23. November 2021 / 17:37 Uhr

Das Morawietz-Vermächtnis: So geht es bei Wolfsburgs Sprint-Assen weiter

Das Morawietz-Vermächtnis: So geht es bei Wolfsburgs Sprint-Assen weiter

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Morawietz
Seine Schützlinge können weiter zu ihm aufschauen: Auf der Hallenlaufbahn im Wolfsburger Leistungszentrum hängten die VfL-Sprintasse ein großes Bild ihres verstorbenen Trainers auf. Ein Team, darunter Olympiastützpunkt-Trainer Björn Sterzel (r.; in Hannover), betreut jetzt die Kader-Aktiven um Spitzenmann Tobias Morawietz (M.). © privat
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Sein plötzlicher Tod vor einigen Wochen schockte seine Aktiven und die Leichtathletik-Szene. Jetzt ist klar, wie es für Sprint-Asse des VfL Wolfsburg ohne Werner Morawietz weitergeht: Auf jeden Fall in seinem Sinne. 

Wie geht's nach dem Tod von Werner Morawietz weiter? Der langjährige VfL-Leichtathletiktrainer und Mentor der Wolfsburger Sprintszene, Werner Morawietz, war im September im Alter von 78 Jahren verstorben. Er hat „einen Schatz“ hinterlassen, so Schwiegertochter Birgit Morawietz - Trainingspläne aus vielen Jahren, darunter auch aktuelle, die er bis zuletzt noch für seine Aktive ausgearbeitet hatte. Geballtes Wissen eines Ausnahmetrainers. "Und jetzt wollen wir in seinem Sinne beim VfL Wolfsburg weitermachen“, sagt sie. Das Erbe des Coaches verteilt sich künftig auf ein Übungsleiter-Trio – und für den Top-Läufer, Enkel Tobias Morawietz, sogar auf vier Säulen.

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Tobias, der sich erst vor gut drei Jahren vom Fußball ab- und dem Sprint zugewandt hatte, hatte der Großvater in die deutsche Nachwuchsspitze geführt. Ihn noch bei der U20-WM im kommenden Sommer in Cali/Kolumbien laufen zu sehen, den Youngster in die männliche Elite zu führen, das war sein letztes sportliches Ziel gewesen, nachdem er Aktive wie Karin Janke und Sven Knipphals zu Olympiateilnahmen gebracht, Pernilla Kramer 2018 in die deutsche Spitze gelenkt und deutsche Top-Staffeln, unter anderem mit der Schwiegertochter, zu Spitzenleistungen gefördert hatte.

Beim letzten großen Auftritt des Enkels hatte Werner Morawietz schon nicht mehr dabei sein können, bald darauf nahm der Großvater dem Enkel das Versprechen ab, dass er weitermachen möge. Und Morawietz junior macht weiter. Im Frühjahr wartet das Abitur, inzwischen ist er wieder voll im Training. „Ich habe wieder richtig Bock“, sagt er.

Natürlich hatte es für das Top-Talent Anfragen von anderen Klubs gegeben. Auch Sven Knipphals, der am Stützpunktstandort in Leipzig als Chiropraktor arbeitet, wo mit Niels Giese und Olympia-Teilnehmer Deniz Almas zwei VfLer betreut werden, bot Unterstützung an. Doch Tobias Morawietz bleibt bodenständig, peilt in der Heimat ein duales Studium an, momentan geht sowieso die Schule vor, die Eltern fahren ihn mehrmals pro Woche zu den Stützpunkttrainings in Hannover. Im Auto kann er derweil auf dem Rücksitz lernen.

Der Tod des Trainers, der sich seine schwere Krankheit bis zuletzt nicht anmerken ließ, war für die Aktiven ein Schock gewesen Die Sprinter und Sprinterinnen ehrten ihn: Para-Leichtathletik-Bundeskaderathlet Phil Grolla kümmerte sich um eine großes Foto des Coaches, das wurde auf der Hallen-Laufbahn im Wolfsburger Leistungszentrum aufgehängt, dort wo der Coach fast jeden Abend im Winterhalbjahr war.

Dorthin kommt nun auch noch eine Kopie einer besonderen Urkunde. Der Niedersächsische Leichtathletik-Verband ehrte den Coach postum als „Trainer des Jahres“.


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Gesichert ist nun die Zukunft der VfL-Sprinter und Sprinterinnen, zu denen als Kaderaktive neben Tobias Morawietz (2019 deutscher Meister über 200 Meter der U18, Zweiter bei der U18-DM 2021 über 200 Meter, Vierter über 100 m) noch Grolla, Nele Jaworski (seit kurzem U18-Vereinsrekordhalterin über 100 Meter, 200-Meter-Finalistin bei der U18-DM 2021), Louis Quarata (Finalist über 400 Meter bei der diesjährigen U18-DM) und Pernilla Kramer (DM-Vierte 2018 über 200 Meter).

Mehrere Coaches

Ihr Training übernehmen nun mehrere Coaches: Johannes Breitenstein, der schon länger an seiner Trainerausbildung feilte, ist einer. Der norddeutsche Meister von 2019 beendet seine Leistungskarriere, steigt etwas früher als ursprünglich angedacht in die Leitung der Trainingsgruppe ein. Birgit Morawietz, die schon seit dem Frühjahr geholfen hatten, kommt als Trainerin dazu.

„Werners Fußstapfen sind groß, das ist klar, sagt VfL-Leichtathletik-Abteilungsleiter Marco Qarata, „aber das ist eine Lösung, mit der wir einen guten Weg gehen und weiter qualitativ hochwertiges Training anbieten können.“

Seine Unterstützung hat auch Björn Sterzel zugesagt. Der Trainer am Olympia-Stützpunkt in Hannover hatte vorher schon einen guten Draht zu Werner Morawietz. „Die Chemie mit ihm stimmt, er ist super“, sagt Birgit Morawietz.

Für ihren Sohn gibt es dann noch obendrein die Nachwuchs-Bundestrainerin Claudia Marx. Bei der wird der aktuelle schnellste Wolfsburger Anfang Dezember in Berlin zu einer Leistungsüberprüfung erwartet. Auch mit ihr wird die Chemie stimmen. Denn die Mutter des Wolfsburger Shootingstars war eine Top-Sprinterin, war mit Marx einst im Nationalteam. „Sie ist zehn Jahre jünger, meine Karriere klang aus, ihre begann“, erinnert sich die Wolfsburgerin und sagt: „Es war Werners Wunsch, dass wir beim VfL in seinem Sinne weitermachen. Das werden wir.“