12. Februar 2021 / 10:00 Uhr

Nach dem Debakel bei den Australian Open: Dem deutschen Frauen-Tennis drohen harte Jahre

Nach dem Debakel bei den Australian Open: Dem deutschen Frauen-Tennis drohen harte Jahre

Jörg Allmeroth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das deutsche Damen-Tennis steht vor schwierigen Jahren.
Das deutsche Damen-Tennis steht vor schwierigen Jahren. © Getty Images (Montage)
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Bei den Australian Open sind alles deutschen Frauen schon früh ausgeschieden. Das Desaster zeigt: Nach starken Jahren muss sich das deutsche Frauen-Tennis auf eine Durststrecke einstellen. Die Nachwuchs-Hoffnungen fehlen.

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Barbara Rittner kann sich noch gut an die frühen Jahre ihrer Amtszeit erinnern. Das deutsche Frauentennis steckte auch damals in der Ergebniskrise, aber Bundestrainerin Rittner schöpfte Hoffnung, wenn sie ihre besten Teenager bei den regelmäßigen Lehrgängen beobachtete. Wer würde es in die Weltklasse schaffen? Andrea Petkovic, Julia Görges, Angelique Kerber? "Sie hatten alle schon ihre Klasse, das besondere Etwas. Man merkte: Da wuchs eine tolle Generation heran", sagt Rittner. Ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn die Leverkusenerin, inzwischen oberste Frauentennis-Aufseherin beim DTB, an jene Epoche zurückdenkt.

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Petkovic, Görges, Kerber: Sie alle haben ihren Weg gemacht im Tourbetrieb. Görges und Petkovic grüßten aus den Top Ten, waren für Spitzenplätze auch bei den Grand Slams gut. Und Kerber wurde sogar zur vorübergehend dominierenden Kraft im Wanderzirkus, zur dreimaligen Grand-Slam-Königin, zur Nummer eins der Rangliste, zur Silbermedaillengewinnerin bei Olympischen Spielen.

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Doch die Zeit der regelmäßigen Erfolgsmeldungen ist nun wieder vorbei, nach gut einem Jahrzehnt scheint das deutsche Frauentennis in der internationalen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Die Australian Open markierten den vorläufigen Tiefpunkt: Keine Spielerin erreichte die dritte Melbourne-Runde, einzig Mona Barthel landete überhaupt einen Sieg. Kerber, Petkovic und Laura Siegemund mussten gleich zum Auftakt wieder ihre Beschäftigung im Einzel einstellen.



Den DTB-Damen fehlen die Nachwuchs-Hoffnungen

Die Weltrangliste liefert ein ungeschminktes Bild der Misere: Mit Kerber (Platz 25) und Siegemund (Platz 49) finden sich gerade mal zwei Repräsentantinnen des DTB unter den Top 100. Die beste Spielerin unter 30 Jahren ist die Rheinländerin Anna-Lena Friedsam auf Platz 111, die beste Spielerin unter 25 Jahren findet sich dann auf Platz 180 – die Bonnerin Antonia Lottner. "Wunderdinge sind nicht zu erwarten", hatte Rittner bereits in der abgelaufenen Saison gesagt, "wir müssen jetzt sehr viel Geduld haben. Da ist eine große Lücke entstanden." Eine Lücke, die noch mehr ins Auge fallen wird, wenn sich nach Görges im vergangenen Oktober auch Kerber und Petkovic in den Ruhestand verabschiedet haben werden. Allzu lange wird das nicht mehr dauern.

Rittner und andere Führungskräfte im DTB hatten in den vergangenen Jahren durchaus ein wenig Zuversicht geschöpft, dass sich nach dem Abschied der goldenen Generation keine allzu große Krise entwickeln würde. Spielerinnen wie Anna-Lena Friedsam, Annika Beck, Dinah Pfizenmaier oder auch Carina Witthöft rückten in die Top 100 auf. Aber heute sind sie alle wieder aus der erweiterten Weltspitze abgerutscht, teils wegen Verletzungspech, anderer Lebensziele (Beck studiert Medizin) oder mentaler Probleme – Witthöft etwa gab offen zu, den Leistungsdruck nicht mehr ausgehalten zu haben. Lottner schaffte im Erwachsenentennis nie den Vormarsch.

Rittner kann genau wie die DTB-Coaches Jasmin Wöhr und Dirk Dier in der Krise nicht sehr hoffnungsvoll nach vorn schauen. Spielerinnen mit größerem Potenzial gebe es unter den Juniorinnen durchaus, "aber die brauchen noch eine Menge Zeit", sagt Rittner. Die Pandemie wirkt zudem wie ein Verstärker für die unklaren Aussichten. Denn die deutschen Talente müssen gerade ohne internationale Kräftemessen auskommen. Wer den Teilstillstand am besten verkraftet, wessen Karriere das am wenigsten berührt oder beschädigt, ist die große Frage.

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