09. November 2019 / 09:00 Uhr

David Odonkor über seinen Wechsel nach Wilhelmshaven, Probleme der Amateure und Übergriffe auf Schiedsrichter

David Odonkor über seinen Wechsel nach Wilhelmshaven, Probleme der Amateure und Übergriffe auf Schiedsrichter

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
David Odonkor, hier als Trainer der Spielvereinigung Bad Pyrmont, sorgt sich um den Amateurfußball.
David Odonkor, hier als Trainer der Spielvereinigung Bad Pyrmont, sorgt sich um den Amateurfußball. © Dennis Michelmann
Anzeige

David Odonkor gibt im Januar sein Comeback beim Bezirksligisten SV Wilhelmshaven. Der Ex-Nationalspieler erklärt, wie das Engagement zu Stande kam und spricht über die Probleme im Amateurfußball. Zudem fordert er nach der jüngsten Gewalt gegen Schiedsrichter harte Strafen.

Anzeige
Anzeige

Dieses Interview ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

SPORTBUZZER: Herr Odonkor, Sie kehren auf die Fußballbühne zurück und spielen ab dem 1. Januar 2020 für den SV Wilhelmshaven in der Bezirksliga. Warum haben Sie sich für einen Wechsel zum früheren Regionalligisten entschieden?

David Odonkor (35): Ich kenne dort einen Spieler, mit dem ich als Sportlicher Leiter bei der Hammer SpVg zusammengearbeitet habe. Zudem bin ich noch mit zwei, drei weiteren Leute aus dem Verein befreundet. Wilhelmshaven möchte unbedingt zurück in die Landesliga und hat mich gefragt, ob ich dabei helfen kann. Für mich ist es überhaupt kein Problem, den Verein zu unterstützen – das mache ich sehr gerne. Ich mache es aus Spaß und es läuft überhaupt nicht professionell ab. Wenn ich es zeitlich am Wochenende schaffe, laufe ich für das Team auf. Meine Arbeit im TV oder ein möglicher neuer Trainer-Posten gehen immer vor.

Sie waren zuletzt Co-Trainer beim türkischen Zweitligisten Eskisehirspor. Zuvor haben Sie zwischen Juli 2017 und Juni 2019 die SpVgg Bad Pyrmont trainiert. Wie soll ihre Trainerkarriere weitergehen?

Ich würde gerne etwas zusammen mit Andreas Golombek machen. Unter ihm war ich auch Co-Trainer beim SC Verl. Das war bisher die beste Zeit in diesem Bereich. Ich möchte weiter meine Erfahrungen machen und wissen, wie die Arbeit als Cheftrainer läuft. Natürlich würde ich das am liebsten so hoch wie möglich machen und einen Verein weiterentwickeln. Ich habe bereits meine B-Lizenz gemacht und fange jetzt mit der A-Lizenz an.

Bilder aus der Karriere von David Odonkor:

2002 gibt David Odonkor seine Briefträger-Ausbildung auf und gehört zum Profikader bei Borussia Dortmund. Das Foto zeigt den 18-Jährigen bei einem seiner ersten Bundesliga-Spiele mit Trainer Matthias Sammer. Zur Galerie
2002 gibt David Odonkor seine Briefträger-Ausbildung auf und gehört zum Profikader bei Borussia Dortmund. Das Foto zeigt den 18-Jährigen bei einem seiner ersten Bundesliga-Spiele mit Trainer Matthias Sammer. ©
Anzeige

Würden Sie einen Trainerposten auch mit der Rolle als Spieler in Wilhelmshaven kombinieren?

Ich möchte mich weiter auf den Trainerjob fokussieren. Wenn ich mal nicht der Aufgabe als Trainer nachgehen muss, würde ich für Wilhelmshaven oder die Traditionsmannschaften spielen. Für mich ist klar, dass ich meine aktive Karriere schon vor einigen Jahren beendet habe. Ich möchte aber weiter Spaß am Fußball haben und meine Erfahrung an die jungen Leute weitergeben. Mein großes Ziel bleibt ein neuer Trainerposten.

"Amateurspieler reißen sich den Arsch auf"

Als Trainer kennen Sie den Amateurbereich bereits sehr gut. Welche großen Unterschiede haben Sie im Vergleich zum Profi-Geschäft erlebt?

Man kann es nicht miteinander vergleichen. Aber mir macht der Amateurfußball richtig viel Spaß. Es ist richtig geil, was bei machen Dorfvereinen los ist, wenn da 400 bis 500 Leute auf dem Sportplatz sind. Ich habe großen Respekt vor den Spielern, die bis 17 Uhr arbeiten müssen und trotzdem noch dreimal pro Woche zum Training kommen. Sie reißen sich den Arsch auf, um die Erfolge mit nach Hause zu bringen. Egal, ob ich in der Landesliga oder Regionalliga Trainer bin, ich versuche immer das gleiche umzusetzen. Professionelles Arbeiten für den maximalen Erfolg ist mir ganz wichtig.

