15. Mai 2020 / 16:40 Uhr

DEL macht Druck: Auch die Grizzlys Wolfsburg sollen 25 Prozent Gehälter einsparen 

DEL macht Druck: Auch die Grizzlys Wolfsburg sollen 25 Prozent Gehälter einsparen 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gerrit Fauser von den Grizzlys Wolfsburg feiert das Tor zum 2:1 wŠhrend des Spiels zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Iserlohn Roosters am 22.12.2019 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Mathias Renner/City-Press GmbH)
Einbußen drohen nicht nur Nationalspieler Gerrit Fauser: Auch bei den Grizzlys Wolfsburg muss gespart werden. Die DEL fordert Gehaltsreduzierung um 25 Prozent. © City-Press / Grizzlys Wolfsburg
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Die Eishockey-Profis der DEL und damit auch die der Grizzlys Wolfsburg müssen zur neuen Saison wohl Gehaltseinbußen in Kauf nehmen. Die Spielergehälter sollen um 25 Prozent runter, auch bestehende Verträge sollen geändert werden. Klappt das nicht, droht der Lizenzentzug. Nationalspieler Gerrit Fauser bestätigt: "Ja, Gespräche laufen."

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Die Details: Um die Lizenz für die kommende Saison zu erhalten, müssen die Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ihre Spieler-Gehälter um 25 Prozent reduzieren. Auf eine entsprechende Regelung einigten sich Vereine angesichts der wirtschaftlichen Bedrohung durch die Corona-Krise. „Bestandsverträge sollen so geändert werden, dass 25 Prozent des Gehalts von einer garantierten Zahlung in eine Variable umgewandelt werden. Für Neuverträge soll das direkt so festgehalten werden“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Ohne Gehaltssenkung keine Lizenz

Die freiwillige Zustimmung etlicher Spieler wird somit zur Voraussetzung für die Lizenz der Klubs. Selbst wenn diese auch ohne Gehaltssenkung einen ausgeglichenen Haushalt nachweisen könnten, würde demnach ohne Zustimmung der Spieler die Lizenz verweigert.

„Ohne diese Maßnahme werden wenige den Plan ausgeglichen gestalten können“, sagte Tripcke. Viele Klubs sind wegen der Unsicherheit, wie die nächste Saison aussehen könnte, in Not und haben Probleme, Sponsorenverträge zu fixieren. „Das gilt für fast alle Klubs“, sagte Tripcke, der für die Lizenzprüfung am 24. Mai indes zunächst mit einer „normalen Saison“ ab dem 18. September plant. „Dabei rechnen wir noch nicht mit Alternativkonzepten“, sagte Tripcke. „Aber wir wollen natürlich keine Lizenzprüfung machen und einfach alle durchwinken. Gerade jetzt müssen wir ja noch vorsichtiger sein.“


Grizzlys Wolfsburg - Kölner Haie

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Grizzlys Wolfsburg - Kölner Haie © Grizzlys Wolfsburg / City-Press GmbH

"Wenn die Spieler ,nein' sagen, schaden sie ihren Klubs"

Dass die Freiwilligkeit der Spieler heikel ist, ist der Liga bewusst. „Aber wenn die Spieler 'nein' sagen, schaden sie ihren Klubs“, meinte Tripcke. „Klar ist: Es geht jetzt schon ans Eingemachte. Wir wollen alle 14 Klubs wirtschaftlich gesund in die neue Saison bekommen.“

Bei den Grizzlys informierte Manager Charly Fliegauf das Team am vergangenen Montag über die Situation. "Der Verein ist uns entgegengekommen, in dem er uns alles erklärt hat", sagte Angreifer Fauser. Er weiß: "Eishockey ist ein Draufzahl-Sport, er ist abhängig von Sponsoren, von der Wirtschaft. Und die Corona-Krise trifft alle."

Für ihn als Spieler sei klar: "Wir wollen spielen, und wir wollen gesunde Vereine." Aber das Ganze müsse auch erst einmal sacken, und "es gibt Gespräche, wie das dann aussehen kann". Denn, so gibt das Mitglied des Kapitänsteams zu bedenken, "Spieler haben je nach Alter und Familienstand unterschiedliche Lebenshaltungskosten, zum Teil auch Verpflichtungen, die sie aufgrund ihrer Verträge eingegangen sind und die bedient sein wollen."

Fauser hatte seinen Vertrag im vergangenen Jahr vorzeitig bis 2023 verlängert.

Fliegauf bestätigte am Abend die Gespräche, mochte sich aber weiter nicht äußern, begründete: "Da gibt's momentan keine offiziellen Aussagen, zumindest von uns, da wir derzeit mit den Spielern, Trainern und deren Vermittlern im Austausch sind und ihnen die aktuelle Situation dargelegt haben. Die Klubs haben in den letzten Wochen gemeinsam Parameter erarbeitet, die sie jetzt umsetzen wollen, damit alle die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die kommende Spielzeit erfüllen können."

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Tripcke erläuterte noch: Der Gehaltsverzicht darf nicht zur Erlössteigerung der Gesellschafter führen. Etwaige Gewinne müssten jeweils ins Team reinvestiert werden. Spieler sollen das variable Gehalt erhalten, sobald Klubs „zwischen 75 und 100 Prozent der Umsatzerlöse des Vorjahres erreichen“.

DEG wünscht sich von der Politik Perspektiven

Bis zum 31. August sind Sport-Veranstaltungen mit Publikum verboten. Da die DEL-Klubs besonders von Zuschauereinnahmen abhängig sind, kommen sogenannte Geisterspiele nur für einen begrenzten Zeitraum infrage. Die DEL hatte deshalb im März nach dem Ende der Vorrunde die Saison abgebrochen. Viele Klubs sind verunsichert. Stefan Adam von der Düsseldorfer EG fordert daher von der Politik Perspektiven.

„Es geht aktuell ja nur um Verbote und nicht darum, was möglich ist“, sagte der DEG-Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur. „Ich habe von niemandem bislang gehört, wie eine Perspektive ab dem 31. August aussehen kann.“ Tripcke hingegen ist mit Forderungen an die Politik vorsichtig: „Natürlich braucht man Planungssicherheit. Wir müssen aber Geduld haben. Die einzige Planungssicherheit, die man jetzt kriegen könnte, wäre wahrscheinlich negativ.“