22. April 2020 / 12:18 Uhr

Delitzschs Stürmer Kaselowsky möchte Verein nach DSDS-Sieg weiter unterstützen

Delitzschs Stürmer Kaselowsky möchte Verein nach DSDS-Sieg weiter unterstützen

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Ramon Kaselowsky
Die Landesklasse steht Kopf: Superstar Ramon Kaselowsky will auch künftig für den ESV Delitzsch kicken. © Thomas Jentzsch
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"Deutschland sucht den Superstar"-Gewinner und Stürmer des ESV Delitzsch Ramon „Roselly“ Kaselowsky bleibt seinem Verein treu und plant „Überraschungsauftritte“ im Dress der Eisenbahner.

Nordsachsen. Einen echten Superstar in den eigenen Reihen – das wünscht sich wahrscheinlich jedes Fußballteam – erst recht in der Landesklasse, also in der 7. Liga. Der ESV Delitzsch darf seit einigen Tagen zumindest dem Namen nach einen „Superstar”, gesucht von Deutschland (oder vielleicht auch nur von Dieter Bohlen), vermelden. Ramon Roselly gehört unter seinem bürgerlichen Namen Kaselowsky zur Truppe von Trainer Tilo Ohlig, kam in der Hinrunde immerhin auf 12 Ligaspiele, schoss dabei fünf Tore. Ob er nun angesichts seines neuen Status’ zur Karteileiche verkommt oder womöglich doch das ein oder andere Gastspiel gibt? Der Übungsleiter gibt Auskunft.

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„Er will auf jeden Fall weiterspielen und uns unterstützen, wenn er mal Luft hat. Aber wir werden das nicht an die große Glocke hängen, wenn er da ist“, erzählt Ohlig. Wann der Modellathlet allerdings konkret aufläuft, soll zukünftig geheim bleiben. „Er möchte in Ruhe spielen, deswegen wird das nie vorhersehbar sein.“ Trotz der Geheimniskrämerei „müssen wir natürlich damit rechnen, dass ein paar Zuschauer mehr kommen, gibt Schlimmeres“, sagt Ohlig, der zuletzt vergangene Woche mit seinem musikalischen Außenstürmer telefoniert hat.

„Wo soll ich einen Stürmer hernehmen?“

Davor machte sich der Übungsleiter so seine Gedanken, ob dem Goldkehlchen nicht vertragliche Steine in den sportlichen Weg gelegt würden. Superstar und gleichzeitig Hobby-Kicker in der 7. Liga – das lässt sich doch nicht vereinbaren. Aber Roselly schaltete sofort in den Kaselowsky-Modus, berichtet sein Coach. „Mir hat er erzählt, dass er keinen Vertrag unterschreiben würde, wenn er nicht weiter Fußball spielen dürfte.“ Bei ihrem ersten Gespräch nach der Superstar-Kür fragte Ohlig nach der Gratulation gleich scherzhaft: „Ramon, du stellst mich vor ein Riesenproblem, wo soll ich jetzt einen Stürmer hernehmen?“

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Kaselowskys letztes Pflichtspiel im Dress der Eisenbahner datiert vom 29. Februar, als er gegen Zwenkau eingewechselt wurde. Auch damals steckte er schon mitten im Superstar-Trubel, zog nebenbei in die Runde der letzten Zwölf ein. Und so scheint seine Ankündigung dem Trainer gegenüber kein leichtfertig dahin gehauchtes leeres Versprechen zu sein. „Er ist ein Sportmensch, braucht die Bewegung.“ Als er in der DSDS-Villa gewesen sei, habe er das besonders gemerkt, als der nicht einmal joggen konnte.

Überraschungsauftritte in Landesklasse weiterhin für lau

Diese Tage sind überstanden, inzwischen sind die erste Single und das erste Album auf dem Markt (und belegen natürlich Spitzenplätze der Charts). Tilo Ohlig hat schon reingehört. „Die Single finde ich richtig gut. Auf dem Album sind sicher auch ein paar Lieder für Ältere. Man muss ja nicht ständig diese Musik hören.“ Bei den Eisenbahnern wussten sie ohnehin schon lange vorher um Kaselowskys Talent. Bei Vereinsfeiern sang er den Teamkollegen regelmäßig ein (schlagermäßig angehauchtes) Ständchen.

Der ESV revanchierte sich, veröffentlichte während der DSDS-Zeit regelmäßig kurze Videos bei Facebook, um den Mannschaftskameraden zu unterstützen. Die letzten Worte vorm Finale, die Kollege Maxim Günther per Videobotschaft an ihn richtete, lauteten übrigens: „Werd ein Superstar, Junge!” Der Rest ist bekannt.


Ramon Kaselowski nimmt an DSDS teil. Der Zschernitzer ist gelernter Artist, spielt beim ESV Delitzsch Fussball und hat eine eigene Gebäudereinigungsfirma.
Derart entspannt dürfte Ramon Kaselowsky in Zukunft wohl kaum noch über den Delitzscher Marktplatz schlendern. © Wolfgang Sens

Auch menschlich scheint da jemand auf dem Thron gelandet zu sein, der damit umzugehen weiß. „Ich finde es klasse für den Jungen. Ich freue mich wahnsinnig für ihn, endlich hat es mal den Richtigen getroffen“, sagt Ohlig, auch wenn er sich nun bis auf einige Geheimeinsätze einen neuen Stürmer backen muss. Fakt ist, mit Musik wird Ramon „Roselly“ Kaselowsky wesentlich mehr Geld verdienen als mit Fußball. Denn beim ESV gibt es exakt null Euro pro Einsatz, während allein die Prämie für den DSDS-Sieg bei 100 000 Euro liegt. Überraschungsauftritte des Superstars in der Landesklasse gibt es aber weiterhin für lau.