18. April 2021 / 17:36 Uhr

"Das war ganz klar kein Elfmeter": Stimmen zur 2:3-Pleite vom VfB Lübeck bei Waldhof Mannheim

"Das war ganz klar kein Elfmeter": Stimmen zur 2:3-Pleite vom VfB Lübeck bei Waldhof Mannheim

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Mirko Boland ist nach der Niederlage niedergeschlagen. Wird es langsam eng für den VfB Lübeck?
Mirko Boland ist nach der Niederlage niedergeschlagen. Wird es langsam eng für den VfB Lübeck? © Agentur 54°
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Vor allem eine Entscheidung des Unparteiischen sorgt bei den Verantwortlichen und Spielern des VfB Lübeck für Fragezeichen auf der Stirn.

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Rolf Landerl, VfB-Trainer: „Wir hatten einen guten Start und eine Riesenmöglichkeit durch Eli Ramaj. Wenn wir da 2:0 in Führung gehen, schaut das ganze anders aus. Wir geben das Spiel dann viel zu schnell her, haben das Heft aus der Hand gegeben und lassen Mannheim zu viele Räume. Speziell unsere rechte Abwesenheit haben wir nicht richtig unter Kontrolle bekommen. Sehr fragwürdiger Elfmeter muss ich sagen. Schon letzte Woche haben wir einen Elfmeter gegen Akono nicht bekommen. Jetzt ein sehr fragwürdiges Ding gegen uns. Weiß nicht, ob man das geben muss in so einer Partie, wo so viel auf dem Spiel steht. Bole will in den Zweikampf gehen. Wie soll er denn da hingehen. Er kann ja keine Kerze da reinspringen. Für so etwas, so ein Ding zu geben, ist unglaublich. Aber gut. Wie gesagt. Regelauslegung ist so. Kann man geben, muss man aber nicht geben. Das höre ich eigentlich wöchentlich, bei solchen Handgeschichten. Dass wir so früh reagiert haben, war ein taktischer Wechsel. Wir haben uns mit Moody Chana mehr Stabilität auf der rechten Seite erarbeitet. Zweite Halbzeit haben wir eine wirklich tolle Leistung gebracht. Vielleicht etwas zu spät den Anschluss geschafft. Ich glaube aber, dass wir uns ein klares Chancenplus erarbeitet haben. Wenn es 3:3 ausgeht, kann man heute auch nichts sagen. Unterm Strich haben wir die Führung zu schnell weggegeben, die entscheidenden Zweikämpfe nicht so angenommen, wie ich mir das vorstelle von meiner Mannschaft in der ersten Halbzeit. Wir haben eine halbe Stunde hergeschenkt. In der zweiten Halbzeit dann versucht, das ganze wieder aufzuholen. Es geht darum, dass du mit jeder Phase diesen Abstiegskampf leben willst. Das musst du leben und zeigen. Nicht nur 15 Minuten und dann erst wieder zweite Halbzeit, sondern über 90 Minuten. Nur so kannst du dich schlussendlich belohnen. Wir haben keine Zeit, etwas herzuschenken. Wir hätten große Schritte machen können in der Tabelle, hätten den Druck weiter aufbauen und hätten richtig Anschluss finden können. Das ist uns leider nicht gelungen. Das müssen wir jetzt am Mittwoch zu Hause gegen Ingolstadt machen.“

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Leeser: "Noch sechs Endspiele."

Rocco Leeser, VfB-Sportdirektor: „Wir haben die ersten 15 Minuten sehr gut gespielt. Schönes Tor von Ersin und haben noch eine Möglichkeit von Eli Ramaj, der entweder weiter laufen oder mit vollem Risiko aufs Tor schießen muss. Danach war es ziemlich ausgeglichen. Zweimal standen wir dann nicht gut und liegen 1:2 zurück. Das 1:3 ist sehr unglücklich. Zweite Halbzeit dominierten wir, kriegen wir Möglichkeiten. Klar kommt da mal ein Konter. Wir machen ein schönes Tor zum 2:3 und haben mehrere Chancen. Ich bin der Meinung, dass wir einen Punkt zu wenig bekommen haben. Wie die Mannschaft zweite Halbzeit gekämpft und geackert hat, war super. Hat leider nicht gereicht. Noch sechs Endspiele. Noch ist nichts verloren.“

Die Lübecker freuen sich über die frühe Führung durch Ersin Zehir (6.) - doch letzten Endes sollte der Schein trügen. Zur Galerie
Die Lübecker freuen sich über die frühe Führung durch Ersin Zehir (6.) - doch letzten Endes sollte der Schein trügen. ©

Schikorra wettert gegen den Schiedsrichter

Thomas Schikorra, VfB-Vorstandssprecher: "Es tut mir leid für die Mannschaft, die wieder alles rausgehauen hat. Wir haben uns den Rückstand zum 1:2 letztlich selbst zuzuschreiben, was danach passiert ist, allerdings nicht. Der Handelfmeter ist ein Witz, die Verteilung der gelben Karten auch. Nicht zum ersten Mal."

