16. Dezember 2020 / 19:13 Uhr

DEL-Rekordspieler Furchner über Corona, Ängste, den Auftakt der Grizzlys und das Karriere-Ende

DEL-Rekordspieler Furchner über Corona, Ängste, den Auftakt der Grizzlys und das Karriere-Ende

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
copy of Sebastian Furchner von den Grizzlys Wolfsburg waehrend der Actionaufnahmen am 19.08.2018 in Straubing, Deutschland. (Foto von Marco Leipold/City-Press GbR)
Froh, dass es eine Saison gibt: Grizzlys-Urgestein Sebastian Furchner. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Jetzt geht es los! Der Startschuss für die DEL fällt am Donnerstag und selbst ein Dinosaurier der Liga kriegt nach dem ultra-langen Corona-Sommer noch Gänsehaut vor dem Start: Sebastian Furchner (38), Eishockey-Profi der Grizzyls Wolfsburg, 1030 Spiele im Oberhaus. So blickt er seiner 19. Spielzeit in der Eliteklasse entgegen.

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Kein noch Aktiver hat mehr Spiele im deutschen Eishockey-Oberhaus auf dem Buckel als Sebastian Furchner. Der alte und wohl auch neue Kapitän hat viel erlebt, ein Jahr wie dieses aber natürlich auch noch nie. Der SPORTBUZZER gab ihm vor dem Saisonstart Stichworte.

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Die Auf und Abs im Jahr: "Es gab schon einiges, jede Phase hatte ihre eigene Dynamik. Seit wir ins Training eingestiegen sind, hatte ich aber ein gutes Gefühl, dass wir eine Saison in irgendeiner Form haben werden.

Der Spielplan mit 38 Partien und Play-Offs: "Die Liga hat das Beste daraus gemacht, es war nicht einfach, alles unter einen Hut zu kriegen, aber das war die beste Möglichkeit, die wir haben."

Die Befindlichkeit: "Es ist schon zu merken, dass das die Woche ist, in der es endlich losgeht, es ist schön dieses Kitzeln zu spüren, das ich auch im 19. Jahr immer noch habe. Oder, wenn man es genau nimmt, ist es ja mein 22. Senioren-Jahr. Wunderschön, dass der Kitzel immer noch da ist. Die Freude ist riesengroß. Wie viele in der Gesellschaft habe auch ich immer ein bisschen Angst, aber ich bin auch unheimlich dankbar, wie wir es handhaben hier. Dr. Gänsslen, Dr. Hamade, alle Beteiligten im Office und die Mannschaft - wie wir uns beteiligen über das vorgeschriebene Maß hinaus, wie wir uns zu schützen, mit besonderen Regeln, etwa individuellem Aufwärmen, wir verteilen uns dafür im Stadion. Das ist top, darüber bin ich sehr froh. Ich habe kein Problem damit, die ganze Busfahrt zu einem Auswärtsspiel mit Maske zu sitzen. Das sind Maßnahmen nicht nur für die Mannschaftskollegen, unseren Sport, sondern auch für meine Familie, meine Kinder.

Mentale Belastung: Es ist schon eine besondere Situation, aber es gab eine interessante Begebenheit: Jüngst ist Pat Cortina im Training mal laut geworden, weil eine Übung nicht ordentlich lief. Da habe ich gedacht: Wie toll ist das eigentlich, dass wir uns aufregen, dass eine Übung falsch läuft. Da hatte ich ein Schmunzeln im Gesicht, weil ich fühlte: Das ist ja das ganz Normale. Diese Zeit auf dem Eis, mal weg von dem Ganzen, da fühle ich mal eine gewisse Normalität, ich bin dankbar für das Training oder die zweieinhalb Stunden Spiel. Die typische Eishockey-Kabinen-Kultur muss ruhen, aber das sind die Opfer, die wir bringen müssen, wenn wir nicht nur spielen, sondern auch gesund bleiben wollen. Von daher glaube ich, bin ich auf jeden Fall und wir auch insgesamt bereit, dieses Opfer zu bringen. Auf drei Meter Abstand mit Maske draußen oder auf der Tribüne in der leeren Halle können wir zu zweit aber immer auch mal bereden, was beredet werden muss.

Profisport und Familie: Für meine zwei Töchter ist es nicht einfach, aber ich bin stolz auf meine jüngere, die freiwillig in der Schule Maske trägt, obwohl sie es noch nicht müsste. Sie macht es, weil wir das alle machen. Auch auf die Große bin ich stolz, wie sie mit sämtlichen Entbehrungen umgeht, die Corona fordert. Und wir als Familie haben vereinbart, wir halten die Regeln, die vorgegeben sind, konsequent ein. Klar, ist das manchmal anstrengend, aber dann kann man keinem einen Vorwurf machen, wenn doch was passiert. Im Großen und Ganzen haben wir das gut hingekriegt und den Rest werden wir jetzt auch noch schaffen.

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Auftaktspiel gegen Krefeld am Sonntag: Wir haben nach dem Magentasport-Cup gewusst, dass wir noch einiges an Arbeit hatten. Letzte Woche haben nicht nur die Trainer mit der Art und Weise des Trainings ein Zeichen gesetzt, sondern wir Spieler haben auch mit der nötigen Giftigkeit und Galligkeit trainiert, Reaktion gezeigt. Aber die ist natürlich hauptsächlich am Sonntag gefragt, da zählt nur ein Sieg. Die Krefelder Mannschaft interessiert mich null. Wenn wir unser Spiel aufs Eis bringen, nicht nur den einen oder anderen Zuckerpass suchen, sondern Giftigkeit an den Tag legen, dann ist mir komplett egal, wie die Krefelder antreten, dann zwingen wir ihnen unser Spiel auf. Mich interessiert, wie wir das Spiel spielen.

Eigene Zukunft: Ich komme jeden Tag super gern zur Halle, noch lieber als in manchem anderen Jahr, ich fühle mich gut, habe keine Probleme, man muss einfach abwarten. Wenn ich mal aufhöre, wird mir das unheimlich schwerfallen. Wenn mal Schluss ist, ist Schluss. Im Herzen und im Kopf ist der Moment aber noch nicht da. Da rede ich mit meiner Frau viel drüber. Sie hat eine Arbeit bei Rewe aufgenommen, die ihr viel Spaß macht, wo sie Zukunft sieht. Mal gucken, wie für mich die Saison läuft, und dann sehen wir, wie wir alles unter einen Hut bringen.

Kleiner Grizzlys-Kader, einige Ausfälle: Eigentlich haben alle Teams einen eher kleinen Kader, Augsburg hat etwa erst fünf Imports. Alles andere als kleinere Kader wäre unverständlich, wo viele Spieler auf Geld verzichtet haben. So bekommt der eine oder andere mehr Eiszeit und eine Chance, sich zu zeigen, das ist eine große Chance für viele Spieler. Wir haben mit Dominik Bittner und Janik Möser sowie zwei WM-Fahrern Ausfälle, aber wir haben vier komplette Sturmreihen, müssen uns nicht mit drei Reihen durchschlagen, da sehe ich kein Problem. Und nach der Junioren-WM kommen Steven Raabe und Jan Nijenhuis wieder.