15. Dezember 2018 / 06:00 Uhr

Hertha-Stürmer Davie Selke träumt von Nationalmannschaft: "Doch momentan zu Recht nicht genannt"

Hertha-Stürmer Davie Selke träumt von Nationalmannschaft: "Doch momentan zu Recht nicht genannt"

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Davie Selke wurde 2017 in Polen U21-Europameister. Mit Hertha tritt er am Samstag in seiner Heimat Stuttgart an. 
Davie Selke wurde 2017 in Polen U21-Europameister. Mit Hertha tritt er am Samstag in seiner Heimat Stuttgart an.  © Imago-Montage
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Der Berliner Angreifer Davie Selke fiel zum Saisonstart verletzt aus. Doch inzwischen kämpfte er sich zurück in die Startelf von Hertha BSC. Im Interview spricht er über seinen Traum von der deutschen Nationalmannschaft, dem Duell mit seinem Ex-Verein VfB Stuttgart und einem besonderen Erlebnis in einer Jugendstrafanstalt. 

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Der Berliner Angreifer Davie Selke verpasste aufgrund eines Lungenrisses den Saisonstart. Inzwischen kämpfte er sich zurück und stand in den vergangenen beiden Bundesliga-Partien in Herthas Startelf.

Im Interview spricht der U21-Europameister über seinen Wunsch, für die Nationalmannschaft zu stürmen, einen Besuch in einem Jugend-Gefängnis und das kommende Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen seinen Jugendverein, den VfB Stuttgart.

Mein Tag im Gefängnis? "Eine Grenzerfahrung"

SPORTBUZZER: Herr Selke, Sie haben gerade erst eine Jugendstrafanstalt in Berlin besucht, um sich dort mit den Insassen zu unterhalten. Wie war das?

Davie Selke (23): Was ich an diesem Tag im Gefängnis erlebt habe, war krass. Es war eine Grenzerfahrung.

Es war das Kontrastprogramm zu Ihrem Alltag: Als Fußballprofi verdienen Sie viel Geld und werden von Fans umjubelt.

Die jugendlichen Insassen waren total neugierig und kannten mich fast alle – viele von ihnen sind Hertha-Fans und verfolgen genau, was bei uns passiert. Und trotzdem: Es war ein beklemmendes Gefühl dort drin. Vor allem wenn man weiß, dass einem erst vier Türen geöffnet werden müssen, bevor man wieder herauskommt.

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Marko Pantelic: War als Stürmer auf und neben dem Platz nie ganz pflegeleicht. Heute besitzt er ein Restaurant im Belgrader Stadtzentrum und arbeitet als Spielerberater. ©
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Ist Ihnen ein Erlebnis besonders in Erinnerung geblieben?

Oh ja. Ich fragte bei den Jungs in die Runde, wer hier denn die längste Strafe abbüßt. Einer von ihnen antwortete mir, dass er 15 Jahre bekommen hat. 15 Jahre im Jugendgefängnis, das ist die Maximalstrafe. Ich wollte genauer wissen, was passiert ist.

Was kam dabei heraus?

Ich will nicht ins Detail gehen, doch es ging um einen Mord. In diesem Moment erinnerte ich mich daran, dass ich hier nicht mit normalen Jugendlichen sitze.

"Stuttgart ist Heimat, Berlin ist cool"

Weg von diesem speziellen Erlebnis. Kommen wir zu Ihrer Hauptaufgabe: Am Samstag treten Sie mit Hertha in Ihrer Heimat Stuttgart an. Ein besonderes Spiel für Sie?

Ich bin Schwabe und werde nach meiner Karriere wieder in Stuttgart leben. Ich habe dort eine Wohnung, bin gerade mal 10 Minuten von der Mercedes-Benz-Arena entfernt aufgewachsen. Das ist daher schon ein ganz besonderes Spiel für mich.

Was rechnen Sie sich für die Partie aus?

Es ist eine extrem wichtige Partie für die Stuttgarter. Doch wir sind aktuell gut drauf.

Wie gefällt es Ihnen als Schwabe überhaupt in Berlin?

Berlin ist eine unfassbar coole Stadt. Es ist bisher die schönste Stadt, in der ich gelebt habe.

Schöner noch als Stuttgart?

Nein, okay, das nicht. Stuttgart ist meine Heimat. Doch es ist die schönste Stadt meiner bisherigen Profi-Stationen.

Die Schwaben, welche in Berlin leben, werden von den Ur-Berlinern recht kritisch beäugt. Wurde Ihnen in schon mal ein Spruch gedrückt?

Ich habe davon gehört, ja. Es gibt wohl sogar einen Spruch für uns Schwaben in Berlin. Er fällt mir aber gerade nicht ein (lacht).

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Bei Hertha spielen Sie zusammen mit erfahrenen Stürmern wie Salomon Kalou und Vedad Ibisevic. Was wollen Sie sportlich erreicht haben, wenn Sie in ihrem Alter sind?

Ich möchte bis dahin mindestens ein Spiel für Deutschland gemacht haben. Als junger deutscher Spieler, der bereits Erfolge in den U-Nationalmannschaften feierte, ist es das logische Ziel, denke ich.

Wie verfolgen Sie die Diskussion um die Zukunft des DFB-Sturms? Einige Namen von Angreifern werden dabei recht häufig gespielt, Ihrer eher weniger.

Vielleicht wäre mein Name ohne die Verletzung zum Saisonstart präsenter. Doch momentan wird mein Name im Zusammenhang mit dem DFB auch zu Recht nicht genannt. Ich brauche Zeit, um mich wieder in einen Lauf zu spielen – erst dann wird es auch mein nächstes Ziel sein, eine Alternative in der Nationalmannschaft zu werden.

Was möchten Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?

Es geht mir weniger um Titel. Ich will das Bestmögliche leisten, zufrieden mit meiner Karriere sein. Und in der Champions League möchte ich auch gespielt haben.

Stichwort Champions League! Was ist mit Hertha in dieser Saison drin?

Wir müssen genauso weitermachen wie bisher. Wir haben durch die letzten Spiele wieder Anschluss nach oben. Jetzt wollen wir in Stuttgart gewinnen. Wenn wir in den letzten drei Spielen noch ein paar Punkte holen können, haben wir ein entspanntes Weihnachtsfest.

Und was ist mit Hertha in den kommenden Jahren drin?

Wir haben gute, talentierte Jungs, die sich mittlerweile auch besser kennen. Die Mischung mit erfahrenen Spielern stimmt. Es ist eklig gegen uns zu spielen. Wir wollen den Gegner stressen. Und wir wollen Fußball spielen und sind auch jederzeit für ein eigenes Tor gut.

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