19. Oktober 2021 / 15:35 Uhr

Das Phänomen RB Salzburg: Jetzt will der Kindergarten den VfL Wolfsburg ärgern

Das Phänomen RB Salzburg: Jetzt will der Kindergarten den VfL Wolfsburg ärgern

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die jungen Wilden: Salzburgs Chukwubuike Adamu (l.) und Co. wollen am Mittwoch den VfL Wolfsburg ärgern.
Die jungen Wilden: Salzburgs Chukwubuike Adamu (l.) und Co. wollen am Mittwoch den VfL Wolfsburg ärgern. © AP
Anzeige

Der VfL Wolfsburg muss am dritten Spieltag der Champions League bei RB Salzburg antreten. Dort erwartet das Team von Trainer Mark van Bommel ein Kindergarten, der es in sich hat - und für den ein verletzter VfLer ein Vorbild sein kann.

Schon seit einigen Jahren bringt der kommende VfL-Gegner RB Salzburg immer wieder große Talente hervor: Erling Haaland (Borussia Dortmund), Sadio Mané, Naby Keita (beide FC Liverpool), Marcel Sabitzer (Bayern München) oder auch VfL-Profi Xaver Schlager durchliefen in ihrer Karriere die renommierte RB-Akademie. Mit Karim Adeyemi oder Benjamin Sesko stehen die nächsten Top-Talente bereits in den Startlöchern für einen möglicherweise erfolgreichen Weg. Hinter diesem Phänomen steckt nicht nur ein großer Getränke-Konzern, sondern auch eine ganz besondere Philosophie. Und jetzt will der Salzburger Kindergarten (Altersdurchschnitt von 22,6 Jahren) am Mittwoch (18.45 Uhr) als Nächstes den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten in der Champions League ärgern.

Anzeige

Junge Akteure ausbilden oder im Ausland scouten, über den Kooperationspartner FC Liefering (von dort kam auch der jetzige Coach Matthias Jaissle) in der 2. Liga an den Profifußball heranführen und sie dann in der 1. Liga sowie auf europäischer Bühne zu umworbenen Top-Spielern formen - das ist das Konzept von RB. Und es geht auf. Schon seit fast zehn Jahren. "Der Grundstein dafür ist sicher, dass wir unserer Strategie immer treu geblieben sind. Wir haben den Fußball ja nicht neu erfunden, sind aber auch in schwierigen Phasen immer Überzeugungstäter des Konzepts und unserer Philosophie geblieben", sagte RB-Sportdirektor Christoph Freund einst. Die Salzburger setzen darauf, "den 16- bis 18-Jährigen in Aussicht stellen zu können, in diesem Alter Profi-Fußball spielen zu können".

Mehr zum VfL Wolfsburg

Aber nicht nur Spieler kommen bei RB oft groß raus, auch Trainer haben sich in Salzburg einen Namen gemacht. Dazu zählen unter anderem Adi Hütter (jetzt Borussia Mönchengladbach), Marco Rose (jetzt Dortmund) oder Jesse Marsch (jetzt RB Leipzig). Dass auch für Jaissle ein ähnlich steiler Werdegang möglich ist, weiß der Ex-Hoffenheim-Profi. "Natürlich registriert man, wo die Reise meiner Vorgänger hinging. Aber das ist nichts, was mich irgendwie beeinflusst", so Salzburgs Coach im DPA-Interview. Er habe "keinen Karriereplan" und sei "zu 100 Prozent auf die Aufgabe in Salzburg fokussiert. Es macht mir wahnsinnig Spaß, hier arbeiten zu dürfen."


Arbeiten in einem angenehmen und geordneten Umfeld mit einem klaren Konzept. Mit jungen Nachwuchsfußballern, die alle den Traum haben, einmal ganz groß rauszukommen. "Was die RB-Schule angeht", sagt Jaissle, "kann ich nur für Salzburg sprechen. Hier ist das Umfeld einfach sehr konstant. Man hat seit Jahren einen klaren Plan, der auf der Arbeit mit Ausnahmetalenten beruht." Das zeigt auch ein Blick auf die Angriffsreihe des VfL-Gegners: Kein RB-Stürmer ist älter als 21 (!) Jahre. Die mit Abstand ältesten Profis im Kader sind Kapitän Andreas Ulmer und Ex-Werder-Spieler Zlatko Junuzovic.

Als Nächstes wollen die jungen Wilden die Wolfsburger ärgern. Mit vier Punkten aus zwei Spielen steht Salzburg in Gruppe G an der Spitze. Dass es gegen den VfL nicht leicht wird, ahnt Jaissle. "Wir wissen, dass wir auf eine absolute Top-Mannschaft aus der Bundesliga treffen", sagt der Coach. "Trotz der Tabellenkonstellation bleiben wir demütig und bescheiden." Zwar habe das Team von Trainer Mark van Bommel "in den ersten zwei CL-Spielen noch nicht gewonnen, aber auch noch nicht verloren. Wenn man die Marktwerte von uns und Wolfsburg vergleicht, wissen wir schon, welche Ausgangssituation vor diesem Spiel herrscht."

Dass Schlager ausgerechnet für das Spiel bei seinem Ex-Klub ausfällt und dass der VfL ohne ihn in dieser Saison noch nicht gewonnen hat, hat man bei RB genau registriert. Jaissle: "Xaver ist ein überragender Kicker, wir hätten uns gefreut, uns mit ihm zu messen. Aber Wolfsburg hat auch so viel Qualität."

Einen ähnlichen Weg wie der Salzburg ausgebildete Schlager geht aktuell auch Nicolas Seiwald, der in dieser Saison mit 20 Jahren bereits zum Leistungsträger im RB-Team geworden ist. "In der RB-Akademie war Xaver ein Vorbild für uns, er war damals schon bei den Profis", so der "Eigenbauspieler", wie man Talente aus dem eigenen Nachwuchs im Nachbarland nennt. Und ein Vorbild ist Schlager für den bereits als "Salzburgs neuen Super-Bullen" gefeierten U21-Nationalspieler immer noch - "weil er seinen Weg in die deutsche Bundesliga geschafft hat und dort richtig gut spielt".