30. Juni 2020 / 08:09 Uhr

Davies, BVB, Tönnies und Co.: Jochen Breyer kürt die Gewinner und Verlierer der Saison

Davies, BVB, Tönnies und Co.: Jochen Breyer kürt die Gewinner und Verlierer der Saison

Jochen Breyer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Alphonso Davies wurde mit den Bayern einmal mehr deutscher Meister, Mats Hummels blieb mit dem BVB das Nachsehen. Jochen Breyer kürt die Gewinner und Verlierer der Saison.
Alphonso Davies wurde mit den Bayern einmal mehr deutscher Meister, Mats Hummels blieb mit dem BVB das Nachsehen. Jochen Breyer kürt die Gewinner und Verlierer der Saison. © imago images/Montage
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Die Bundesliga-Saison - in vielerlei Hinsicht eine geschichtsträchtige Spielzeit - ist vorbei und hielt auch in diesem Jahr einige Überraschungen bereit. SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer zieht ein Fazit und nennt seine Gewinner und Verlierer.

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Die Gewinner

Die Fans: Auf den ersten Blick Verlierer, weil sie nicht mehr ins Stadion durften. Auf den zweiten Blick aber Gewinner, weil auch der Letzte gemerkt hat, dass Zuschauer im Stadion nicht nur ein nettes Accessoire sind, sondern existenziell für das Gesamterlebnis Fußball. Dürfte ihre Position stärken.

Christian Seifert: Nur zwei Menschen machte Jürgen Klopp nach seinem Meistertitel in England eine Liebeserklärung: seiner Frau Ulla. Und Christian Seifert. In einer SMS schrieb er: „Ohne dich wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Gemeint war Seiferts Hygienekonzept, das weltweit zum Vorbild wurde. Hierzulande hat er damit jene Klubs, die er eigentlich schon längst reich gemacht hatte, die aber (fast wie bei Wirecard) nicht mehr genau wussten, wo die vielen Milliarden geblieben waren, vor der Pleite gerettet. Von ihnen wird er jetzt noch mehr geliebt als von Klopp.

Hansi Flick: Hat bewiesen, dass er auch „Chef“ kann. Darüber hinaus, wie wichtig Menschenführung ist. Macht seine Spieler, um sie anzutreiben, nicht kleiner („Prinzip Magath“), sondern größer („Prinzip Heynckes“). Thomas Müller und Co. haben es ihm gedankt.

Bayern-Trainer Hansi Flick: Die Bilder seiner Karriere

Hansi Flick ist seit Spätherbst 2019 Trainer des FC Bayern München. Der frühere Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw hat eine bewegte Karriere im Profifußball hinter sich. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Laufbahn Flicks in Bildern. Zur Galerie
Hansi Flick ist seit Spätherbst 2019 Trainer des FC Bayern München. Der frühere Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw hat eine bewegte Karriere im Profifußball hinter sich. Der SPORTBUZZER zeigt die Laufbahn Flicks in Bildern. ©

Bruno Labbadia: Hertha, der selbst ernannte „Big City Club“, war ein „Big Chaos Club“. Bis Labbadia kam. Bei Wolfsburg bekam er trotz Platz sechs keinen neuen Vertrag, jetzt führte er Hertha geräuschlos aus dem Keller. Vielleicht der am meisten unterschätzte Trainer.

Alphonso Davies: Hat die Bundesliga im Sprint erobert. Hätte statt der Karriere als "Roadrunner" (O-Ton Müller) auch eine als Hollywoodschauspieler oder Komiker anstreben können. Kann Thomas Müller besser parodieren als Thomas Müller selbst. Wer den Clip, in dem er seine Teamkollegen beim Jubel nachahmt, noch nicht gesehen hat: unbedingt nachholen!

Union Berlin: Riesensaison gespielt und auch noch Riesensportsgeist bewiesen, indem sie auch noch eisern blieben, als es für sie um nichts mehr ging. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht (hallo Dortmund, hallo Köln). Für mich die Mannschaft der Saison.

Klaus Gjasula: Hat als Spieler von Paderborn einen Bundesliga-Rekord gebrochen und ist bundesweit bekannt geworden – das muss man erst mal schaffen ...

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Die Verlierer

Klaus Gjasula: ... leider war’s nur der Rekord für die meisten Gelben Karten in einer Saison.

Clemens Tönnies: Wenn 16 sieglose Spiele nicht das größte Problem eines Klubs sind, dann heißt das nichts Gutes. Tönnies’ Saison begann mit einer rassistischen Entgleisung und endete mit einem Corona-Ausbruch in seinem Betrieb. Den Menschen und Tieren in seinem Fleischbetrieb muss die Politik helfen. Die Menschen in "seinem" Fußballklub müssen sich selbst helfen.

Borussia Dortmund: War meine größte Hoffnung für ein spannendes Titelrennen. Großartige Transferpolitik (Brandt, Haaland, Can), spektakulärer Kader – und am Ende doch 13 Punkte hinter den Bayern. Liegt’s am Trainer? Liegt’s an fehlender Siegermentalität? Mit diesen herausragenden Einzelspielern muss jedenfalls mehr möglich sein.

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Die Spannung: Der Abstiegskampf muss seit Jahren ausbügeln, was der Meisterkampf versäumt. Auch diesmal wieder (danke, Werder, für den dramatischen Schlussakt!). Acht Schalen für Bayern in Folge. Geht man davon aus, dass sich Kinder frühestens ab dem siebten Lebensjahr für Fußball interessieren, heißt das: Alle Fans, die unter 16 sind, kennen keinen anderen Meister. Nichts gegen die Bayern, aber die Bundesliga muss sich etwas einfallen lassen.

Der HSV: Hat schon genug Häme abbekommen. Ich wünsche ihm von Herzen den Aufstieg 2021. Ehrlich!