31. Mai 2020 / 12:11 Uhr

Erfolgreicher Fußballtrainer außer Dienst: Das macht Milan Rukavina heute 

Erfolgreicher Fußballtrainer außer Dienst: Das macht Milan Rukavina heute 

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Milan Rukavina hat die Trainerbank
 gegen den Stuhl auf der Terrasse getauscht.
Milan Rukavina hat die Trainerbank gegen den Stuhl auf der Terrasse getauscht. © privat
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Kaum ein Sprichwort wird sich wohl seltener zu Herzen genommen als: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Einer, der es durchgezogen hat, ist Milan Rukavina. Nach seinem Aufstieg mit dem FC El­dag­sen in die Fußball-Landesliga anno 2015 beendete er seine Trainerkarriere. Vorläufig hieß es damals, doch seine Entscheidung hat immer noch Bestand. Mit uns hat der Erfolgstrainer die alten Zeiten Revue passieren lassen. 

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Aus ganz freien Stücken ließ Milan Rukavina den Fußball nicht hinter sich. Eine neue berufliche Herausforderung brachte mehr Verantwortung, höhere zeitliche Beanspruchung und einen Dienstortwechsel mit sich – der Job an der Seitenlinie zog den Kürzeren. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt der 49-Jährige, der seit 1988 im öffentlichen Dienst tätig ist. Gelegentlich vermisse er das Coachen und die Atmosphäre auf den Fußballplätzen, doch genau so oft ist Rukavina auch froh, dass er mit dem Treiben rund um das Leder nichts mehr zu tun habe.

„Ich habe mir damals die Frage gestellt: Wie viel Zeit bleibt denn noch für mich übrig, wenn ich als Trainer, und das auch noch in der Landesliga, weitermache?“, sagt der Deutschkroate. Die Analyse brachte folgende Ergebnisse: zu wenige Erholungsphasen, ein ex­trem reduziertes Privatleben, viel zu viel Hetze. Der Respekt vor der neuen beruflichen Aufgabe war zu groß, als dass er es riskieren wollte, zweigleisig zu fahren und dadurch eventuell von der Bahn abzukommen. „Ich habe größten Respekt vor den Trainern, die seit vielen Jahren Beruf, Familie und Sport begleitend unter einen Hut bringen“, sagt der verheiratete Vater einer Tochter. Er genießt seine Freizeit lieber mit seiner Frau, anstatt sich über Schiedsrichterpfiffe ärgern zu müssen.

Als Coach führte Milan Rukavina den FC Eldag­sen am Ende der Saison 2014/2015 in die Landesliga. Seine Vergangenheit beim Ortsrivalen ist nie ein Thema gewesen. 
Als Coach führte Milan Rukavina den FC Eldag­sen am Ende der Saison 2014/2015 in die Landesliga. Seine Vergangenheit beim Ortsrivalen ist nie ein Thema gewesen.  © Rico Person Fotografie
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Beim Hallenturnier fängt es wieder an "zu kribbeln"

Das heißt aber nicht, dass er das Interesse am kleinen Fußball verloren hätte. In Eldagsen oder beim FC Springe, bei dem er sich von 1998 bis 2007 vom Kicker zum Spielertrainer und letztlich zum Chefcoach entwickelte, schaut er sich ein paarmal im Jahr die Partien an. Auch in Egestorf war Rukavina zu Regionalligazeiten gegen namhafte Gegner zu Gast, „mein Fokus richtet sich aber nicht mehr darauf“.

Vergangenen Winter ließ er sich überreden, beim Hallenturnier des FC Eldagsen eine Springer Allstar-Mannschaft zu betreuen. „Ich wusste, dass es bei mir da wieder anfängt zu kribbeln“, sagt der frühere Erfolgstrainer der Senfstädter. Obwohl es für die Auswahl an Routiniers nur eine zweitägige Spaßveranstaltung war, hatte sich Rukavina gewissenhaft vorbereitet. Dinge nur so halb machen ist für ihn nicht drin. „Und ich habe wirklich ein paar Tage gebraucht, um danach wieder rauszukommen.“

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Rukavina ist beeindruckt vom FC Eldagsen

Dass ein Urgestein des FC Springe ausgerechnet beim Ortsrivalen FC Eldagsen im Herbst 2012 Trainer werden sollte, sei zu keinem Zeitpunkt problematisch gewesen. „Das war nie ein Thema, keiner hat mich die Rivalität spüren lassen. Und das, obwohl mein Spielerpass die ganze Eldagser Zeit über beim FC Springe lag“, sagt Rukavina. Sie hätten ihn toll aufgenommen an der Hindenburgallee, was sich dann auch in den Resultaten widerspiegelte. „Im Fußball kannst du nur Erfolg haben, wenn alles passt“, sagt der 49-Jährige. Mannschaft, Vorstand und Fans bildeten eine Einheit, in der alle Rädchen ineinandergriffen.

Dass sich die aktuelle Mannschaft aus Eldagsen als Aufsteiger in der Landesliga bislang so gut präsentiert hat, freut Rukavina. „Sie spielen eine grandiose Saison, Holger Gehrmann leistet tolle Arbeit.“ Der Ex-Coach ist beeindruckt von der Art und Weise, wie die Gelb-Schwarzen versuchen, ihre Struktur kontinuierlich zu verbessern. „Von den Kabinen über die Trainingsmaterialien bis zum neuesten Projekt Flutlicht: In Eldagsen finden sie immer Antworten auf die Frage, wie man sich im Amateurfußball verbessern kann“, sagt er.

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"Als Aktiver hätte ich mir nie vorstellen können, dass der FCS in die Kreisliga abrutscht."

Weitaus weniger optimistisch sieht Rukavina die Entwicklung des Ortsrivalen FCS. „Als Aktiver hätte ich mir nie vorstellen können, dass der FCS in die Kreisliga abrutscht“, sagt er. Die Rahmenbedingungen beim Klub aus der Kernstadt seien hervorragend, „mit dem Potenzial werden sie mittelfristig in den Bezirk zurückkehren. Der FCS darf bloß nicht zur Fahrstuhlmannschaft werden“, wünscht er sich einen nachhaltigen Plan.

Den Königsweg zum Beenden der unterbrochenen Spielzeit 2019/2020 hat auch Rukavina noch nicht gefunden. Grundsätzlich sei er ein Freund davon, eine Saison zu Ende zu spielen, die Herausforderung speziell im Amateurbereich sei jedoch immens. „Der Fußball lebt von seinen Emotionen und von seinen Fans“, betont er. Kürzlich hätte sich der Deisterstädter die Videosequenzen des Eldagser Aufstiegs aus dem Juni 2015 noch einmal angeguckt. „Da habe ich eine Wahnsinnsgänsehaut bekommen – und das waren nur 1200 Fans. Da ist der Adrenalinkick bei den Profis vor den Megakulissen eine ganz andere Hausnummer.“

Kehrt Rukavina auf die Trainerbank zurück?

Wem drückt er eigentlich die Daumen, wenn sich Deutschland und Kroatien im sportlichen Wettkampf gegenüberstehen? „Eine unfaire Frage“, sagt Rukavina lachend. „Ich bin zwar hier geboren, doch ich ertappe mich dabei, in solchen Momenten stärker zu den Kroaten zu halten.“ Ob die abschließende Frage, ob wir ihn irgendwann wieder auf einer Trainerbank sehen, auch gemein ist? „Das will ich nicht generell ausschließen. Lassen wir uns überraschen.“