällt auch der Frauenfußball, der für zehn Jahre in die Geschichte einging, als der SVR erster Hallenkreismeister wurde. Macher waren unter anderem Wolfgang Krosse, Ingo Theuer, sowie Kerstin und Helmut Günther.

In den vergangenen Jahren hat sich der Fußball und Sport insgesamt bei den Pleißestädtern (und vielen weiteren Amateurvereinen) gravierend verändert. Man lebt mit Hilfe von vielen kleinen Sponsoren (Transportunternehmen Pockrandt und weitere) und in Zeiten von Berufspendlern und Zeitarbeitern (die Wege wurden und werden immer länger) herrscht Personalmangel. Auch das Interesse an ehrenamtlicher Arbeit (auch das Besetzen vom Vorstand gehört dazu) ist gesunken. Aktuell halten beim SVR Werner Heiche (Vereinsvorsitzender), Dr. Frank Becker (Stellvertreter), Kathleen Uhlemann (Schatzmeisterin) und Martin Pohlers (Jugendwart) die Fäden zusammen.

Den eigentlichen Sportursprung 1862 vor Augen, sind das aktuell 158 Jahre Sportgeschichte. In heutigen Tagen gehören zum Verein Fußball, Leichtathletik, Kegeln, Handball und Breitensport – neue Mitstreiter sind beim SVR jederzeit willkommen. Auch wenn das Corona-Virus seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres vieles schmerzlich lahmlegte: Die Geschichte wird weiter geschrieben.