24. November 2020 / 11:14 Uhr

Das Nordsehler Urgestein Bernd Hillmann war stets der Schnellste unter den Langsamen

Das Nordsehler Urgestein Bernd Hillmann war stets der Schnellste unter den Langsamen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
1989: Der ASC Pollhagen-Nordsehl mit dem Spieler Bernd Hillmann (hintere Reihe rechts neben Trainer Reinhard Stemme).
Bernd Hillmann kennt seinen Platz in Nordsehl in- und auswendig. © Arne Boecker
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Wenn es um den SV Nordsehl geht, ploppt ein Name direkt auf: Bernd Hillmann. Das Urgestein schaut zurück und spricht über seine ganz persönliche Legendenelf.

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Bernd Hillmann (57) steht für einen Verein, den es so nicht mehr gibt: SV Nordsehl. Als im Dorf die Jungs weniger wurden, die Fußball spielen wollten, gingen die Nordsehler erst mit den Pollhägern zusammen (ASC), später kam Lauenhagen dazu (FSG).

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„Mein Zuhause als Fußballer war aber immer der Platz in Nordsehl, mit der Baumreihe hinter dem hinteren Tor und dem Blick über die Felder“, sagt Hillmann. „Wenn wir unter Druck standen, wurde der Ball eben mal kurz auf die Weide gebokt.“ Heute wird auf dem Platz, der schon früher nie einen englischen Rasen gesehen hat, Rugby gespielt. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Libero?

Nordsehler Schule: Das stand immer für rennen, fighten, kämpfen, und dabei nicht viel jammern oder quatschen. Man musste sich als Gegner früher immer ein bisschen überwinden, wirklich gern nach Nordsehl zu fahren. Dieser Nordsehler Stil spiegelt sich deutlich in Bernd Hillmanns Elf wieder.

Klar wird durch die Aufstellung auch: Hillmann ist ein Kind der Achtziger/Neunziger. Jüngere Leser werden vielleicht googeln müssen, was genau ein Libero war. Und warum nochmal heißen Vorstopper eigentlich Vorstopper? „In der Raute verschieben“? Sowas kannte damals keiner.

Bernd Hillmann selbst war auch einer, der Fußball als körperliches Spiel begriffen hat, aber in seinem Fall veredelt durch ein gutes Auge und einen genauen Pass. Allzu antrittsstark war der Mittelfeldspieler dabei nie. Der Nienstädter Fußballauskenner Rolf Beck hat ihm allerdings mal als „den Schnellsten unter den Langsamen“ gelobt.

"Hille" als Urgestein

Angefangen hat Bernd Hillmann als Pöks in Nordsehl, in der A-Jugend spielte er zwei Jahre für den FC Stadthagen. Sein Fußballleben als Herrenspieler verbrachte er dann wieder in Nordsehl, bis auf drei Jahre in Enzen. Heute spielt er für die Ü40 der FSG, springt gelegentlich in der „Zweiten“ ein, und hilft in der Betreuung der „Ersten“, in der sein Sohn Steffen spielt. Der wiederum assistiert der Geschäftsführung des VfL Wolfsburg. Dessen Heimspiele guckt sich Hillmann aber schon seit Jahren gern an, weil dort einer aus einem der Nordsehler Fußball-Clans spielte – Detlev Dammeier. Vier Jahrzehnte hat „Hille“, wie ihn zwischen Hagenburg und Hülsede alle rufen, überdies Jugendmannschaften trainiert.

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Bernd Hillmnan ist verheiratet, hat einen Sohn, eine Tochter und eine Enkeltochter. Er ist einer der beiden Geschäftsführer des Sanitätshauses Ordelheide & Hillmann, mit vier Standorten in Schaumburg. In seiner Freizeit spielt er gern Doppelkopf. Fast alle derjenigen, die dann mit am Tisch sitzen, finden sich in seiner Traum-Elf. Auch dies zeigt: Fußball ist in Nordsehl eine Sache fürs Leben.

Die Traumelf

Tor – Dietmar Arndt, Pollhagen: Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen sehr guten und gegen sehr gute Torwarte gespielt, aber Dietmar Arndt sticht dann doch heraus. Mit dem „Dicken“ kicke ich heute noch im Alt- und im Alt-Alt-Team. Zwei Dinge machen Dietmar besonders. Zum einen engagiert er sich seit ewigen Zeiten ehrenamtlich, erst im ASC Pollhagen-Nordsehl, jetzt in der FSG, in der er die Damen-Mannschaft trainiert. Zum anderen ist Dietmar der langsamste Torwart der Welt, wenn er mal mehr als zehn Meter laufen soll. Aber sein Stellungsspiel war und ist überragend.

Libero – Reiner Dammeier, Nordsehl: Reiner ist für mich der beste Dammeier, der je für Nordsehl gespielt hat, knapp vor Günter und Detlev (und der hat 248 Bundesligaspiele gesammelt). In den achtziger Jahren, als er seine beste Zeit hatte, war es wirklich sehr schwer, an diesem letzten Mann vorbeizukommen. Schon seine Größe verschaffte ihm Präsenz. Wie viel das wert ist, sieht man heute an Abwehrspielern wie Virgil van Dijk (FC Liverpool). Reiner hat immer in Nordsehl gespielt, obwohl es andere Möglichkeiten gegeben hätte. Musste leider wegen Verletzungen viel zu früh aufhören, sonst wäre er heute noch dabei.

