11. Juli 2019 / 18:35 Uhr

Bundeswehr und Handball: Denise Csepke vom TuS Empelde besteht in beiden Welten

Bundeswehr und Handball: Denise Csepke vom TuS Empelde besteht in beiden Welten

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Empeldes Denise Csepke auf der Kalihalde in Empelde.
Empeldes Denise Csepke auf der Kalihalde in Empelde. © deisterpics/Stefan Zwing
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In der Handballsparte des TuS Empelde ist Denise Csepke omnipräsent: Spielerin der Landesliga-Frauen, Trainerin der C-Juniorinnen in der Oberliga sowie Jugendwartin. Beruflich steht ihr nach zwölf Jahren beim Militär nun eine neue Herausforderung bevor.

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Nur noch ein paar Monate, dann geht ein wichtiger Lebensabschnitt für Denise Csepke zu Ende. Nach zwölf Jahren Einsatz, Engagement und gelebtem Teamgeist ist es vorbei. Unzählige Momente voller Angespanntheit, oft auch Dramatik und körperlicher Verausgabung bis zum Äußersten gehören dann der Vergangenheit an.

Du schaust auf die großen Bilder und denkst, die Frau im lilafarbenen Trikot wird dem Handballsport den Rücken kehren? Weit gefehlt. Dem TuS Empelde bleibt die 31-Jährige weiter erhalten, und das nicht nur als Spielerin. Im Oktober 2019 schließt sich für Csepke vielmehr das Kapitel Bundeswehr, das direkt nach ihrer Schulzeit geöffnet wurde.

"Ich werde viele Kameraden vermissen, den Zusammenhalt untereinander"

„Diese Zeit hat mich geprägt. Ich werde viele Kameraden vermissen, den Zusammenhalt untereinander“, sagt sie. Es war eine schöne Zeit, „und ich würde es immer wieder machen – genau so“, betont die Empelderin. Im Jahr 2006 hatte sie die medizinische Fachangestelltenausbildung im Sanitätsversorgungszen­trum der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne in Hannover begonnen. Soldatin durfte sie sich seit 2011 nennen – mit allem, was dazugehört: Ständig uniformiert, regelmäßig die individuellen Grundfertigkeiten wie Schießen und das Zurechtkommen im Gelände auffrischen, jedes Jahr das Sportabzeichen ablegen.

Schuhe zubinden, Haare flechten, Spielzüge einstudieren

Letzteres dürfte der Stabsunteroffizierin, die von 2010 bis 2011 eine einjährige Auszeit beim Bund nahm, nicht schwergefallen sein. Mit Handball begann sie im Alter von zwölf Jahren, über die Stationen MTV Herrenhausen und Germania List landete sie 2013 in Empelde, wo sie bei den Frauen in der Landesliga spielt und zudem die C-Juniorinnen in der Oberliga trainiert, der höchsten Spielklasse für diese Altersstufe. „Nächste Saison gebe ich meine Mädels wohl ab“, sagt Csepke. Seit der E-Jugend betreut sie diese Mannschaft. „Ich habe ihnen anfangs noch die Schuhe zugebunden und die Haare geflochten. Da ist es besser, wenn sie in höheren Jugendklassen von wem anders trainiert werden“, erzählt sie lachend.

Empeldes Denise Csepke hebt über den Dächern Empeldes ab.
Empeldes Denise Csepke hebt über den Dächern Empeldes ab. © deisterpics/Stefan Zwing
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Etwas lauter als andere

Ihre Berufserfahrung sei bei der Arbeit mit dem TuS-Nachwuchs nicht zu verhehlen. „Mein Auftreten und wie ich mit den Mädchen spreche, ist von der Bundeswehr geprägt, sagen viele“, erzählt die Linkshänderin mit einem Grinsen. Allein schon, weil sie etwas lauter spreche als andere. Das Durchsetzungsvermögen, die Kameradschaft und das Organisiertsein kommen ihr beim Handball oft zugute – und ihre medizinischen Kenntnisse natürlich auch.

