10. Dezember 2020 / 16:05 Uhr

Das Rudolf-Harbig-Stadion in Borna: Ein Schmuckstück für 4000 Fans

Das Rudolf-Harbig-Stadion in Borna: Ein Schmuckstück für 4000 Fans

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Das Rudolf-Harbig-Stadion in Borna ist wirklich idyllisch gelegen.
Das Rudolf-Harbig-Stadion in Borna ist wirklich idyllisch gelegen. © Jens Paul Taubert
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Das Rudolf-Harbig-Stadion zählt zu den traditionsreichen Sportstätten im Leipziger Land. Hier waren schon Uwe Rösler und „Rosenzüchter“ Hans Meyer zu Gast. Zu den aktuellen Nutzern der idyllisch gelegenen Anlage gehören die Fußballer des Bornaer SV, die Mitglieder des Leichtathletikteams Borna aber auch Basketballer und Volleyballer. Sie fühlen sich sichtlich wohl.

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Borna. Von reichlich Grün umsäumt liegt das Rudolf-Harbig-Stadion ein wenig versteckt und beinahe idyllisch in einer Senke. Es wurde Mitte des vergangenen Jahrhunderts nach einem deutschen Mittelstreckenläufer benannt, der schlussendlich zum olympischen Bronzemedaillengewinner, zweifachen Europameíster und fünffachen Weltrekordler avancierte. Womit der Bogen zum traditionsreichen Wyhrastädter Sportzentrum gespannt ist: Denn neben den Fußballern vom BSV haben hier unter anderem die Leichtathleten vom LAT ihr Domizil.

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Eine Art sportlicher Campus in Borna

Das von September 2000 bis Juli 2001 umfassend modernisierte und 4.000 Besucher fassende Areal im Norden der Großen Kreisstadt bietet alles, was das Sportlerherz begehrt. Im Mittelpunkt befindet sich ein toller Rasenplatz, der von einer normierten Laufbahn umgeben wird. Ein weiteres Herzstück der Anlage ist das 500 Quadratmeter große Sozialgebäude mit vier Umkleidekabinen und diversen Funktions- sowie Sanitärräumen. Eine elektronische Anzeigetafel versieht regelmäßig und zuverlässig ihren Dienst. Die vorgelagerte Haupttribüne wurde im Jahr 2010 überdacht und verfügt über 192 Sitzplätze. Auf der Gegengeraden laden nochmals 240 Schönwetterschalen zum Verweilen unter freiem Himmel ein.

DURCHKLICKEN: Bornaer SV gegen Sermuth im Rudolf-Harbig-Stadion

Mit 5:0 gewinnt der Bornaer SV gegen Eintracht Sermuth. Die Partie gestaltet sich vor allem in der Schlussphase turbulent. Zur Galerie
Mit 5:0 gewinnt der Bornaer SV gegen Eintracht Sermuth. Die Partie gestaltet sich vor allem in der Schlussphase turbulent. © hanni

Schräg gegenüber dem Ganzen wurde im Januar 2008 an der Stelle des früheren Parkplatzes ein großer Kunstrasenplatz mit Flutlicht fertiggestellt. Der zuvor Hockey-taugliche Untergrund wurde erst kürzlich auf den neuesten Stand gebracht. Ein Volleyballfeld und ein Basketballplatz mit Kunststoffbelag ergänzen das weitläufige Areal, das zusammen mit der benachbarten Glück-Auf-Halle und der Grundschule „Clemens Thieme“ als sportlicher Campus angesehen werden kann.

Als Uwe Rösler und Hans Meyer kamen

Der Zuschauerrekord stammt vom 14. August 1988, als sage und schreibe 4.600 Fans einem 1:1 zwischen Aufsteiger Aktivist Borna und Chemie Leipzig in der damaligen DDR-Liga beiwohnten. Für die Leutzscher stand seinerzeit der spätere Manchester-City-Profi und aktuelle Fortuna-Düsseldorf-Coach Uwe Rösler auf dem Rasen.

Ein weiteres Highlight gab’s inmitten des Wendeherbstes zu erleben. Am 30. September 1989 gab Erstligist FC Karl-Marx-Stadt mit Trainer Hans Meyer seine Visitenkarte in der Zwiebelstadt ab. Die Himmelblauen sorgten seinerzeit im UEFA-Pokal für Furore, schlugen Boavista Porto und den FC Sion und scheiterten erst an Juventus Turin. Sie gewannen das FDGB-Pokalspiel im Rudolf-Harbig-Stadion erwartungsgemäß. Allerdings mit 2:0 Toren ziemlich knapp.

Die Fußballer aus Borna schafften zum Abschluss jener Saison abermals der Sprung in die Zweitklassigkeit. Nach der fußballerischen Wiedervereinigung ging’s schließlich in der NOFV-Oberliga weiter. Zeitweilig gehörten dort Schwergewichte wie Erzgebirge Aue, FSV Zwickau, Rot-Weiß Erfurt, der FC Sachsen Leipzig, der Hallesche FC oder der 1. FC Magdeburg zur Gegnerschaft.

Weitere Meldungen vom Bornaer SV

Damals war das Rudolf-Harbig-Stadion nicht der einzige Anlaufpunkt für die Kicker-Gilde innerhalb der Stadtgrenzen. Doch das Otto-Buchwitz-Stadion im Westen der Stadt, das später in „Stadion am Dreieck“ umbenannt worden war, existiert inzwischen nicht mehr. Es verschwand vor allem auf Grund eines nicht mehr zeitgemäßen Funktionsgebäudes. Das gleiche Schicksal ereilten die Baulichkeiten im ehemaligen DTSB-Objekt an der Witznitzer Straße, wo allerdings der Rasenplatz vom sogenannten „Schleifen“ verschont blieb und weiterhin als Ausweichvariante für Übungseinheiten dient. Der Hartplatz auf diesem Gelände wird momentan für Zirkusveranstaltungen und ähnliches genutzt.

Die Hauptlast trägt inzwischen das Rudolf-Harbig-Stadion, dem dazu „breite Schultern“ zu wünschen sind. Um das genaue Alter der Arena herauszufinden, musste Ortschronist Thomas Bergner ganz tief ins Archiv einsteigen. Am 31. August 1952 ging die offizielle Eröffnung mit feierlicher Namenseinweihung über die Bühne. Kurz darauf wurde die neue Sportstätte allerdings nochmals gesperrt, weil der Rasen nicht angewachsen war. Am 3. Mai 1953 erfolgte dann die Wiedereröffnung. Im normalen Leben würde das Rudolf-Harbig-Stadion praktisch sein Rentner-Dasein genießen. Was man ihm wirklich nicht ansieht.