25. Mai 2020 / 03:06 Uhr

„Das wirkte ängstlich!“ Schmadtke vermisst VfL-Mut

„Das wirkte ängstlich!“ Schmadtke vermisst VfL-Mut

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jörg Schmadtke war mit der ersten Halbzeit gegen Dortmund nicht einverstanden
Jörg Schmadtke war mit der ersten Halbzeit gegen Dortmund nicht einverstanden
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0:2 gegen Borussia Dortmund: Erstmals seit mehr als zwei Jahren bleibt der VfL Wolfsburg in zwei Heimspielen nacheinander ohne Tor - Manager Jörg Schmadtke war mit dem Auftritt in der ersten Halbzeit nicht einverstanden.

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Es gab Momente, in denen das Spiel vielleicht hätte kippen können – aber es waren am Ende zu wenige. Mit 0:2 (0:1) verlor der VfL sein erstes Bundesliga-Geister-Heimspiel gegen Borussia Dortmund, Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi erzielten die Treffer. Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke ärgerte sich vor allem über die erste Halbzeit: „Die war schwach!“ Das VfL-Spiel vor der Pause „war nicht geprägt von Emotionalität, war nicht geprägt von Willen“. Man habe „nicht gesehen, dass wir einen wirklich guten Gegner in Schwierigkeiten bringen können“.

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Und so hat der VfL nun erstmals seit über zwei Jahren zwei Liga-Heimspiele nacheinander ohne eigenes Tor absolviert. Dabei hatte Trainer Oliver Glasner den VfL überraschend offensiv aufgestellt. Wout Weghorst und Daniel Ginczek agierten als Doppelspitze, unterstützt von Admir Mehmedi und Renato Steffen auf den Flügeln. Funktioniert hat es nicht, ein Weghorst-Kopfball war die einzige VfL-Strafraumaktion in der gesamten (!) ersten Halbzeit. Glasner: „Wir sind enttäuscht, weil wir verloren haben. Wir haben in der ersten Halbzeit das, was wir uns vorgenommen haben, nicht so gut auf den Platz bekommen. Wir waren zwar gut organisiert und haben Dortmund sehr wenig Torchancen gegeben, aber wir waren bei eigenem Ballbesitz zu anfällig für Fehler.“

Nach der Pause und der Auswechslung von BVB-Abwehrchef Mats Hummels wurde es besser, vor allem Steffen kam in gute Abschluss-Situationen, traf einmal die Oberkante der Latte. „Da sind wir besser rausgekommen“, so der Schweizer nach der Partie, „auch durch meine Chance – bei der ich eigentlich den Ausgleich hätte machen müssen, vielleicht kippt das Spiel dann. Aber es passt ein bisschen zum Spiel, dass ich den nicht mache...“ Und so bleibt Steffen bei fünf Rückrunden-Toren stehen – damit ist er aber nach wie vor der gefährlichste VfL-Angreifer in diesem Kalenderjahr.

Erstes VfL-Geister-Heimspiel in der Bundesliga

Erstes VfL-Geister-Heimspiel in der Bundesliga Zur Galerie
Erstes VfL-Geister-Heimspiel in der Bundesliga ©

Der Gegner zeigte derweil, wie Effizienz geht: Dortmund hatte zwar einen Torschuss weniger als der VfL (6:7 – in der Summe klägliche 13 insgesamt), war aber zweimal erfolgreich. „Dortmund war ballsicherer und hat weniger unforced Errors gemacht“, so Glasner. „Und sie haben zweimal aufs Tor geschossen, beide Bälle waren drin. Wir hatten auch zwei gute Möglichkeiten, haben davon aber keine genutzt, deswegen hat Dortmund gewonnen.“

Kein Tor in der guten Phase nach der Pause – für den VfL-Fanbeauftragten Holger Ballwanz war das der Moment, in dem die eigenen Fans dem Team am meisten gefehlt haben: „Wenn da noch mal der Push von den Rängen kommen kann, ist das vielleicht eine andere Situation.“
So aber musste Schmadtke feststellen: „Es wirkte vor der Pause, als würden wir bloß kein Debakel erleben wollen. Das ist kein guter Ratgeber. Ich persönlich gehe lieber mit fliegenden Fahnen unter, verliere lieber 0:4, habe dabei aber alles versucht – anstatt 0:2 zu verlieren und zu sagen: Die zweite Halbzeit haben wir’s gut gemacht.“

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Mit fehlendem Mut, so befand dagegen Glasner, habe die Torlosigkeit nichts zu tun gehabt: „Wir wollten mutig spielen, aber wir haben einfach zu viele Fehler gemacht, das hat uns etwas entmutigt. Wir haben in der ersten Halbzeit in gefährlichen Situationen den Ball zu leichtfertig hergegeben.“
Die zweite Halbzeit war dann deutlich besser, Trost war das allerdings nicht – schon gar nicht für Schmadtke. „Ich hatte“, so der Manager, jeden Moment den Eindruck, die Dortmunder ruckeln noch mal an und haben dann das Spiel wieder unter Kontrolle. Wir waren gegen gute Dortmunder chancenlos.“

Immerhin: Platz sechs hat der VfL auch ohne eigenes Tor erst einmal verteidigt – denn der SC Freiburg kassierte eine 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen, Schalke 04 verlor am Sonntag gegen den FC Augsburg (der gegen den VfL eine Woche zuvor verloren hatte) mit 0:3. Schon morgen geht’s weiter: Der VfL spielt dann in Leverkusen, Freiburg in Frankfurt. Schalke muss einen Tag später in Düsseldorf ran.