30. September 2020 / 17:02 Uhr

DEL-Eishockey vor der Absage? Das sagt Grizzlys-Manager Fliegauf

DEL-Eishockey vor der Absage? Das sagt Grizzlys-Manager Fliegauf

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Grizzlys-Manager Charly Fliegauf.
Volle Hallen? Wird überhaupt gespielt? Manager Charly Fliegauf von den Grizzlys Wolfsburg erwartet keine positive Entscheidung der Politik, möchte aber einen baldigen Saisonstart. © Boris Baschin
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Das deutsche Eishockey wegen Corona in der vielleicht größten Krise der Geschichte. Am Freitag läuft ein Ultimatum der Liga an die Politik ab. Charly Fliegauf, Manager der Grizzlys Wolfsburg, rechnet nicht mit einer positiven Entscheidung, Dennoch rechnet er auch nicht mit einer Saisonabsage, hält aber auch eine neuerliche Verschiebung nicht für optimal.

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Die Schlinge für das deutsche Spitzeneishockey zieht sich immer weiter zu. Unter den derzeit geltenden Bedingungen (nur 20 Prozent der Zuschauer-Kapazitäten dürfen belegt werden), sehen sich die meisten Klubs im Oberhaus finanziell nicht in der Lage zu starten. Sie hatten einen wie ein Ultimatum klingenden Hilferuf an die Politik gesandt - in der Hoffnung Hilfszusagen oder eine bessere Auslastungsquote bis zum 2. Oktober zu bekommen. Ansonsten werde man nicht wie geplant am 13. November starten können.

Bilder vom Eishockey-Vorbereitungsspiel ETC Crimmitschau - Grizzlys Wolfsbug

Eispiraten Crimmitschau gegen  Grizzlys Wolfsburg. Zur Galerie
Eispiraten Crimmitschau gegen Grizzlys Wolfsburg. © Andreas Kretschel

Verschiebung oder gar Absage - beides gefährdet die Liga und die in GmbHs organisierten Klubs. Ohne Einnahmen müssten etliche womöglich bald Insolvenz anmelden. Bei den Profis geht die Angst um. Viele Klubs haben noch gar nicht wieder mit dem offiziellen Training begonnen, bei den Grizzlys ist klar: Wird erneut verlegt, geht es wieder in Kurzarbeit, dann ist die Phase des Eis-Trainings erst einmal wieder vorbei. Der SPORTBUZZER fragte Ex-Profi und Grizzlys-Manager Charly Fliegauf, der sich für seinen 60. Geburtstag am Donnerstag schönere Eishockey-Umstände gewünscht hätte, nach seiner Einschätzung.

Herr Fliegauf, bis zum 2. Oktober erwartet die Liga eine Rückmeldung aus der Politik, wie wird die Liga am Stichtag agieren?
Wir haben eine Telefonkonferenz geplant, ich rechne mal damit, dass die mindestens drei Stunden dauert. ich weiß, dass hinter den Kulissen noch Gespräche von Verantwortlichen mit der Politik laufen. Der Aufsichtsrat der DEL wird die Ergebnisse bewerten und vortragen, dann werden wir das am Freitag diskutieren.

Wird die Saison abgesagt?
Damit rechne ich nicht.

Eine neuerliche Verschiebung also?
Darauf könnte es möglicherweise hinauslaufen.

Sie klingen nicht so, als ob Sie das für optimal halten?
Ich bezweifle sehr stark, dass eine weitere Verschiebung sinnvoll ist. Vielleicht müssen wir alles, was an Alternativen da ist, noch mal intensiv prüfen, in den eigenen Vereinen alle Möglichkeiten ausschöpfen, alles ausloten, wie man es schaffen kann, möglichst schnell zu starten. Wir werden jetzt kein grünes Licht für eine höhere Auslastung bekommen. Dann bezweifle ich auch, dass das in vier oder sechs Wochen anders aussieht, dass etwa die zuletzt gestiegenen Corona-Fallzahlen bis dahin wieder deutlich runtergehen.

Wie weit könnte man denn verschieben?
Theoretisch vielleicht bis in den Januar - aber am Ende käme man vielleicht auf 26 Spiele ohne Playoffs statt 52 - und das ist genauso wenig sinnvoll wie gar nicht zu spielen. Ich hoffe, wir kriegen es irgendwie hin. Wir wollen ja alle das Gleiche, wir haben alle das Ziel, wir wollen spielen, das müssen wir irgendwie erreichen - selbst wenn es dafür mehrere Umwege braucht.