02. Juni 2021 / 17:46 Uhr

„Den Alltag mit dem Rad bewältigen – das ist machbar“

„Den Alltag mit dem Rad bewältigen – das ist machbar“

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Radtour-Stopp mit malerischer Kulisse: Marcel Niziak vor der Marienburg.
Radtour-Stopp mit malerischer Kulisse: Marcel Niziak vor der Marienburg. © privat
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Kein Auto von innen sehen, und alle Alltagsaufgaben mit dem Fahrrad erledigen – das war die Aufgabenstellung beim Stadtradeln, an dem sich zahlreiche Peiner beteiligten. 40 Radler schafften mehr als 1000 Kilometer, einer reiste mit dem Drahtesel sogar in den Kurzurlaub.

Die Aktion „Stadtradeln“ ist im Kreis Peine beendet. Ziel war, das Auto mal stehen zu lassen und dafür radelnd die Umwelt zu schonen. Zwar sind noch nicht alle Strecken der Teilnehmer registriert, aber es lässt sich bereits feststellen, dass jeder im Durchschnitt knapp acht Kilometer pro Tag geradelt ist.

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Einige sind allerdings keine Durchschnittstypen: Sven Jasinski, Harro Hein oder Marcel Niziak zum Beispiel. Letzterer schaffte knapp 48 Kilometer, Jasinski knapp 60 Kilometer und Hein knapp 74 Kilometer – pro Tag!

„Natürlich bin ich nicht jeden Tag gefahren. Ein Pause zwischendurch muss auch mal sein“, sagt Niziak. Umso erstaunlicher ist seine Gesamtleistung von 1004,4 Kilometern an den 21 Tagen. „Ich bin oft nach Feierabend nach Uetze und zurück gefahren“, sagt der Peiner. „Auch mal zum Salzgittersee und einmal zur Innerstetalsperre, wobei ich 140 Kilometer zurückgelegt habe.“

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Harro Hein fährt ohnehin grundsätzlich mit dem Rad, sodass die Teilnahme am Stadtradeln keine Umstellung für ihn war. „Ich bin oft abends nochmals los, auch mit Freunden“, sagt der Vorsitzende des MTV Eddesse, der natürlich auch zur Vereinsgruppe gehört, die beim Wettbewerb mitgemacht hat. Rund tausend Kilometer radelt er pro Monat immer. Ein paar sind durch die Aktion noch hinzu gekommen. „Es war insgesamt eine tolle Sache“, lobt Hein den Wettbewerb. Gerade hat sich der 70-Jährige ein neues Rad gekauft. „Kein E-Bike“, betont er. Mit seinem alten Trekkingrad ist er in 13 Jahren 107 000 Kilometer gefahren.

Sven Jasinski hatte sich verpflichtet, 21 Tage lang kein Auto von innen zusehen. Das war Voraussetzung, um in der Liste der „Stadtradeln-Stars“ geführt zu werden. Er legte im Wettbewerbs-Zeitraum 1254 Kilometer auf dem Rad zurück. „Ich fahre ohnehin täglich fünf bis sechs Kilometer zur Arbeit und erledige auch sonst möglichst viel mit dem Rad. Das Auto nutzte ich nur mal, um etwas zu transportieren.“

Jedes Jahr zu Pfingsten fährt er zum Wassersport an den Beetzsee in Brandenburg an der Havel. Und weil das Auto diesmal verboten war, startete er per Rennrad. „Stadtradeln geht ja auch von Stadt zu Stadt“, stellt er fest. „Beim Hinweg habe ich für die 200 Kilometer 7 Stunden und 26 Minuten reine Fahrtzeit gebraucht. Beim Rückweg hatte ich Gegenwind und Regen. Da waren es 8 Stunden und 46 Minuten.“


Sein Resümee der drei Stadtradel-Wochen: „Den normalen Alltag mit Einkaufen, Besorgungen, Arbeitsweg und so weiter ohne Auto zu bewältigen, das ist machbar. Weitere Reisen auch, sie erfordern dann aber mehr Planung und Zeit.“

40 Radler schafften mehr als 1000 Kilometer

Rund 3500 Personen aus dem Landkreis Peine haben am Stadtradeln teilgenommen. Noch sind nicht alle zurückgelegten Strecken erfasst, aber bis gestern waren 588 378 Kilometer zusammengekommen. Das bedeutet laut Berechnung der Stadtradel-Organisatoren eine Einsparung von 86 Tonnen Kohlendioxid im Vergleich zur selben mit dem Auto zurückgelegten Strecke. Durchschnittlich hat jeder in den drei Wettbewerbswochen 168 Kilometer zurückgelegt.

Im Kreis Peine haben 40 Radler tausend Kilometer und mehr im Wettbewerbszeitraum geschafft. Insgesamt haben bisher 1977 Kommunen teilgenommen. Von den absolvierten Kilometern her liegt der Landkreis Peine bundesweit an 10. Stelle. Vorn liegt der Kreis Steinfurt mit rund 2,5 Millionen Kilometern, die 13 200 Radelnde erstrampelt haben.