13. August 2020 / 18:05 Uhr

Das sagen die Trainer der Brandenburger Regionalligisten zur neuen Saison

Das sagen die Trainer der Brandenburger Regionalligisten zur neuen Saison

MAZ-Redaktion
Märkische Allgemeine Zeitung
Johann Weiß (I., Fürstenwalde) und Frank Rohde (Luckenwalde).
Der FSV 63 Luckenwalde (gelbe Trikots) traf bereits am vergangenen Wochenende im AOK-Landespokal auf Union Fürstenwalde. Dort zog der Aufsteiger mit 1:4 den Kürzeren. © Frank Neßler
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Regionalliga Nordost: Am Wochenende startet die neue Saison in der höchsten Spielklasse des Regionalverbandes.

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Während Aufsteiger Luckenwalde zuhause gegen Halberstadt, Energie gegen Lichtenberg und Optik gegen Meuselwitz spielen darf, müssen Babelsberg 03 bei Carl Zeiss Jena und Fürstenwalde beim Berliner AK auswärts antreten. Pünktlich zum Ligastart hat sich der SPORTBUZZER mit den Trainern der fünf Regionalligisten unterhalten.

Nulldrei will abgelaufene Saison vergessen machen

Nach einer desolaten Spielzeit, die in der – nicht sportlich begründeten – Entlassung von Neu-Trainer Marco Vorbeck im November gipfelte, gilt für den SV Babelsberg 03 nur ein Ziel: „Es muss einfach besser werden als in der vergangenen Saison.“ Das sagt Trainer Predrag Uzelac, der im Januar die Geschicke bei den Filmstädtern übernommen hatte. In der Sommerpause hat der Kader der Babelsberger sein Gesicht stark verändert, zahlreiche Spieler haben den Verein verlassen. Neu dazu kamen die drei Rückkehrer Marcus Hoffmann, Tino Schmidt und Lukas Wilton sowie der 19-jährige Lukas Wegener und der Donnerstag verpflichtete Frank Zille – Qualität statt Quantität heißt es beim SVB. Deshalb sieht Uzelac sein Team auch „gut aufgestellt“ für die neue Saison, „aber wir müssen demütig bleiben“, sagt der Coach.

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Für Babelsberg, wie für alle anderen Teams auch, sei die Herausforderung der Spielzeit insbesondere das große Pensum von 38 Spielen, da es aufgrund des coronabedingten Saisonabbruchs keine Absteiger gab und somit 20 Mannschaften in der Liga spielen. Außerdem sei es „die vielleicht anspruchsvollste Regionalliga, die es je gab“, meint Uzelac mit Blick auf die Drittliga-Absteiger Carl Zeiss Jena und Chemnitzer FC sowie Spitzenmannschaften wie Energie Cottbus oder Viktoria Berlin oder VSG Altglienicke. Einen richtigen „Gradmesser“ haben die Babelsberger gleich zum Auftakt mit Jena, das Spiel darf vor 1895 Zuschauern stattfinden, allerdings sind keine Gästefans zugelassen. Tobias Gutsche/Stephan Henke

Für Rathenow zählt einzig und allein der Klassenerhalt

Hinter den Rathenowern liegt eine ordentliche Saison, belegte der FSV Optik doch beim coronabedingten Abbruch der letzten Spielzeit den 13. Tabellenplatz und war auf dem besten Weg, sich sportlich den Klassenerhalt zu sichern. Entgegen den letzten Jahre konnte diesmal auch der Stamm der Mannschaft zusammengehalten werden – blieben immerhin 15 Spieler am Vogelgesang.

In Bildern: Die Sieger des Brandenburger Landespokals seit 2003.

2003: Der damalige Verbandsligist Ludwigsfelder FC gewinnt am 4. Juni 2003 das Landespokalfinale mit 1:0 im heimischen Waldstadion gegen den Brandenburger SC Süd 05 (Oberliga). Siegtorschütze war vor 1100 Zuschauern Mike Jesse (28.). Als Landespokalsieger trifft der LFC in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals am 30. August 2003 auf den Bundesligisten Werder Bremen und verliert 1:9. Zur Galerie
2003: Der damalige Verbandsligist Ludwigsfelder FC gewinnt am 4. Juni 2003 das Landespokalfinale mit 1:0 im heimischen Waldstadion gegen den Brandenburger SC Süd 05 (Oberliga). Siegtorschütze war vor 1100 Zuschauern Mike Jesse (28.). Als Landespokalsieger trifft der LFC in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals am 30. August 2003 auf den Bundesligisten Werder Bremen und verliert 1:9. ©

Der einzige Abgang, der wirklich richtig weh tut, ist der von Innenverteidiger Aleksandar Bilbija, der sich Tennis Borussia Berlin anschloss. Er dürfte jedoch von Salif Dramé ersetzt werden. Der 23-Jährige kam vom luxemburgischen Erstligisten F 91 Diddeleng ins Westhavelland und hinterließ in den Testspielen schon einen sehr guten Eindruck. Überhaupt trat das Kahlisch-Team in den Tests sehr ordentlich auf, musste sich lediglich im ersten Spiel Viktoria Berlin geschlagen geben. „Die Jungs haben richtig gut mitgezogen“, lobte da auch der Rathenower Trainer, der allerdings lange auf seinen Kapitän Jerome Leroy verzichten muss. Er brach sich in der Vorbereitung den Mittelfuß.