Jochen Breyer: #GABFAF in 60 Sekunden

"Lieber Amateurfußball gucken als vor dem Fernseher sitzen"

Wie haben Sie die Entwicklung in den vergangenen Jahren im Amateurfußball erlebt?

Es wird immer mehr deutlich, dass oft nur noch wenige Zuschauer zu den Sportplätzen kommen. Das sind nicht mehr so viele wie noch vor sieben, acht Jahren. Viele denken sich: Warum sollte ich mir ein Amateurspiel anschauen, wenn ich auch 2. Liga im Fernsehen gucken kann? Und das kann ich nicht verstehen. Man glaubt gar nicht, was für geile Zocker da auf den Amateur-Plätzen manchmal unterwegs sind. Also ich schaue mir dann lieber ein Spiel in den unteren Ligen an, als vor dem Fernseher zu sitzen.

Welchen Stellenwert hat für Sie der Amateurfußball?

Aus den Amateurvereinen lebt der Fußball. Der Fußball muss im Amateurbereich aber noch mehr leben als aktuell. Wenn sich nur 100 Leute ein Spiel in der Landesliga angucken, ist das sehr schade. Es muss mehr Leute geben, die die kleinen Vereine unterstützen. Ich will nicht, dass es so weitergeht und die Vereine wegsterben. Leider hat es schon einige getroffen, da einfach das Budget und die Ehrenamtlichen fehlen.

Hol Dir Matze Knop auf Eure Klub-Weihnachtsfeier - Infos zur #GABFAF-Aktion hier

Es gibt auch andere Beispiele in den unteren Ligen…

Natürlich. Es gibt vereinzelt Klubs, die richtig viel Geld in die Hand nehmen und möglichst schnell in die Oberliga oder Regionalliga aufsteigen wollen. Diese Teams werden von allen anderen Mannschaften in der Liga gehasst. Die kaufen alles auf. Wenn ein Spieler zu so einem Verein geht, dann nur wegen des Geldes. Das ist schon brutal, was da manchmal abgeht.

Mehr zu #GABFAF
David Odonkor spielt auch für die DFB-All-Stars. Hier bei einer Partie im Oktober 2019 gegen die Azzuri Legends.
David Odonkor spielt auch für die DFB-All-Stars. Hier bei einer Partie im Oktober 2019 gegen die Azzuri Legends. © imago images/Philippe Ruiz

"Wer den Schiri nicht akzeptiert, soll zu Hause bleiben"

Sie haben sicherlich auch von den Übergriffen gegen Schiedsrichter gehört. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

Das ist ganz schrecklich und darf einfach nicht passieren. Viele Schiedsrichter haben schon vor den Spielen Angst und wollen gar nicht erst zum Sportplatz fahren. Dann sollen die Leute lieber in einen Boxring steigen und sich dort auf die Fresse hauen. Es darf nicht dazu kommen, dass die Spieler die Schiedsrichter attackieren. Den Spielern muss bewusst sein, dass sie den Verein in der Öffentlichkeit repräsentieren. Und wenn dann so etwas passiert, wirft das ein ganz schlechtes Bild auf den Klub. Der Schiri war für uns Spieler immer tabu – egal, wie verärgert wir über manche Entscheidungen waren. Man muss respektvoll miteinander umgehen. Warum kann man auf dem Platz nicht einfach nur Spaß haben?

Wünschen Sie sich in einzelnen Fällen deutlich härtere Strafen?

Wenn man einen Schiedsrichter schlägt und dafür nur eine Sperre von sechs oder acht Wochen bekommt, ist das natürlich viel zu wenig. Ich würde solche Leute mindestens für ein Jahr oder lebenslänglich sperren. So etwas gehört einfach nicht auf den Platz. Es ist ganz schlimm, wenn man mitbekommt, dass die Schiedsrichter sogar vor Spielern weglaufen. Die wollen sich doch auch weiterentwickeln und mal in höheren Ligen pfeifen. Solche Idioten zerstören manche Karrieren. Wer den Schiedsrichter nicht akzeptiert, sollte einfach zu Hause bleiben.

Hier #GABFAF-Supporter werden

Wir kämpfen für den Amateurfußball! Trage Dich kostenlos ein und Du bekommst unseren exklusiven Newsletter mit allem, was den Amateurfußball in Deutschland bewegt. Außerdem kannst Du jeden Monat 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein gewinnen und entscheidest mit, wofür #GABFAF sich als nächstes einsetzt.

ANZEIGE: 50% auf dein Jako Herbst-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN