04. September 2020 / 10:34 Uhr

Das Runde muss ins Eckige: Kreisliga im Muldental/Leipziger Land startet

Das Runde muss ins Eckige: Kreisliga im Muldental/Leipziger Land startet

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Die Kitzscheraner um Fabian Dietze (links) greifen an.
Die Kitzscheraner um Fabian Dietze (links) greifen an. © Wolfgang Riedel
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Am Wochenende startet die Kreisliga A (West) in die neue Saison 2020/21. Was sich in der Sommerpause bei den Teams alles verändert hat, hat der SPORTBUZZER zusammengefasst.

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Borna. Mit leicht verändertem Gesicht geht die Fußball-Kreisliga A-West am Wochenende in das neue Spieljahr. Quotienten-Meister und Pokalgewinner TuS Pegau verließ die Staffel in Richtung Kreisoberliga, der SV Regis-Breitingen geht aus eigenen Stücken den umgekehrten Weg. Der Thierbacher SV und der SV Germania Mölbis haben sich zu einer Spielgemeinschaft zusammengeschlossen, der FC Bad Lausick II ist ohne den TuS Frisch Auf Hainichen inzwischen eigenständig unterwegs. Unterdessen ist der FSV Brandis in die Ost-Staffel gewechselt, während die SG Olympia Frankenhain aus der Kreisliga B-West hochklettert.

Nach dem freiwilligen Rückzug aus der Kreisoberliga und dem Abgang mehrerer Stammkräfte stand der Fortbestand des Männerfußballs beim SV Regis-Breitingen auf wackligen Füßen, doch nach gewaltigen Anstrengungen wurde das Weitermachen gesichert. Vereinschef Werner Heiche überzeugte langjährige Mitstreiter davon, in einer schwierigen Situation Verantwortung zu übernehmen. Heiko Funke hat erst einmal das Traineramt übernommen, womit sich der mehrmals als Interimscoach eingesprungene Sven Streitberg wieder auf das Kicken konzentrieren kann. Er und andere Routiniers müssen angesichts des kleinen Kaders weiterhin vorangehen, bevor im allen Wünschen entsprechenden Dr.-Fritz-Fröhlich-Stadion die nächste Generation heranwächst. Land ist bereits in Sicht, die A-Junioren-Spielgemeinschaft mit den Sportfreunden Neukieritzsch soll bald die Männer verstärken.

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Mitunter stehen Reserve-Teams ziemlich im Schatten ihrer ersten Mannschaften. Der BSV Einheit Frohburg II allerdings hat sich in den vergangenen Jahren häufig gewagt, ins Sonnenlicht zu treten. Die zweite Garnitur der Rennstädter um Trainer Jörg Reiße bestimmt das Niveau in ihrer Liga inzwischen entscheidend mit, war zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs sogar Tabellenführer. Stetig rücken junge Leute nach, die Zusammenarbeit zwischen Zweiter und Erster funktioniert auch wegen gemeinsamer Trainingseinheiten bestens. Da muss wirklich keinem Einheit-Fan bange werden.

Neukirchen will vorn mitmischen

Gemunkelt wird immer viel und so war es nicht verwunderlich, dass in der Sommerpause auch der SG Gnandstein diverse Schwierigkeiten personeller Art nachgesagt wurden. Doch die Fußballtradition im durch seine Burg überregional bekannten 300-Seelen-Örtchen wird weitergeführt. Wenngleich die Glanzzeiten mit fünf Jahren Kreisoberliga und Pokalsieg 2014 vorbei sind und mittlerweile wieder kleinere Brötchen gebacken werden. Zumal der Abgang von Torkanone Florian Weber realistisch gesehen nicht 1:1 kompensiert werden kann. Das dies schon dessen früherer Verein Alemannia Geithain nicht geschafft hat, ist vielleicht ein kleiner Trost für das Übungsleiter-Gespann Frank Lederer/Thomas Fleischer. Beide sind fast schon Gnandsteiner Urgesteine und werden abermals versuchen, die Sache zu richten.

Nicht viel verändert in Sachen Aufgebot hat sich bei Fortuna Neukirchen. „Außer, dass wir alle ein Jahr älter geworden sind.“ Abteilungsleiter und Coach Andreas Scheibe sowie sein Assistenztrainer Dietmar Thieme haben in der Wyhra-Aue alles und das Gegenteil von allem erlebt. Ob der inzwischen etwas gestiegene Altersdurchschnitt zum Nachteil wird, ist Spekulation. Ein Vorteil ist auf jeden Fall die zweite Mannschaft, der rege personelle Austausch hat Tradition. Den Rot-Weißen ist – falls sie von größeren Ausfällen verschont bleiben – ein Mitmischen im Vorderfeld des Klassements erneut zuzutrauen. Genügend Erfahrung ist definitiv vorhanden.

Beim Otterwischer SV träumt zurzeit keiner von Meistertiteln und Pokalsiegen. „Der Spaß am Fußball darf nicht zu kurz kommen“, meint Coach Enrico Kessing, der alles versuchen wird, mindestens Platz fünf zu erreichen.