„Das ist für uns natürlich ein herber Verlust, er ist menschlich und sportlich ein ganz wichtiger Spieler. Insgesamt sind wir in der Breite aber gut aufgestellt. Für uns geht es jedoch wieder nur um ein Ziel – den Klassenerhalt“, so Ingo Kahlisch. Christoph Laak

Großer Umbruch bei Union Fürstenwalde

Trainer Matthias Maucksch will die Latte nicht zu hoch legen. „Für uns geht es zuerst um den Klassenerhalt. Wir sind einer derjenigen Vereine, die aus wenig Geld viel machen müssen“, sagt der Coach des FSV Union Fürstenwalde, der mit einem Saisonetat von 500 000 Euro plant. Doch er rechtfertigt das Understatement: „Wir haben 13 Abgänge und müssen daher auch 13 neue Spieler einbauen. Noch sind wir da nicht durch.“ Als Neuzugang Nummer elf kam am Donnerstag Dimitrios Komnos hinzu. Der Linksfuß kickt zuletzt beim Liga-Rivalen SV Babelsberg 03, mit dem sich das Team von der Spree am 22. August auch im Landespokalfinale duellieren wird. „Wenn man im Finale steht, will mach auch gewinnen, das ist doch sportlich ganz klar“, erklärt Maucksch. „Meine Mannschaft wird motiviert sein.“

In Bildern: Das sind die wichtigsten Sommertransfers Brandenburgs 2020/21.

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Überhaupt scheint Motivation bei den Unionern ganz vorn an zu stehen. „Letzte Saison haben wir das ja ganz gut hinbekommen. Mal schauen, ob das wieder gelingt“, meint der 51-Jährige. Die wegen Corona abgebrochene Saison 2019/20 beendete Fürstenwalde auf Rang vier. „Trotzdem wollen wir die Kirche im Dorf lassen“, sagt der Ex-Bundesliga-Profi von Dynamo Dresden weiter, der den FSV 2016 in die Regionalliga führte und nach Unterbrechungen in seine fünfte Saison mit den Ostbrandenburgern geht. „Die Jungs haben wieder große Lust auf Fußball. Aber wenn man nur vier Wochen Vorbereitung hat, dann ist das schwierig. Wir wollen wieder ein gutes Team aufbauen, uns in die Saison reinspielen und reinkämpfen“, sagt er über seine junge Mannschaft, die von Routinier Ingo Wunderlich (34) geführt wird. Der Auftakt beim Berliner AK stelle gleich eine Herausforderung dar. Peter Stein

Cottbus ist ein ambitioniertes Team mit Titelgedanken

Energie konnte den Großteil seiner Spieler halten und hat sich bislang punktuell verstärkt, „auf jeden Fall wollen wir noch einen Spieler holen, maximal zwei“, sagt Trainer Sebastian Abt. Am Ende der Saison wolle er mit den Lausitzern „so weit oben wie möglich stehen. Aber diese Gedanken haben noch viele andere Teams in der Liga, es ist wahrscheinlich die beste Regionalliga Nordost der jüngeren Geschichte“. Zumal der Meister in dieser Saison nicht durch den Umweg Relegation in die 3. Liga kommt, sondern direkt aufsteigt. In der Spitze gebe es eine gewisse Breite mit Jena, Chemnitz, Altglienicke, Viktoria, BAK, Hertha II, auch Lok Leipzig muss man im Auge behalten, sagt Abt über die anstehende Spielzeit, die für Energie am Sonnabend (13.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den SV Lichtenberg 47 beginnt.

In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. März 2020

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Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

Der Verein verfolgt die Vision 2022, also Energies Rückkehr ins Profifußball-Geschäft bis 2022, als Druck sehe er das aber nicht. „Klar ist, dass der Club nicht auf Dauer in der 4. Liga bleiben will. Und wir haben die Mannschaft so zusammengestellt, dass wir Spieler haben, die die 4. Liga auch nicht als ihr Zuhause ansehen. Wir haben eine ambitionierte Mannschaft mit vielen Spielern, die im besten Fußballeralter sind“, sagt der Trainer. Es sei aber auch Fakt, „dass das Umfeld und alle, die mit Energie mitfiebern, sich eine sportlich erfolgreiche Saison wünschen. Wir können nicht sagen, wir werden Sechster, wir müssen das Maximale aus der Mannschaft rausholen“, erklärt Abt. Stephan Henke

Mindestens 38 Punkte sind das Ziel

Der FSV 63 Luckenwalde hat mit dem Aufstieg in die Regionalliga ein vorläufiges Ziel erreicht. „Wir haben zwei Jahre darauf hingearbeitet. Jetzt dürfen wir uns endlich in der Regionalliga messen – und das in dieser Konstellation“, sagt Trainer Jan Kistenmacher in Bezug auf die attraktiven Spitzenteams wie Jena, Chemnitz oder Cottbus. Dabei will sich der FSV nicht als Regionalliga-Tourist verstanden wissen, „ich glaube schon, dass wir mit einer gewissen Portion Selbstbewusstsein in die Ligaspiele gehen können“, sagt Kistenmacher und gibt als Ziel einen Punkteschnitt von 1,x Zählern, „1,0 ist das Minimum“, aus. Hochgerechnet auf die Saison würden die Luckenwalder damit mindestens 38 Punkte einfahren und sehr wahrscheinlich auch den Klassenerhalt.

„Es ist immer einfacher, eine Liga zu halten, als irgendwo Meister zu werden“, sagt er. Um in der Liga zu bleiben, müsse das Team gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte punkten. Halberstadt, Auftaktgegner am Sonnabend (13.30 Uhr, Werner-Seelenbinder-Stadion), sei so eine Mannschaft, „ich habe viel Respekt vor Halberstadt, auf der anderen Seite müssen wir solche Spiele gewinnen“, erklärt der Coach. Der kann auf einen Kader zurückgreifen, der größtenteils zusammengeblieben ist. Stephan Henke