24. Juli 2018 / 12:47 Uhr

"Billige Ausrede": Das sagen Deutsch-Türken zum DFB-Rücktritt von Özil

"Billige Ausrede": Das sagen Deutsch-Türken zum DFB-Rücktritt von Özil

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Politiker Cem Özdemir (l.) und Boxer Ünsal Arik (R.) haben sich zum Fall Özil geäußert. 
Politiker Cem Özdemir (l.) und Boxer Ünsal Arik (R.) haben sich zum "Fall Özil" geäußert.  © Imago-Montage
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Mesut Özil will nach der Erdogan-Affäre nicht länger für die deutsche Nationalmannschaft spielen und wirft dem DFB Rassismus vor. Fußball-Deutschland diskutiert über den Rücktritt und die Özil-Aussagen. Was sagen andere Deutsch-Türken dazu? 

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Fußball-Profi Mesut Özil will nicht länger für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Am vergangenen Sonntag reagierte er auf die Vorwürfe bezüglich seines Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und zog Konsequenzen.

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Seine dreiteilige Erklärung via Twitter gipfelte in einer persönlichen Attacke gegen DFB-Chef Reinhard Grindel. „Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre“, schrieb Özil. Er fühle sich vom Deutschen Fußball-Bund und vor allem dessen Präsident Grindel schlecht behandelt.

Was sagen Deutsch-Türken zu den Aussagen Özils?



Somuncu: "Ich kann Özil bedingt verstehen"

"Ich kann Özils Abrechnung bedingt verstehen", sagte Kabarettist Serdar Somuncu, der selbst in Istanbul geboren ist und im Rheinland aufwuchs, am Montag der ARD. Özil habe dabei jedoch sportliche, politische und persönliche Aspekte vermischt. "Ich hätte das ein bisschen getrennt", sagt Somuncu. "So ist es emotional und trägt dazu bei, dass die Gemüter weiter erregt bleiben." 

Somuncu findet, dass Özil selbstkritischer hätte sein können, denn Erdogan sei nicht nur türkischer Präsident, sondern auch streitbarer Parteipolitiker, der Deutschland massiv angegriffen habe. Laut Somuncu sei es sehr fragwürdig, wenn jemand der für die deutsche Nationalmannschaft spielt, sich mit Erdogan auf einem Bild zeigt und dann sagt, dass dies rein privat und unter Freunden geschehen sei.

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Arik: "Dümmere Ausrede habe ich noch nicht gehört"

Der deutsch-türkische Boxer Ünsal Arik hat die Aussagen Özils auf das Schärfste kritisiert. „Alles, was Özil gerade macht, ist politisch. Er soll mal recherchieren, wofür Erdogan verantwortlich ist, und erklären, warum er diesen Menschen so toll findet“, sagte der 37-Jährige in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Özils Aussage, dass ein politischer Führer getrennt von der Person betrachtet werden könne, verurteilte Arik. „Eine dümmere Aussage habe ich noch nicht gehört. Das hieße ja, der Präsident darf alles machen, unschuldige Leute einsperren, Kriege führen, und ich muss ihn immer unterstützen?“ Arik, der in Deutschland geboren ist und für die Türkei boxt, engagiert sich seit Jahren gegen Erdogan. Dass Özil das Foto mit Präsident Erdogan nur aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes seiner Familie machte, bezeichnete Arik als „eine billige Ausrede“.

Özdemir: "Respekt ist ein großes Wort"

Auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir hält die Özil-Aussagen für falsch. Der Fußballstar sei seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden, sagte er dem Deutschlandfunk. "Er (Özil; Anm. d. Red.) spricht von Respekt. Aber was ist mit dem Respekt vor denen, die Opfer von Erdogans Unterdrückungspolitik sind?", fragt Özdemir. "Was ist mit Ihren Berufskollegen, den Journalisten, die einfach nur ihren Job gemacht haben? Was ist mit Oppositionellen? Respekt ist ein großes Wort, aber das zeigt man normalerweise Leuten, die Respekt verdienen, und das sind keine autoritären Herrscher."

HIER abstimmen: Özil-Rücktritt

Özcan: "Lass uns das niemals vergessen"

Internationale Pressestimmen zum DFB-Rücktritt von Mesut Özil

Die internationale Presse hat sich mit dem Rücktritt von Mesut Özil befasst.  Zur Galerie
Die internationale Presse hat sich mit dem Rücktritt von Mesut Özil befasst.  ©

Viele Fußballprofis reagierten via Twitter oder Instagram auf den Rücktritt und die Aussagen Özils, so auch Berkay Özcan, der beim Bundesligisten VfB Stuttgart unter Vertrag steht. "Was für eine Nationalmannschaftskarriere", schrieb er auf Instagram und postete dazu ein Foto mit dem Star vom FC Arsenal. "Du bist immer noch für viele von uns ein großes Vorbild, wie man es mit ausländischen Wurzeln von ganz unten nach ganz oben schaffen kann. Ganz egal, ob man nun für Deutschland oder das Land seiner Eltern oder Großeltern spielt - Fußball muss wieder verbinden und nicht teilen - dafür steht unser Sport! Lasst uns das niemals vergessen."

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