08. April 2021 / 14:00 Uhr

Delitzscher Rad-Profi Wernicke hadert mit Entscheidung: "Kommt sich blöd vor"

Delitzscher Rad-Profi Wernicke hadert mit Entscheidung: "Kommt sich blöd vor"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Radsport
Man kennt sich: Renzo Wernicke (l.), hier mit Ex-Profi Danilo Hondo und Teamkollege Michael Möller. © Privat
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Ihr zweiwöchiges Trainingslager auf Mallorca haben sich die Radsportler vom nordsächsischen Team Ur-Krostitzer Vermarc anders vorgestellt – nur die Sonne ist noch dieselbe wie einst.

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Delitzsch. Renzo Wernicke klingt zerrissen – und das nach zwei Wochen auf Mallorca. Doch der einstige Sehnsuchtsort für Radfahrer hat schwer gelitten und leidet immer noch. Und Wernicke hadert im Nachhinein mit der Entscheidung mitten in der Corona-Pandemie das alljährliche Trainingslager durchgezogen zu haben.

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„Man kommt sich schon bisschen blöd vor. Fast alles ist tot und leer. Es sieht alles sehr trostlos aus“, erzählt der 48-Jährige. Die gefürchtete Promenade von El Arenal gleicht einer verlassenen Betonwüste. Auf der anderen Seite der Speiche allerdings entspringen die sportlichen Bedingungen immer noch geradewegs den lieblichsten Träumen.

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„Sonst ist um diese Zeit alles voll mit Rentner und Radfahrern“, erzählt Wernicke. Doch zur Zeit ist eben nicht sonst, sondern eher das Gegenteil davon. Ein Besuch bei Ex-Profi und Kumpel Danilo Hondo, der auf Mallorca einen Radverleih betreibt, fördert ebenfalls wenig erbauliches zutage. „Es ist erschreckend.“ Dabei hätten die Voraussetzungen auf den Balearen besser nicht sein können. Sonnenschein, kaum Wind.

Auch Vorteile

Gemeinsam mit Michael Möller und Harry Kühnelt bildete Wernicke eine Mini-Abordnung des nordsächsischen Teams Ur-Krostitzer Vermarc. Ein paar Teamkollegen wollten nachkommen, entschieden sich dann aber aufgrund der angespannten Lage dagegen. Gern angereist wäre Danny Götze, der aber wurde kurz vor dem Start positiv auf Corona getestet, blieb in der Heimat – und dort glücklicherweise symptomfrei.

Für die paar, die es nach Mallorca schaff(t)en, birgt der Mangel an Menschen aber auch Vorteile. Zum Beispiel kaum Straßenverkehr. „Man hat auf dem Rad seine Ruhe und unterwegs haben unsere Stammcafes offen“, berichtet Wernicke. Etwa im verschlafen-schönen Petra. Auch die Hauptstadt Palma versprüht nahezu den gewohnten Charme. Einheimische wuseln durch die schattigen Gassen oder sitzen auf den sonnigen Plätzen

Vorbereitung zielt ins Nichts

Nur die rigoros umgesetzte Maskenpflicht bringt immer wieder sofort die Corona-Realität zurück. „Das wird strenger gehandhabt als bei uns, auch wenn du draußen unterwegs bist. Nur am Pool oder zum Essen darfst du die Maske abnehmen“, erzählt der Delitzscher. Von all dem hätte er normalerweise recht wenig mitbekommen. Am Ende eine Vollgas-Tages im Trainingslager sieht man für gewöhnlich kaum mehr als das Bett. Und zwar das eigene.

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Vereinsvorsitzender Harry Schluckner schickt Harry Kühnelt und Renzo Wernicke auf die Reise. © Privat

So saßen die Nordsachsen täglich trotzdem sechs bis sieben Stunden täglich auf dem Rad, fuhren zwischen 160 und 200 Kilometer, verzichteten dabei aber auf die übliche Quälerei. „Normalerweise würden wir uns zwischendurch auch richtig schinden und Renntempo anschlagen. Das machen wir nicht. Wir lassen es ruhig angehen. Die Prämisse lautet: Kilometer sammeln im Warmen und viel fahren, um in Schwung zu kommen“, so Wernicke.

Momentan freilich zielt die Vorbereitung ein wenig ins Nichts. Amateur-Rennen in der Heimat sind bis Ende Mai bereits komplett gestrichen. Die Radsportgemeinde hofft auf die Eröffnung der Leipziger Radrennbahn Ende Juni. Das wäre immerhin ein Anfang.