Vorstopper – Thomas Kaschel, Nordsehl: Thomas war ein harter Manndecker, wir reden hier von der ganz alten „Bauart“. Die Schaumburger Nachrichten haben ihn in einem Bericht mal so charakterisiert: „Kampfstarker, aggressiver Abwehrspieler, der schon so manchen Stürmer entnervte“. Für Tommy gilt dasselbe wie für Reiner Dammeier: Verletzungen haben ihn leider gezwungen, früh mit dem Fußballspielen aufzuhören.

Rechter Verteidiger – Uwe Heumann, Nordsehl: Feiner Fußballer, der auch mal im Mittelfeld gespielt hat. Nicht schnell, aber in seiner besten Zeit hat ihm seine Pferdelunge so viel Ausdauer verschafft, dass es für Stürmer nicht leicht war, ihn abzuschütteln. König der Standards! Gefährlichere Freistöße hat auch Günter Netzer nie geschossen.

Linker Verteidiger – Hartmut Goßler, Nordsehl: Hartmut war sicher nicht der beste Fußballer der Welt, aber ein schneller, aggressiver Verteidiger, gegen den man nicht gern spielen wollte. Als Ehrenamtler hat er den Fußball in und rund um Nordsehl immer angeführt, letztlich hat er gleich zwei Vereine mitgegründet: ASC Pollhagen-Nordsehl und FSG Pollhagen-Nordsehl-Lauenhagen. Dürfte nicht viele geben, die das von sich behaupten können.

Mittelfeld – Lars Glashagen, SW Enzen: Lars war der perfekte Allrounder, die Trainer konnten ihn überall hinstellen, er hat das ja auch in der vierten Liga bei der SV Drochtersen/Assel bewiesen. Er ist im positiven Sinn das, was man einen Fußballverrückten nennen kann, spielt ja auch immer noch in der Ü40 von Victoria Lauenau. Unvergessen ist allerdings auch die Party auf seiner Hochzeit...

Mittelfeld – Ernst Konrad, Nordsehl: Ernst ist ein Urgestein, wie es fast jedes Dorf hat, er wird bald 70. Steht für die glorreiche Zeit des SV Nordsehl in der Bezirksklasse wie kein Zweiter. Ein sehr ruhiger Vertreter, Sohn eines Landwirts. Es gibt einen schlagenden Beweis für seine Heimatverbundenheit: Kann den „Achttourigen“ tanzen. Bin mir nicht sicher, ob das einer der heutigen Spieler kann.


Mittelfeld – Holger Tidow, SW Enzen: Wir haben gleichzeitig bei Schwarz-Weiß angefangen, sind bis heute befreundet. Holger hat einen 1a-Charakter, mit nur einem Fehler: Er glaubt leider manchmal, dass er den Fußball erfunden hat – und versucht andere zu überzeugen, dass das stimmt.

Linksaußen – Panagiotis Matheopoulos, Nordsehl: Ich weiß nicht, ob irgendwer in Schaumburg seinen richtigen Namen bis in den letzten Buchstaben kennt, er ist halt der „Benno“. Er war ein typisches Schlitzohr, wendig und trickreich, solche Linksfüße braucht jede Mannschaft. Hätte als sehr junger Spieler auch in Griechenlands 2. Liga spielen können.

Mittelstürmer – Günter Dammeier, Nordsehl: In seinen besten Zeiten hat er Tore wie am Fließband geschossen, aus allen Lagen, in allen Situationen. Günter war auf jedes Spiel heiß, im Spiel zeigte er sich als Laufwunder, steckte überall seine Füße dazwischen, lauerte auf Gelegenheiten zum Knipsen. Günter ist vor fünf Jahren gestorben, er wird in Nordsehl immer fehlen.

Rechtsaußen – Holger Masche, Lauenhagen: Toller Typ, mit dem ich in der ASC-Zeit zusammen gespielt habe. Konnte seine Mitspieler aber auch zur Verzweiflung bringen, weil seine Pässe immer eine gewisse „Streuung“ aufwiesen. Holger leistet außerdem seit Jahren im Vorstand des Vereins ehrenamtliche Arbeit. Ist ja heute auch nicht mehr selbstverständlich.

Trainer – Lutz Kreuz, Stadthagen: Ich hatte viele gute Trainer, aber Lutz Kreuz war für mich besonders wichtig, weil er mich in meiner Entwicklung als Fußballer und auch als Mensch weitergebracht hat. Er war mein Trainer in der A-Jugend des FC Stadthagen, wir spielten damals Bezirksoberliga, also gegen echte Kracher aus Hannover wie HSC und OSV. Ich durfte die Truppe als Kapitän anführen.

Wie alle, die für diese Zeitung eine Elf aus ehemaligen Mitspielern nominieren, bereiten auch Bernd Hillmann die Namen, die er rauslassen musste, einige Kopfzerbrechen. Es kommt halt einiges an Mitspielern zusammen in so einem Fußballerleben. Ein paar Namen seien hier deshalb außer der Reihe erwähnt: Achim Weber (Stadthagen), Frank Roselieb (Nordsehl), Rüdiger Niemeier (Nordsehl). Nicht unerwähnt bleiben sollen auch sämtlich Mildes und Sochers, mit denen der Fußballer Bernd Hillmann je zu tun hatte – und das sind nicht wenige.