22. Juli 2021 / 09:50 Uhr

Von DDR-Gold bis Hrubesch-Abschied: Das waren die drei besten deutschen Olympia-Auftritte im Fußball

Von DDR-Gold bis Hrubesch-Abschied: Das waren die drei besten deutschen Olympia-Auftritte im Fußball

Dennis Ebbecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Medaillen gab es für deutsche Mannschaften bei Olympia schon in jeder Farbe.
Medaillen gab es für deutsche Mannschaften bei Olympia schon in jeder Farbe. © Getty Images/IMAGO/Pressefoto Baumann/Werner Schulze (Montage)
Anzeige

Ab Donnerstag spielen die deutschen Fußballer in Tokio um Medaillen. Vor dem Auftaktspiel gegen Olympiasieger Brasilien blickt der SPORTBUZZER auf die drei erfolgreichsten Olympia-Kampagnen unter deutscher Flagge zurück.

Anzeige

Obwohl Deutschland als einziger Fußball-Weltmeister noch nie Olympiasieger wurde (der DDR-Erfolg von 1976 einmal außen vor gelassen), gab es in der Vergangenheit dennoch starke schwarz-rot-goldene Auftritte bei den Turnieren. So lieferten die späteren Weltmeister Jürgen Klinsmann und Thomas Häßler 1988 in Seoul einen Vorgeschmack darauf, was zwei Jahre später bei der WM in Rom passieren sollte. Unvergessen bleibt auch der jüngste DFB-Erfolg bei Olympia - inklusive des emotionalen Abschieds von Trainer Horst Hrubesch nach dem verlorenen Elfmeterschießen im Finale 2016 gegen Gastgeber Brasilien.

Anzeige

Am kommenden Donnerstag (13.30 Uhr/ARD und Eurosport) hat die Mannschaft von Stefan Kuntz im deutschen Auftaktspiel gegen den Titelverteidiger die Chance zur Revanche. Die weiteren Vorrunden-Gegner in Gruppe D sind Saudi-Arabien (25.07.) und die Elfenbeinküste (28.07.). Unseren Rückblick beginnen wir mit dem großen Triumph der Deutschen Demokratischen Republik in Montreal, der ebenso Teil unserer gesamtdeutschen Olympia-Historie ist wie die späteren Medaillenerfolge.

DDR-Gold 1976 in Montreal

Zwei Jahre nach dem legendären DDR-Sieg über die Bundesrepublik bei der WM 1974 durch den 1:0-Siegtreffer von Jürgen Sparwasser durften die Fußballfans in der Deutschen Demokratischen Republik erneut jubeln - und die erste (und bisher einzige) olympische Goldmedaille der deutschen Fußball-Geschichte feiern. Nach Bronze 1972 reichte es diesmal für den ganz großen Wurf - trotz einer eher holprigen Vorrunde in Kanada. Die Mannschaft von Georg Buschner kassierte gegen die Amateurteams aus Brasilien (0:0) und Spanien (1:0) zwar keinen Gegentreffer, konnte jedoch selbst ebenfalls nicht mit großer Torgefahr glänzen.

Erst in der K.o.-Runde steigerte sich die DDR-Auswahl enorm und zeigte gegen Frankreich (4:0) sowie im prestigeträchtigen Duell mit der Sowjetunion (2:1) herausragende Leistungen. Selbiges galt für das Endspiel gegen Titelverteidiger Polen: Dank Toren von Hartmut Schade, Martin Hoffmann und Reinhard Häfner - sowie einer von Torwart Jürgen Croy und Libero Hans-Jürgen "Dixie" Dörner gut organisierten Abwehr - sicherte sich die DDR einen ungefährdeten 3:1-Erfolg. Die Titelverteidigung wurde vier Jahre später in Moskau gegen die Tschechoslowakei (0:1) übrigens nur knapp verpasst - Silber war dennoch ein starker Lohn.

Bronze 1988 in Seoul

Bevor für die deutschen Fußballfans bei Olympia eine Durstrecke anbrechen sollte (von 1992 bis 2012 waren die schwarz-rot-goldenen Farben nicht vertreten), brachte die Mannschaft von Trainer Hannes Löhr 1988 noch einmal eine Medaille mit nach Hause. Auch wenn Tennisspielerin Stefanie Graf als Olympiasiegerin (und spätere Golden-Slam-Siegerin) sicherlich die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, hinterließ auch die Fußballauswahl in Seoul einen bleibenden Eindruck.

Die mit späteren 1990er Weltmeistern wie Jürgen Klinsmann und Thomas Häßler gespickte Mannschaft startete mit Siegen über China (3:0) und Tunesien (4:1) souverän ins Turnier, die Niederlage im dritten Vorrundenspiel gegen Schweden (1:2) fiel letztlich nicht ins Gewicht. Nach einem ungefährdeten Viertelfinal-Erfolg über Sambia (4:0) zog die Löhr-Elf im Halbfinale gegen Brasilien den Kürzeren - und zwar im Elfmeterschießen, nachdem bereits Wolfgang Funkel während der regulären Spielzeit mit seinem Strafstoß an Taffarel gescheitert war. Im "kleinen" Finale gegen Italien nahm das Turnier aus deutscher Sicht dann einen guten Ausgang. Klinsmann, Gerhard Kleppinger und Christian Schreier schossen Deutschland zur ersten Olympia-Medaille im Fußball.

Silber 2016 in Rio de Janeiro

Am Ende fehlte nicht viel für die Mannen von Horst Hrubesch zum großen Triumph von Rio de Janeiro - also an jenem traditionsreichen Ort, an dem die DFB-Auswahl von Joachim Löw zwei Jahre zuvor den Weltmeistertitel erringen konnte. Dass die erste deutsche Olympia-Teilnahme nach 28 Jahren letztlich so erfolgreich, ergo mit der Silbermedaille, enden würde, war so nicht unbedingt zu erwarten. Nach einem schleppenden Start mit (zu) vielen Gegentoren gegen Mexiko (2:2) und Südkorea (3:3) setzte die Hrubesch-Auswahl gegen Fußballzwerg Fidschi das erste dicke Ausrufezeichen - 10:0!

Noch beeindruckender waren die Auftritte in der K.o.-Phase, in der erst Portugal überraschend klar mit 4:0 und anschließend Nigeria mit 2:0 bezwungen werden konnten. Alles war angerichtet für das große Finale gegen Gastgeber Brasilien. Nach Toren von Neymar und Max Meyer musste das Endspiel im Elfmeterschießen entschieden werden, in dem Nils Petersen die Nerven versagten. Auch wenn es nicht für Gold reichen sollte, durfte Trainer Hrubesch mit Stolz auf sein letztes Länderspiel zurückblicken. Seine Mannschaft steigerte sich von Spiel zu Spiel, präsentierte sich enorm torgefährlich (Petersen und Serge Gnabry avancierten mit je sechs Treffern zu den erfolgreichsten Schützen) und lieferte eine eindrucksvolle Teamleistung ab. Dass Deutschland nach der Final-Niederlage gegen Brasilien der einzige Weltmeister ist, der noch nie Olympiasieger wurde, daran kann gearbeitet werden. Etwa 2021 unter Stefan Kuntz ...