08. Mai 2020 / 19:02 Uhr

Das erste Training der Grizzlys Wolfsburg unter Corona-Bedingungen

Das erste Training der Grizzlys Wolfsburg unter Corona-Bedingungen

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
eis training montage Buzzer
Erstes reguläres Training der Grizzlys: Auch Maximilian Adam (l.) und Gerrit Fauser machten den Ergometer-Test. © Grizzlys Wolfsburg (2) / Jürgen Braun (1)
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Erleichterung, aber auch eine gewisse Anspannung - Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg hat am Freitag sein erstes offizielles Training unter Corona-Bedingungen aufgenommen.

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"Man freut sich auf die Jungs, man freut sich auf diese Zeichen, dass es irgendwie vorwärts geht!“ So skizzierte Gerrit Fauser, Eishockey-Nationalspieler der Grizzlys Wolfsburg, Tag eins des ersten regulären Trainings beim Erstligisten seit dem Abbruch der Saison einen Tag vor den Play-Offs am 10. März.

Das Training war aber auch nur insofern regulär, als dass es alljährlich um diese Zeit beginnt. Zweikämpfe und Eishockey sind noch längst nicht dran. Sondern Fahrrad- und Krafttest sowie zwei Wochen Trockentraining für elf deutsche Spieler. Sprich: Mit Keeper Dustin Strahlmeier, Phil Hungerecker und Jannik Möser sind drei Zugänge dabei.

"Es ist ungewohnt"

Die Vorfreude war da, gewisse Freude auch, doch Fauser, der zum Kapitänsteam zählt, sagt auch: „Es ist ungewohnt, auf Distanz zu bleiben. Keine Handschläge, keine Umarmung, das wird sehr ungewohnt, viele Mitspieler sind ja längst auch Freunde. Die ersten Aufeinandertreffen werden schon ziemlich anders sein.“

Die Pandemie, man habe sie „immer im Hinterkopf“, so Fauser. „Wir müssen uns darauf verlassen, dass wir sicher trainieren können. Und wir selbst müssen uns entsprechend verhalten.“ Am Freitag standen die Fahrradtests an. „Mit mehr Zeit als sonst dazwischen zum Lüften und Desinfizieren und einem Doc. André Albrecht, der quasi vermummt war, schließlich hat er ja zu vielen Leuten Kontakt“, berichtet Fauser.

Allstars der Grizzlys Wolfsburg

Christoph Höhenleitner: Sein Trikot sollte einen Ehrenplatz an der Seite der stilisierten Shirts von Jan Zurek, Norm Milley und Tyler Haskins in der Eis-Arena erhalten. 13 Jahre hielt er für die Grizzlys die Knochen hin. Spielte vorn, später auch oft hinten. Schnell, intensiv, fair und oft auch brandgefährlich. 803 Partien absolvierte er im Oberhaus. Er war aus Ingolstadt gekommen. Für die Grizzlys brachte er es auf 686 Spiele und 96 Tore. Zur Galerie
Christoph Höhenleitner: Sein Trikot sollte einen Ehrenplatz an der Seite der stilisierten Shirts von Jan Zurek, Norm Milley und Tyler Haskins in der Eis-Arena erhalten. 13 Jahre hielt er für die Grizzlys die Knochen hin. Spielte vorn, später auch oft hinten. Schnell, intensiv, fair und oft auch brandgefährlich. 803 Partien absolvierte er im Oberhaus. Er war aus Ingolstadt gekommen. Für die Grizzlys brachte er es auf 686 Spiele und 96 Tore. ©

Ab Montag Training in Kleingruppen

Richtige Aufeinandertreffen gab es noch nicht, zum Rad-Test rückten die Spieler wie stets nacheinander an. Erst am Montag geht es dann in Kleingruppen mit maximal vier Akteuren weiter. Dazu wird nicht nur der Fitness-Raum, sondern auch die Fläche in der vom Eis befreiten Arena genutzt. Über Abstands- und Hygiene-Regeln wurden die Spieler laut Klub informiert, die Grizzlys sorgen für Desinfektionsgeräte, geduscht und umgekleidet wird daheim. Corona-Tests sind für die Grizzlys nicht vorgesehen, es sei denn, ein Spieler zeigt Symptome.

Über den ersten Schritt zurück in die Normalität ist nicht nur Fauser froh. Doch er ahnt, dass es noch ein langer Weg wird. „Noch weiß man ja nicht einmal, ob wir pünktlich mit der Saison starten können.“ Vorgesehen ist das für den 18. September. Ausrüster arbeiten schon an der Herstellung von Vollvisieren, um einen Infektionsschutz im Spiel gewährleisten zu können. Doch das meiste wird an der Frage hängen, ob Zuschauer zugelassen werden. Mit Geisterspielen können die Klubs nicht überleben.

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Fliegauf: Erstmal kein Dauerkartenverkauf

Wann und wie es in der Liga weitergehen kann, ist offen Manager Charly Fliegauf verdeutlichte am Donnerstag noch einmal: „Ich bin der Meinung, dass man aktuell guten Gewissens keine Dauerkarten verkaufen kann, da man gar nicht weiß, wann und wie die Saison verlaufen wird. Einige Klubs müssen dies jedoch hauptsächlich aus wirtschaftlichen Zwängen heraus machen. Wir werden die Dauerkarten erst verkaufen, wenn der Saisonstart final fixiert ist.“

Fauser: "Wir müssen da durch"

Zur allgemeinen Lage hat sich seine Einschätzung auch nicht verändert, sagte Fliegauf auf der Homepage der Grizzlys: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer sehr gut gewirtschaftet und sind solide aufgestellt. Natürlich machen wir uns aber auch Sorgen, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden. Die Auswirkungen der Pandemie sind aktuell noch gar nicht zu beziffern. Dennoch schaue ich optimistisch in die Zukunft.“ Genau wie Fauser, ein zweifacher Familienvater. Auch wenn es schwierige und manchmal entbehrungsreiche Zeiten seien. Eltern und Schwiegereltern in Bremen und Nürnberg konnten seit Pandemiebeginn nicht besucht werden, jetzt lockern sich zwar die Regeln, „aber eigentlich müsste man ja nach den Trainingswochen am besten erst einmal 14 Tage in Heimquarantäne, ehe man die Eltern guten Gewissens besuchen kann – und dann beginnt das nächste Trainingslager in Wolfsburg.“ Sprich: Fauser wird die Eltern wohl Monate nicht besuchen. „Aber da müssen wir durch, wie viele andere auch.“