13. Oktober 2021 / 16:43 Uhr

Demokratie bei Spitzenreiter Vorsfelde: Beim Aufgebot haben die Kapitäne Mitspracherecht

Demokratie bei Spitzenreiter Vorsfelde: Beim Aufgebot haben die Kapitäne Mitspracherecht

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Fußball, Bezirkspokal, WSV Wendschott - SSV Vorsfelde
Intensive Diskussionen: Trainer Willi Feer (r.) und Co-Trainer Frank Pichatzek haben im breiten Vorsfelder Kader oft die Qual der Wahl - beim Spieltagsaufgebot haben auch die Kapitäne Michel Haberecht (am Ball) und Justin Kick Mitspracherecht. © Boris Baschin/Roland Hermstein
Anzeige

Es läuft bei Fußball-Landesligist SSV Vorsfelde. Das Team fährt als Spitzenreiter am Sonntag zum Tabellendritten SV Lengede. Der große Kader lässt Trainer Willi Feer viel Variationsmöglichkeiten, zwingt aber oft zur Qual der Wahl. Und dabei reden auch die Kapitäne mit.

"Am Ende lag Staub auf dem Kunstrasen", so beschrieb Willi Feer jüngst die extrem positive Arbeitsmoral seiner Schützlinge bei Fußball-Landesligist SSV Vorsfelde. Trainingsleistung ist zwar nicht alles, weiß der Coach sowieso, und erlebte das beim nur auf dem Papier deutlichen 3:0 gegen Hainberg. "Den guten Trainingseindruck haben die Jungs da im Punktspiel nicht bestätigt." Da muss der eine oder andere auch in dieser Woche richtig Gas geben, um seinen Platz zu behaupten. Hängen sich erneut alle rein, hat Feer vor dem Schlagerspiel des Spitzenreiters am Sonntag (14.30 Uhr) beim Tabellendritten SV Lengede wieder die Qual der Wahl, aus zwei Dutzend Akteuren 19 auszuwählen. Ob die Umsetzung der Trainingsleistungen auf dem Platz folgt, weiß man nie, die starke Trainingsarbeit ist aber in jedem Fall die optimale Grundlage.

Anzeige

Mit Fingerspitzengefühl und auch mit gewisser Demokratie versuchen Feer und Co-Trainer Frank Pichatzek gemeinsam mit Sportdirektor André Bischoff jede Woche aufs Neue, es möglichst gerecht zu machen. "Klar ist", so sagt der erfahrene Trainer ehrlich, "wenn deine Mannschaft dann gewinnt, hast du alles richtig gemacht, verlierst du, denkt der eine oder andere bestimmt: ,Trainer, hättest du mal mich gebracht'".

Mehr zum SSV Vorsfelde

Die Entscheidungen sind nicht immer einfach, "jede Woche müssen wir mindestens zwei oder drei aus dem Kader lassen, das tut uns weh. Aber es sind immer Entscheidungen für die Mannschaft, nicht gegen die einzelnen Spieler."

Vorsfelde hatte sich bewusst für einen breiten Kader entschieden, kann so auch auf Urlaub oder schichtbedingt Fehlende reagieren. Auch die Möglichkeit von mehr Verletzungen wegen der langen Corona-Spielpause wurde einkalkuliert. Feer: "Wir können nicht jede Position eins zu eins ersetzen, aber wir können Ausfälle kompensieren."

Die schwierigen Entscheidungen, wer draußen bleiben muss, trifft Feer nach dem Abschlusstraining. Bei einem Sonntags-Spiel ist das freitags. Erst berät er sich mit Pichatzek, "anschließend spreche ich oft auch mit unseren beiden Kapitänen Michel Haberecht und Justin Kick, wie sie die Trainingsleistungen gesehen haben oder wie sie das eine oder andere bewerten". Am Samstag dann teilt der Trainer den Spielern in der Whatsapp-Gruppe das Aufgebot für das kommende Spiel mit. "Oft rufe ich die Spieler, die nicht dabei sind, aber auch noch persönlich vorher an."

Name und Talent allein reichen nicht

Großer Name oder Talent allein reicht bei Vorsfelde nicht für das Aufgebot oder gar für die Startelf. "Wer länger nicht trainiert hat, muss sich in aller Regel erst einmal hinten anstellen", so der Coach. Das traf zuletzt Tom-Luca Winter, der einen starken Saisonstart hingelegt hatte, dann aber zwei Wochen wegen Urlaubs fehlte. Jetzt drängt der torgefährliche Offensivmann wieder ins Aufgebot. Und rechtzeitig zum nächsten Spitzenspiel hat sich ein weiterer Offensivmann herangearbeitet: der frühere VfLer Kevin Scheidhauer, der in Leipzig arbeitet und dort trainiert. Zweimal hatte er sich nach Einsätzen für seinen neuen Klub verletzt. "Wir bauen ihn mit Augenmaß auf", sagt Feer. Scheidhauers Kurzeinsätze wurden zuletzt immer länger. "Und immer ist er mit einer Vorlage oder einer guten Abschlusssituation dabei. Er kann auch in kurzer Zeit ein Spiel beeinflussen, das ist super für uns", lobt der Trainer.


"Wehren uns nicht dagegen, ganz oben zu stehen"

Bis auf Luc Bammel, der mit einer Bänderdehnung noch einige Wochen ausfallen wird, ist Vorsfelde komplett, das Trainerteam hat die Qual der Wahl und hofft auf ein glückliches Händchen, denn, so der Coach: "Lengede hat eine junge, dynamische Mannschaft, die werden auch am Saisonende unter den Top Drei sein. Das wird für uns eine Herausforderung." Die möchte Vorsfelde bestehen, denn auch der Spitzenreiter will am Ende unter den Top Drei sein. Feer: "Wir wollen so lange oben mitspielen, wie man uns lässt, und wehren uns auch nicht dagegen, ganz oben zu stehen, wenn man uns lässt."