Raeder sieht Strafstoß als 50:50-Situation

Torhüter Lukas Raeder, der den gesperrten Abwehrchef Tommy Grupe (fünfte Gelbe Karte) als VfB-Kapitän vertrat: „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen und auch in Führung gegangen. Dann war eine Phase, in der wir nicht so den Zugriff auf das Spiel hatten, und gehen dann in Rückstand. Den Elfmeter muss man nicht unbedingt geben. Zweite Halbzeit hat man gesehen, dass wir nicht aufgesteckt haben. Wir haben nochmal alles reingeworfen. Die Jungs waren kurz vorm Kotzen, haben alles reingehauen. Vom Einsatz können wir uns auf jeden Fall nichts vorwerfen. Zum Ende hin haben wir dann nochmal richtig Druck gemacht, haben den Ball aber nicht mehr ins Tor bringen können, um den Ausgleich machen zu können. Gerade von der kämpferischen Leistung her hätten wir es auf jeden Fall verdient, einen Punkt mitzunehmen. Mit einem Dreier wärst du bis auf einen Punkt dran gewesen. Es sind aber nach wie vor noch genügend Punkte zu vergeben. Wir haben auch schon mal gezeigt, dass wir eine Serie starten können. Wenn wir auf den nächsten Gegner schauen, haben wir im Hinspiel in Ingolstadt ein gutes Spiel gemacht. Von daher brauchen wir uns nach wie vor vor keinem zu verstecken und gehen auf jeden Fall mit Zuversicht in die nächsten Spiele.“

Wille des Teams macht Mirko Boland Mut

Mirko Boland, VfB-Routinier: „Nach der 1:0-Führung kriegen wir wirklich aus dem Nichts das Tor. Natürlich wissen wir auch, dass Mannheim gute Soccer drin hat und sehr stark in der Offensive ist. Innerhalb von zwei Minuten kriegen wir zwei Dinger rein und liegst auf einmal 1:2 hinten und weißt gar nicht, was los ist. Wir haben dann ein bisschen gebraucht. Kurz vor der Halbzeit war ich beteiligt an einem Elfmeter, wo ich ganz klar denke, dass das keiner war. Ich bin tausendprozentig davon überzeugt, dass man den nicht geben muss. Ist mir scheißegal, was der Schiedsrichter da für eine Regelauslage hat. Solche Situationen hat man zu genüge. Ich verschaffe mir aber kein Vorteil daraus. Ich bleibe dabei, dass das ganz klar kein Elfmeter ist. In dieser Phase musst du als Schiedsrichter auch ein bisschen Fingerspitzengefühl zeigen. Der Elfmeter bringt uns natürlich in eine sehr schwierige Situation. Was die Mannschaft aber in der zweiten Halbzeit gezeigt hat, da hatten wir enorme Chance, haben Druck aufgebaut und hatten die Chancen zum Ausgleich. Hat leider nicht gereicht. Man muss sagen unterm Strich, das ist viel zu wenig für uns und bitter. Wir zeigen es immer, dass wir mehr als mithalten können. Uns fehlt sicher vorne der Lucky Punch. Trotzdem sehe ich, dass die Mannschaft will und einen unfassbaren Willen auch hat, Spiele umzudrehen oder halt für sich zu gestalten. Das macht mir Mut. Es sind weiter vier Punkte zum rettenden Ufer und vier haben noch sechs Spiele. Wir werden alles mögliche, was in unserer Macht liegt, tun, es zu schaffen.“

Malone bemängelt Spiel nach der Führung

Ryan Malone, VfB-Abwehrspieler: „Die Enttäuschung ist sehr groß. Es ist sehr bitter, dass wir heute nicht drei Punkte geholt haben. Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen. Das war richtig gut von uns. Sehr bitter waren die nächsten 15 Minuten von uns. Wir waren einfach viel zu wenig im Spiel. Schwer zu sagen, woran es lag. In dem Moment, wo wir 1:0 in Führung gehen, müssen wir immer klar im Kopf bleiben und nicht aufhören. Sondern immer aggressiv bleiben in den Zweikämpfen. In diesen 15 Minuten waren wir viel zu leicht in den Zweikämpfen. Dann hatten wir in dieser Zeit auch noch viele Ballverluste. Es sind nur vier Punkte und wir haben noch sechs Spiele. Wir müssen einfach nur daran glauben. Es ist noch nichts vorbei und alles noch drin.“

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Waldhof Mannheim drückt VfB Lübeck die Daumen

Patrick Glöckner, Trainer von Waldhof Mannheim: „Wir konnten zum Glück relativ schnell antworten und dann auch noch mit einem Doppelschlag. Das ist dann extrem anstrengend für den Gegner aus solch einer moralischen Situation weiter Vollgas zu geben. Das hat uns in die Karten gespielt. Mit dem Anschlusstreffer wurde es am Ende nochmal brutal eng. Kein Spiel für schwache Nerven. Am Ende geht es vom Ergebnis in der Gesamtsumme in Ordnung. Lübeck war ein extrem harter Brocken. Daher war für uns das Ergebnis heute das allerwichtigste. Wir drücken beide Daumen, dass Lübeck den Klassenerhalt schafft.“ 

Der doppelte Torschütze Dominik Martinovic, Stürmer von Waldhof Mannheim: „Wir spielen sehr aggressiv in den letzten Spielen. Das zeichnet uns aus. 0:1 kann passieren. Das war ein ordentlicher Treffer vom Gegner. Wichtig ist, dass wir selber an uns glauben und den Biss beibehalten. Geil, wie wir das Spiel in so kurzer Zeit gedreht haben. Lob an die Mannschaft.“