„Wenn jemand umknickt, kein Problem – mein Eiskoffer ist immer gut gefüllt“, sagt sie. Wenn sich Csepke auf dem Feld selbst verletzt, könne ihr aber niemand helfen, sagt sie mit einem lauten Lachen. „Ich hatte nach einem Ellenbogenschlag mal einen Cut im Gesicht. Erst wollte ich mich selbst kleben, habe das dann aber doch wem anderes überlassen.“

Auslandseinsätze gehören für Csepke dazu

Hart zu sich selbst und im Berufsalltag zu sein, gehöre dazu – ebenso wie Auslandseinsätze, die sie aber nie bestreiten durfte. Zweimal hatte sich Csepke dafür interessiert, wurde aber abgelehnt. „Als ich mich dafür entschloss, zur Bundeswehr zu gehen, dann ganz oder gar nicht“, sagt die 31-Jährige. „Wenn es heißt, ab nach Afghanistan, dann geht es los. Diese Berufswahl zu treffen und dann keinen Auslandseinsatz absolvieren zu wollen – dafür braucht man gar nicht erst zu unterschreiben.“

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"Ich habe dort fürs Leben gelernt"

Dass es einfachere Jobs für Frauen gibt, ist ihr bewusst. „Man braucht schon eine ausgeprägte Durchsetzungskraft bei der Bundeswehr als Frau“, sagt Csepke. „Ich habe dort fürs Leben gelernt. Im Sanitätsdienst ist die Frauenquote zwar höher, doch du musst dich da einfach behaupten.“ Dass sie beim Militär nun nicht weiter gefördert werden kann, ohne versetzt zu werden, sei der Auslöser für ihren Abschied gewesen. „Ich hätte gerne verlängert und wäre auch in die Umgebung gegangen, das war aber nicht möglich.“

Geradeaus laufen ist nicht so leicht

Sie wolle auf ihr Ehrenamt als Jugendwartin in Empelde nicht verzichten, das bei einer Versetzung nicht mehr möglich gewesen wäre. „In der heutigen Zeit können viele Kinder kaum noch vernünftig geradeaus laufen, geschweige denn eine Vorwärts- oder Rückwärtsrolle schaffen“, berichtet sie. „Da muss man im Training mit den Basics anfangen.“

Empeldes Denise Csepke auf der Halde in Empelde
Empeldes Denise Csepke auf der Halde in Empelde © deisterpics/Stefan Zwing

Bald nur noch Praxismanagement

Sich in der Förderung des Handballnachwuchses weiter zu engagieren ist ihr wichtiger als vieles andere. Daher übernimmt sie ab Oktober das Praxismanagement in einer Psychotherapiepraxis – ein Berufsfeld, in das Csepke seit einigen Monaten schon hineinschnuppert. Die 18-monatige Weiterbildung zum Fachwirt für Soziales und Gesundheit hat die Empelderin an den Sonnabenden bestritten – neben ihrem Beruf und vier- bis fünfmal Handball die Woche. Die Montage seien eigentlich trainings- und spielfrei – „doch da haben wir zumeist Spartensitzungen“, berichtet sie.

Empeldes Denise Csepke auf der Halde in Empelde
Empeldes Denise Csepke auf der Halde in Empelde © deisterpics/Stefan Zwing

Ein ehrgeiziger Mensch

Zwei bis drei Jahre wolle das Organisationstalent noch selbst spielen, danach nur noch trainieren. „Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, daher am liebsten Verbandsliga bei männlichen B- oder A-Junioren, die sind noch handballgeiler als Mädchen“, sagt die künftige C-Lizenz-Inhaberin, die dann zügig den B-Lizenz-Trainerschein nachlegen will. Der Jugendförderkreis der Empelder unterstütze sie als Coach, wo er nur könne. Dafür ist sie sehr dankbar.

Beachhandballplatz als Traum

Bei einer Sache kann er ihr aber nur bedingt helfen: Bei ihrem Traum, einen Beachhandballplatz in Empelde zu errichten. „Es soll ein Multifunktionsplatz sein, auf dem auch Petanque, Volleyball, Fitness und vieles mehr betrieben werden kann“, sagt Csepke. Ein 20-seitiges Konzept hätte sie für die Stadt Ronnenberg ausgearbeitet. Es könne aber momentan noch keine Fläche zur Verfügung gestellt werden, heißt es. Doch Denise Csepke hat sich schon oft durchgesetzt – warten wir einfach mal ab, was in Empelde passiert ...

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