21. November 2021 / 19:33 Uhr

Das steckt hinter dem Derbysieg von Union Berlin gegen Hertha BSC

Das steckt hinter dem Derbysieg von Union Berlin gegen Hertha BSC

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
 Freude in Rot: Union holt den Derbysieg gegen Hertha BSC.
Freude in Rot: Union holt den Derbysieg gegen Hertha BSC. © imago images/Jan Huebner
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Der 1. FC Union unterstreicht durch das 2:0 im Derby seine aktuelle Vormachtstellung in der Hauptstadt - für den aktuellen Erfolg der Südost-Berliner gibt es gute Gründe, das weiß auch Hertha-Trainer Pal Dardai.

Am Ende war es ein Stadtderbytag wie gemalt für den 1. FC Union: Keine Krawalle, ein volles Stadion und ein verdienter Heimsieg gegen Hertha BSC. An der Alten Försterei feierten Unions Fußballfans genüsslich das 2:0 (2:0) über den Berliner Bundesliga-Rivalen. „Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer eins“, schallte durchs Stadion, immer und immer wieder. Auf den Rängen dominierte die Farbe Rot, auch weil die Blauen den Ort der Schmach nach Schlusspfiff schnell verlassen hatten.

Im Innern des Stadions stand Herthas Trainer Pal Dardai kein Fluchtweg offen, bei der obligatorischen Pressekonferenz musste er erklären, was erklärungsbedürftig war: die zuvor schwachen 90 Derbyminuten seiner Elf. „Wenn wir ehrlich sind, haben wir keinen richtigen Schuss aufs Tor gebracht“, klagte Dardai – und gab damit gleich einen wichtigen Hinweis, warum die Köpenicker auch noch am Sonntag stolz ihre Fahnen hissen durften.

Die besten Bilder vom Stadtderby zwischen Union Berlin und Hertha BSC.

Der 1. FC Union Berlin gewinnt das Derby gegen Hertha BSC mit 2:0 und krönt sich zum inoffiziellen Berliner Stadtmeister. Zur Galerie
Der 1. FC Union Berlin gewinnt das Derby gegen Hertha BSC mit 2:0 und krönt sich zum inoffiziellen Berliner Stadtmeister. © imago images

Das Geheimnis des zweiten Union-Derbysieges in der Fußball-Bundesliga, den dieses Mal die Torschützen Taiwo Awoniyi (8. Minute) und Christopher Trimmel (30.) sicherstellten, steht in den Taktikbüchern von Urs Fischer. Unions Trainer ließ sich fürs Derby wenig Neues einfallen, er blieb einfach stur und ließ seine Elf einen Fußball spielen, von dem er die meiste Ahnung hat: Fischerfußball also. „Die Mannschaft hat viel Leidenschaft gezeigt“, erklärte Fischer, „war kompakt, war griffig.“

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Was oft nach Phrasen klingt, füllten die Gastgeber im Derby wieder einmal mit Leben. Sie versuchten erst gar nicht, Hertha unter Druck zu setzten, wie sich das für ein Heimspiel vielleicht gehört, sondern lauerten konsequent auf Fehler des Gegners. Dass die in Person von Marton Dardai so früh kamen, mag mit Spielglück zu tun haben; eben jene Momente erzwingt Fischers Elf aber erstaunlich oft. Dieses Mal setzte Awoniyi einem von Außenverteidiger Niko Gießelmann lang geschlagenen Ball nach. „Das erste Tor hat uns in die Karten gespielt“, sagte Fischer, der hernach eine „gewisse Ruhe und Sicherheit“ bei seiner Elf feststellte. Das traf vor allem auf die Abwehr und das laufstarke Mittelfeld zu.

Immer wieder schlossen Genki Haraguchi, Rani Khendira oder Grischa Prömel die Lücken, in der letzten Reihe hielten Marvin Friedrich und Robin Knoche das Zentrum dicht. Über jene Kompaktheit und Organisation, die Fischers Elf auszeichnet, verfügt kein anderer Bundesligist. Den Trainer freut es deshalb, dass seine Mannschaft in ihrer Kernkompetenz „immer besser“ werde. Zu Beginn der Saison sei das noch nicht optimal gewesen, erklärte Fischer. „Das Umschaltspiel funktioniert schon sehr gut. Es gilt aber nach wie vor, viel aufzuwenden, um sich am Schluss auch zu belohnen. Jeden Punkt in der Liga muss man sich hart erarbeiten.“

Dardai erkannte den Erfolg des Rivalen neidlos an, um klare Worte war er nicht verlegen. „Wir sind jetzt genau da, wo Union vor drei Jahren war“, sagte er auf der Pressekonferenz. Drei Jahre (und ein paar Monate mehr), das umfasst genau die Zeit, in der Union von Manager Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer geführt wird. Sie durften etwas entwickeln in dieser Zeit, in Ruhe aufbauen, Mannschaften nach ihren Idealen und Vorstellungen formen. Zwar jedes Jahr aufs neue, weil immer wieder Spieler gingen und kamen, aber immer nach einem klaren Plan, nach einer klaren Idee. Union hat eine fußballerische Identität entwickelt, die Hertha abgeht. Im Stadtderby wurde das einmal mehr deutlich.


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Gegen Hertha glänzte auch Kapitän Christopher Trimmel wieder, der in dieser Saison bislang selten sein volles Potenzial abrufen konnte. „Er kommt in die Situation, wo er auch torgefährlich sein sollte“, erklärte Fischer Trimmels Distanzschuss zum 2:0 nach Gießelmanns Ecke. Trimmel selbst tat nach dem Spiel noch ein paar Worte beim TV-Sender Sky kund, die Unions Fanseele schmeichelten: „Die Stadtmeisterschaft bedeutet uns sehr viel, das wollten wir gewinnen.“

Neben Trimmel hatte Fischer auch Max Kruse wieder in die Startelf beordert. Nach überstandenen Fußproblemen zeigte Kruse, warum er die Nummer zehn trägt. Vor allem in der zweiten Halbzeit holte er sich viele Bälle ab, setzte seine Mitspieler teils fein in Szene und war stets präsent. „Ich bringe hier noch eine andere Note rein“, erklärte Kruse nach dem Duell. Der Spielmacher stand gegen Hertha für die Kunst im kompakten Köpenicker Spiel, er ordnete und dirigierte. „Ich versuche mich immer anspielbereit zu machen und mich in Bereichen in Szene zu setzen, wo mich der Gegner vielleicht nicht findet, und ich dann Mitspieler in Szene setzen kann.“

Dass Union in der zweiten Halbzeit keine weiteren Tore trotz guter Chancen nachlegte, blieb das einzige Manko im Derby. „Man hat gesehen, zu was wir in der Lage sind, nicht nur spielerisch, sondern auch kämpferisch“, bilanzierte Kruse treffend. „Wir haben unser Herz auf dem Platz gelassen – so wie sich das gehört für ein Derby.“ Damit war aus Union-Sicht alles gesagt.