Groitzsch stapelt tief

Der FSV Kitzscher hat keinen Grund, sein Licht unter den Scheffel zu stellen – so viel ist sicher. Coach Rene Kleeberg kennt den Verein wie seine Westentasche, hat selber ungezählte Begegnungen für die Schwarz-Gelben absolviert und passt zur Mannschaft wie die Faust aufs Auge. Er hat eine bewährte Truppe zusammen, die zusammen gewachsen ist und mit dem Meistertitel 2019 ihre Qualitäten unter Beweis gestellt hat. Ganz vorsichtig wird ein Platz im Mittelfeld angepeilt, Luft nach oben ist vorhanden. Vorsitzender Heiko Dietze bringt es auf den Punkt: „Wenn es mehr wird, nehmen wir das gerne mit.“

Die Kräfte wurden gebündelt, jetzt gilt es die Puzzle-Teile zusammen zu fügen. Ein stimmiges Gesamtwerk ist das hehre Ziel. Denn eine ordentliche Rolle will die SG Thierbach/Mölbis in der Liga unbedingt spielen. Die Macht im Revier zu sein, wäre doch etwas feines. Natürlich basiert der Zusammenschluss auf diversen kadermäßigen Engpässen, doch die Fusion der Herrenteams bietet auch gewisse Vorteile. So stehen zwei bestens gepflegte Rasenplätze zur Verfügung, welche abwechselnd genutzt werden. Nun liegt es an den Akteuren auf dem grünen Rasen, den Worten Taten folgen zu lassen. Steve Babucke – welcher den Trainerhut weiterhin aufhat und seine eigenen Töppen griffbereit hält – wird es mit Aufmerksamkeit verfolgen. Ein einstelliger Tabellenrang soll schließlich zu mindestens herausspringen.

Irgendwie hat man seit geraumer Zeit den Eindruck, dass sich der SV Groitzsch ein wenig unter Wert verkauft. Denn so richtig große Sprünge sind den Schusterstädtern in jüngerer Vergangenheit beim Blick aufs Klassement nicht gelungen. Coach Dirk Eschenbaum ist trotz allem Realitätssinn allerdings ständig bemüht, die Entwicklung seiner Truppe voran zu treiben. Nachrückende Talente aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen, erfordert aber halt auch etwas Geduld. Dies in Einklang mit sportlich anspruchsvollen Vorhaben zu bringen, ist stets das Gebot der Stunde. Denn verstecken müssen sich die Kicker von der Schletterstraße garantiert nicht.

Bad Lausick II möchte Bilanz verbessern

Der SV Belgershain peilt einen einstelligen Tabellenplatz an und hofft, dass der Sprung ins Mittelfeld schnell geschafft wird. Gelingen soll das mit zwei Zugängen. Da nur ein Spieler den Verein verließ, kann Trainer Jan Pischer auf ein eingespieltes Team zurückgreifen.

Mit (unterem) Mittelmaß möchte sich auch die SG Borna II/Eula nicht zufrieden geben. Selbstredend sind ständig wechselnde Aufstellungen – die eben das Los einer Reservemannschaft sind – nicht unbedingt förderlich für ein im Schlaf zu beherrschendes Spielsystem. Wenn in dieser Beziehung mehr Kontinuität einziehen könnte, hätte Trainer Andre Liebers unter Umständen öfter Grund zur Freude. So schlecht sind die Aussichten keineswegs, denn der BSV-Landesklasse-Kader ist breit aufgestellt. Was der in Kesselshain beheimateten zweiten Garnitur über kurz oder lang durchaus zu Gute kommen könnte.

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Nicki Hoff, Coach des FC Bad Lausick II, will mit seinen Schützlingen gegenüber der abgebrochenen Saison (13. Platz) weiter vorn ankommen. Die Bilanz von nur drei Siegen und einem Unentschieden in 14 Spielen muss dafür aber deutlich verbessert werden.

Frankenhain möchte unter den ersten Fünf landen

Es herrscht dringend benötigte Aufbruchstimmung beim TSV Kohren-Sahlis, denn im März hielten die Töpferstädter die rote Laterne in ihren Händen. Nicht auszudenken, wie das Ganze hätte enden können. Das alles hat man hinter sich gelassen, der Blick geht nach vorn. Das Übungsleiter-Tandem Matthias Sparmann/Jörg Kunze hat mit ihrer Truppe eine intensive Vorbereitungsphase bestritten und scharrt mit den Hufen. Der angestrebte einstellige Tabellenplatz ist durchaus anspruchsvoll, erscheint aber keineswegs unmöglich. Schließlich sind dem TSV diese Regionen im Klassement nicht unbekannt.

Fünfter geworden war die SG Olympia Frankenhain in der Kreisliga B-West. Jetzt will man eine Etage höher ebenfalls unter den ersten Fünf landen, denn es ist viel passiert im Frohburger Ortsteil. Nachdem zunächst die Weiterführung des Spielbetriebes in Gefahr war, geschah im Frühsommer beinahe Unglaubliches. Neun gestandene Spieler von Kreisoberligist Alemannia Geithain samt dem dort ausgemusterten Coach Marco Seifert, sowie zwei zuletzt in Gnandsteín aktive ehemalige Geithainer wechselten zu den Olympioniken und wollen beweisen, längst noch nicht zum alten Eisen zu gehören.

Zusammen mit den „alteingesessenen“ Frankenhainern soll in der höheren Leistungsklasse eine Mannschaft entstehen, die dort vorne mitmischen kann – ein spannendes Projekt.