16. Dezember 2019 / 13:36 Uhr

"Das war überragend": Ex-Leipziger beschert dem SC DHfK einen bitteren Abend

"Das war überragend": Ex-Leipziger beschert dem SC DHfK einen bitteren Abend

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Viggo Kristjansson (r.) zeigte gegen seinen Ex-Club, was er draufhat.
Viggo Kristjansson (r.) zeigte gegen seinen Ex-Club, was er draufhat. © Picture Point
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Ausgerechnet Viggo Kristjansson brachte seinen neuen Arbeitgeber Wetzlar beim SC DHfK Leipzig auf die Siegerstraße. So mancher Fan stellte sich angesichts dessen im Anschluss die Frage, warum der Isländer die Grün-Weißen im November so plötzlich verlassen musste.

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Leipzig. Wie bitter haben diese Worte wohl in den Ohren der Messestädter nachgeklungen? „Das muss ich zum Bedauern von Leipzig schon sagen: Viggo war heute richtig stark. Das war überragend, was er gespielt hat.“ Diese Sätze kamen von Kai Wandschneider, der als Coach der HSG Wetzlar dem gastgebenden SC DHfK Leipzig soeben eine empfindliche 26:29-Niederlage (15:15) beigebracht hatte. Sein Lob an diesem Sonntagabend richtete sich an Viggo Kristjansson. Der Isländer war erst Mitte November von der Pleiße zur HSG gewechselt.

Überraschender Abgang

DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther zeigte sich entsprechend angefressen. „Ohne Viggo hätte Wetzlar das Spiel heute wahrscheinlich nicht gedreht. Daher nehme ich diese Niederlage auf meine Kappe“, so Günther. „Es war im Wesentlichen meine Entscheidung, ihn gehen zu lassen.“ Tatsächlich kam der Abgang im Herbst recht unvermittelt daher, vor allem weil der 25-Jährige erst im Sommer in Leipzig angeheuert hatte. „Es war komisch, heute herzukommen. Vor einem Monat habe ich hier noch gegen die Löwen gespielt“, so der isländische Nationalspieler. „Mein Wunsch war es eigentlich, hierzubleiben für die nächsten Jahre“

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Der SC DHfK Leipzig verliert das Spiel gegen die HSG Wetzlar mit 26:29. Zur Galerie
Der SC DHfK Leipzig verliert das Spiel gegen die HSG Wetzlar mit 26:29. ©

Doch daraus wurde nichts. Denn die Grün-Weißen hatten für die Rückraum-Rechts-Position überraschend andere Pläne. Der Abgang von Linkshänder Franz Semper zur SG Flensburg-Handewitt zur Jahresmitte 2020 steht bereits seit dem Frühjahr fest. Als Ersatz ist Martin Larsen vorgesehen, der momentan noch in Diensten des französischen Erstligisten Pays d‘Aix UC steht. Den Platz neben dem Dänen vergaben die Verantwortlichen dann nicht an Kristjansson, sondern an Eigengewächs Gregor Remke. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass unser Weg der Richtige ist, auch wenn wir die Früchte erst später ernten werden“, so Karsten Günther.

Dass es mit dieser Ernte tatsächlich noch eine Weile dauern kann, wurde am Sonntag überdeutlich. Während die HSG Wetzlar mit der Hereinnahme von Kristjansson (und Alexander Feld) auf die Siegerstraße einbog, erwischte Remke auf der Gegenseite einen rabenschwarzen Tag. Der Isländer donnerte seine fünf Wurfversuche allesamt in die Maschen. Meinte später: „Ich glaube, Leipzig hat nicht erwartet, dass sich so oft aus neun Metern werfe.“ Sein Gegenüber auf Seiten des SC DHfK blieb ohne Torerfolg, setzte seine drei Versuche neben oder über den Kasten und verließ das Parkett alsbald wieder.

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André Haber (re., Trainer SC DHfK Leipzig): Unser Fehler heute war, dass wir Wetzlar haben in Führung gehen lassen. Und das wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Wetzlar spielt einen unglaublich geduldigen, schwer zu verteidigenden Handball. Damit haben sie uns heute zermürbt. Leider ist es uns nur in Teilen gelungen, ein Feuerwerk zu zünden. Es tut mir sehr leid, dass wir unsere Fans nicht belohnen konnten. Zur Galerie
André Haber (re., Trainer SC DHfK Leipzig): "Unser Fehler heute war, dass wir Wetzlar haben in Führung gehen lassen. Und das wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Wetzlar spielt einen unglaublich geduldigen, schwer zu verteidigenden Handball. Damit haben sie uns heute zermürbt. Leider ist es uns nur in Teilen gelungen, ein Feuerwerk zu zünden. Es tut mir sehr leid, dass wir unsere Fans nicht belohnen konnten." ©

"Passt zu uns wie die Faust auf''s Auge"

Mit seinen 21 Jahren hat Remke bereits mehrere große Verletzungen hinter sich. Zuletzt musste er Anfang 2019 wegen eines Knorpelschadens hinter der Kniescheibe pausieren, fiel mehrere Monate aus. Im Sommer 2018 war er wegen dieses Problems bereits operiert worden, verpasste aufgrund des Eingriffs die Junioren-EM sowie mehrere Monate mit dem SC DHfK. Zuvor laborierte er bereits an einer Schleimbeutelentzündung. Auch hier war ein längerer Ausfall die Folge.

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Dennoch entschied sich der SC DHfK für den Rückraum-Nachwuchs. „Wer heute nach Hause geht und denkt, das war ein Fehler, soll den gern bei mir suchen“, sprang Coach André Haber nach dem Spielausgang am Sonntag seinem Geschäftsführer bei. „Ich habe mich nicht quergestellt, als die Anfrage von Wetzlar kam.“ Über welche Qualitäten Viggo Kristjansson verfüge, habe man durchaus gewusst.

Von denen profitiert nun das Team von Kai Wandschneider. „Er passt zu uns und unserem Spiel wie die Faust auf’s Auge“, freute sich der HSG-Trainer. Und auch der Isländer selbst scheint zufrieden. „Es war sehr leicht in die Mannschaft reinzukommen und in der Stadt anzukommen. Wir fühlen uns wohl in Wetzlar.“