18. Juli 2021 / 15:10 Uhr

Das "schreckliche Geräusch" kostet VfL-Sprinter Morawietz die Medaillen-Chance

Das "schreckliche Geräusch" kostet VfL-Sprinter Morawietz die Medaillen-Chance

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Enttäuschung pur: Der Wolfsburger Tobias Morawietz und die deutsche Sprint-Staffel mussten ihren Medaillen-Traum früh begraben.
Enttäuschung pur: Der Wolfsburger Tobias Morawietz und die deutsche Sprint-Staffel mussten ihren Medaillen-Traum früh begraben. © Imago Images (2)
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Er brachte ein tolles Debüt bei der U20-EM auf die Bahn, lieferte über die 100 Meter zwei Top-Zeiten ab, war in Estland schnellster Deutscher. Am Sonntag wollte Tobias Morawietz vom VfL Wolfsburg dann mit der Staffel eine Medaille in Tallinn holen. Doch der Traum zerplatzte beim ersten Wechsel. Trotzdem sagt er zum Thema internationale Wettkämpfe: Bitte mehr davon.

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"Es ist ein schreckliches Geräusch", sagt Tobias Morawietz. Für Staffelläufer kann es nichts Schlimmeres geben. Wenn der Staffelstab zu Boden fällt, ist die Jagd nach Bestzeiten und Medaillen sofort beendet. Es war ein Geräusch, das der Sprinter des VfL Wolfsburg im Vorlauf der 100-Meter-Staffel bei der U20-EM in Tallinn am Sonntag hören musste. Für einen winzigen Moment spürte er den Stab in seiner Hand, dann flog er in hohem Bogen weg. Schuld traf den 18-Jährigen keine, wie die anschließende Analyse ergab. Doch die Medaillen-Chance war futsch.

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10,58 und 10,57 Sekunden. Morawietz hatte bei seinem Einzelstart zweimal an seiner Bestzeit (10,56 Sek.) gekratzt, war bei seinem EM-Debüt gleich schnellster Deutscher. Damit hatte er unterstrichen, dass er in die Staffel gehört. Die hatte in Estland Medaillen-Chancen, Morawietz wurde aufgestellt, sollte an Position zwei laufen. Sollte. Denn dazu kam es nicht. Der Stab, den ihm Felix Kunstein (Mannheim) in Führung liegend übergeben wollte, verfehlte sein Ziel, Morawietz konnte ihn nicht greifen. Alles aus. Im ersten Vorlauf. Beim ersten Wechsel. Der Stab fiel zu Boden. Da war es: "Das schreckliche Geräusch", so der VfLer.

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"Das ist das Schlimmste, das passieren konnte, wenn gleich der erste Wechsel nicht hinhaut", sagt der 18-Jährige, der aus seinem Seelenleben keine Mördergrube machte: "Man ist irgendwie schon am Boden, ein bisschen zerschlagen. Ich brauchte auch eine Stunde, musste von den anderen Jungs etwas getröstet werden." Denn: "Ich habe mir zunächst auch Gedanken gemacht, was habe ich falsch gemacht. Warum das jetzt nicht funktioniert hat - und dann kam raus, dass ich gar nicht so viel falsch gemacht habe."

Der misslungene Wechsel wurde nämlich direkt analysiert. Fazit: "Ich habe meinen Job erledigt." Der Wolfsburger lief wie geplant von seiner Marke ab, hatte die Hand gut draußen. Morawietz zu den entscheidenden Sekunden aus seiner Sicht: "Felix hat ziemlich früh 'Hepp' geschrien, das habe ich auch mitbekommen, dann habe ich die Hand direkt ausgestreckt. Er hätte den Stab eigentlich sehr gut reinlegen können." Das misslang. "Ich hatte keine große Chance, ihn mitzunehmen."

Stab futsch. Medaillen-Chance futsch. Das tat weh. Das tut weh. Der VfLer denkt auch an die Staffel-Kollegen Florian Knerlein (München) und James Adebola (Berlin), die an Position drei und vier gelaufen wären. "Sie hatten überhaupt keine Chance, da irgendetwas zu machen." Trotzdem: "Man lernt jetzt auch draus, das nächste Mal machen wir es besser", blickt der Wolfsburger nach vorn.

Denn der Blick zurück auf seine erste EM-Teilnahme weckt die Lust auf mehr. Das internationale Flair, die Anfeuerung von der Tribüne. "Es hat super viel Spaß gemacht. Ich werde alles dafür geben, wieder zu einem internationalen Wettkampf zu kommen. Das ist der Grund, warum man jeden Tag trainiert!" Das Verrückte, ja das Sensationelle an seiner Entwicklung: Erst 2019 machte er seinen ersten offiziellen Freiluft-Wettkampf in der Leichtathletik, zuvor hatte er Fußball gespielt.

Am Montag geht's zurück nach Deutschland, in der Nacht auf Dienstag ist er wieder zu Hause. "Es tut mir leid, dass ich nichts mit nach Wolfsburg bringen kann", sagt er entschuldigend. Dabei lag es doch - buchstäblich - nicht in seiner Hand.