16. Juli 2019 / 15:27 Uhr

Furchtlose Debütantin: 96-Schwimmerin Köhler träumt von WM-Halbfinale

Furchtlose Debütantin: 96-Schwimmerin Köhler träumt von WM-Halbfinale

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Angelina Köhler hat schon in Buenos Aires bewiesen: Medaillen holt sie gerne. Jetzt bereitet sie sich auf die WM in Japan und Südkorea vor. 
Angelina Köhler hat schon in Buenos Aires bewiesen: Medaillen holt sie gerne. Jetzt bereitet sie sich auf die WM in Japan und Südkorea vor. 
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Angelina Köhler steht vor einem Meilenstein ihrer Karriere: Sie debütiert bei der Erwachsenen-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Die 18-Jährige hat sich in diesem Jahr sogar selbst überrascht - und fürchtet sich nicht vor der tollen Herausforderung. 

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Die vergangene Woche verbrachte Angelina Köhler noch mit den Großeltern in Hannover. „Die Familie ist zum Urlaub in der Türkei“, erzählte die 18-Jährige. Und sie ist kein bisschen neidisch auf die Eltern und die jüngeren Schwestern, wie sie betonte: „Ich fliege ja nach Japan und Südkorea.“

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Die Traumziele in Fernost bieten für Köhler Belohnung und Anstrengung zugleich. Seit knapp einer Woche bereitet sie sich mit 29 deutschen Schwimmkollegen im japanischen Kumamoto auf die Weltmeisterschaften im südkoreanischen Gwangju vor. Die Wettkämpfe im Becken beginnen dort am Sonntag.

Köhler steigert und überrascht sich selbst

Und es gleicht einer Mischung aus Märchen und Masterplan, dass die Schwimmerin von Hannover 96 ihr internationales Debüt bei den Erwachsenen gibt. Köhler unterbot im April die nationale Qualifikationsnorm von 57,90 Sekunden über 100 Meter Schmetterling. 57,85 Sekunden schwamm sie in Stockholm. Damit steigerte sie ihre Bestzeit aus dem Vorjahr (59,39) um mehr als eineinhalb Sekunden – ein riesiger Leistungssprung, der auch sie selbst überraschte.

In Argentinien schon erfolgreich

Die fulminante Steigerung erklärte sie mit Umstellungen im Training. „Ich habe ja erst im Winter richtig begonnen, in der Schmetterlingslage zu üben“, sagte die Hannoveranerin, die auch im Kraulsprint zur nationalen Spitze zählt. Den Ausschlag für die Konzentration gaben zwei Medaillen in dieser Lage (Silber über 100 Meter, Bronze über 50 Meter), die sie von den Olympischen Jugendspielen aus Buenos Aires mitbrachte.

<b>Angelina Köhler</b> (Mitte) wurde 2018 zuletzt Deutsche Meisterin in 50m Freistil. Die 17-Jährige zog vor einigen Jahren von Hannover nach Koblenz, um auf dem Sportinternat am Ferdinand-Fricke-Weg an ihrem Traum von einer Profikarriere zu arbeiten. Regelmäßig nimmt sie an Europa- und Weltmeisterschaften der Junioren teil - mit Erfolg. Ihre Steckenpferde sind Freistil und Schmetterling.
Angelina Köhler (Mitte) wurde 2018 zuletzt Deutsche Meisterin in 50m Freistil. Die 17-Jährige zog vor einigen Jahren von Hannover nach Koblenz, um auf dem Sportinternat am Ferdinand-Fricke-Weg an ihrem Traum von einer Profikarriere zu arbeiten. Regelmäßig nimmt sie an Europa- und Weltmeisterschaften der Junioren teil - mit Erfolg. Ihre Steckenpferde sind Freistil und Schmetterling. © imago/Eibner

Gulijev macht Köhler besser

Hinzu kommt, dass die Sprinterin jetzt „längere Serien“ trainiert. Sie wagte sich auf der Kurzbahn im Winter sogar auf die kräftezehrenden 200 Meter Schmetterling und reihte sich als Meisterschaftsdritte gleich in die deutsche Spitze ein.

Diese Schritte fügen sich in Köhlers Karriere ein. „Seit vier Jahren trainiere ich zusammen mit Emil Gulijev, seitdem geht es Jahr für Jahr vorwärts“, sagte die Schwimmerin. Gulijev gehörte schon zum Landestrainerstab, als im hannoverschen Leistungszentrum noch die nationale Elite um Thomas Rupprath und Lars Conrad trainierte. Der erfahrene Coach führte Köhler 2016 zur Junioren-EM, 2017 zur Junioren-WM, 2018 zu den Olympischen Jugendspielen und jetzt zur Erwachsenen-WM.

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Es ist nicht vermessen, die aktuelle Vorbereitung auch als Probelauf für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Tokio zu sehen. Auch wenn Köhler bescheiden bleibt. „Ich muss erst einmal die Zeit bestätigen.“ Und gesund bleiben. In Gwangju tritt die Hannoveranerin über 100 Meter (Sonntag) und 50 Meter Schmetterling (26. Juli) sowie in der Lagenstaffel (28. Juli) an. „Über 100 Meter nehme ich das Halbfinale in den Blick“, sagte Köhler. Dazu müsste sie unter die besten 16 schwimmen, in der Jahresweltbestenliste wird sie als 19. geführt.

Auf der Sprintdistanz möchte sie einfach ihre Bestzeit (26,53 Sekunden) toppen. Und die Konkurrenz? Natürlich hat sie Respekt vor jemanden wie Sarah Sjöström, die Schwedin war schon viermal Weltmeisterin. „Ich bleibe aber locker, wenn ich gegen sie schwimme“, sagt Angelina Köhler. „Sie ist ja auch nur ein Mensch.“