08. August 2020 / 20:09 Uhr

Deniz Almas vom VfL Wolfsburg wird deutscher Meister über 100 Meter

Deniz Almas vom VfL Wolfsburg wird deutscher Meister über 100 Meter

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Deniz Almas siegt über 100 Meter.
Deniz Almas siegt über 100 Meter. © dpa / ARD
Anzeige

Was für ein Triumph! Nach starkem Vor- und Endlauf sicherte sich Deniz Almas vom VfL Wolfsburg in starken 10,09 Sekunden am Samstag den deutschen Titel über 100 Meter. Für den VfL war es der erste nationale Leichathletik-Titel seit 1994.

Anzeige

Was für ein Triumph, was für ein Jahr für Deniz Almas (23) vom VfL Wolfsburg! Er wurde am Samstag Abend in Braunschweig beeindruckender deutscher Meister über 100 Meter. Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg in exzellenten 10,09 Sekunden auf einer eigentlich als langsam geltenden, weil noch neuen und weichen Bahn, sicherte sich der Sprintern seinen ersten Freilufttitel. Zweiter wurde Joshua Hartmann (ASV Köln/10,23 Sec), übrigens auch Zweiter der Jahersbestenliste hinter Almas, der mit der Siegerzeit seinen Saisonbestleistung annähernd egalisierte. Dritter wurde Julian Reus (LAC Erfurt/10,26).

Anzeige

Almas deutscher Meister: Das Video des Siegerlaufs

Almas ist damit deutscher Sprint-Doppelmeister. denn im Februar hatte er sich bereits den Sprinttitel in der Halle gesichert. Damals in seiner Wahlheimat Leipzig (dort studiert und trainiert der gebürtige Calwer) war er noch Außenseiter gewesen. Und die deutsche Nummer 1, Julian Reus, war in einer Nervenschlacht mit mehreren Fehlstarts disqualifiziert worden. Seine Zeit von 6,60 war allerdings schon vielversprechend.

Und in Braunschweig war Almaz nun Favorit gewesen. Vor einer Woche hatte er in Weinheim seine eigene Bestzeit auf sensationelle 10,08 geschraubt. Er reiste also mit deutscher Jahresbestzeit (fünftbeste je in Deutschland gelaufene Zeit über 100 Meter) nach Braunschweig an.

Julian Reus gratuliert Deniz Almaz
Julian Reus gratuliert Deniz Almaz ©

Der Sprinter war nach dem Triumph sichtbar überglücklich, meinte: "Mit der Zeit von Weinheim hatte ich mir schon sehr große Chancen ausgerechnet. Ich habe es gehofft. Aber am Ende des Tages muss man es auch machen. Und...hab' ich gemacht." Eine Wachablösung bahnt sich an. Sein Fazit: "Die Jungen machen Druck." Hartmann ist noch ein paar Tage jünger als Almas. Der entthronte Titelträger Michael Pohl und der deutsche Rekordhalter (10,01) Reus sind zehn Jahre älter.

Für den VfL war es der erste nationale Titel seit 1994 (Kugelstoßerin Stephanie Storp).

Sprinter Deniz Almas sicherte sich in 10,09 Sekunden den Deutschen Meistertitel. 
Sprinter Deniz Almas sicherte sich in 10,09 Sekunden den Deutschen Meistertitel.  © dpa

Die Bedingungen am Samstag in Braunschweig: brutal. Selbst am Abend, als die Sprinter in den letzten Wettbewerben auf die Bahn gingen, herrschten im Eintracht-Stadion immer noch gut 37 Grad. Es war eine drückende Hitze. Allerdings: Für Sprinter ist die Hitze kein Problem, sofern sie nicht Stunden drin verbringen müssen. Für die Muskulatur ist es top. Sprinter mögens's heiß.

Im Halbfinale war Almas eine gewisse Anspannung anzumerken gewesen. Die Frage war: kann er seine ganzen Möglichkeiten erneut abrufen? Das galt als schwierig binnen nur einer Woche nach einer solchen euphorisierenden Leistung wie in Weinheim und nach der Leistungsexplosion in dieser Saison. Um zwei Zehntel (von 10,28) hat sich Almas seit dem vergangenen Sommer verbessert. War noch Sprit im Tank für den Jahreshöhepunkt? Keine Frage. Da war noch was drin.

Mehr zu Deniz Almas

Im Halbfinale hatte Almas - nicht unerwartet - die Nerven. Trotz eines Fehlstarts (Noel Fiener/TV Wattenscheid) gewann der VfLer seinen Vorlauf locker, konnte austrudeln lassen und hatte dennoch starke 10,28 sec auf der Uhr. Damit ging er als Schnellster ins Finale. Schnell waren aber auch alle anderen Mitfavoriten gewesen. Joshua Hartmann (10,30 sec/ ASV Köln), Zweitschnellster in dieser Saison mit 10,14 Sekunden, Reus in 10,30 sec und Michael Pohl (Sprintteam Wetzar) sowie Philipp Trutenat (TV Wattenscheid) in je 10,34 sec. "Das sah gut aus bei Deniz, aber Hartmann ist gefährlich", sagte VfL-Coach Werner Morawietz, der vor Ort zuschaute. Die Halbfinals versprachen ein prickelndes Finale...

Sven Knipphals, Almas' Vorgänger als Top-Sprinter des VfL, war beeindruckt: "Chapeau. Das ist eine Ansage!" Und weil im Gegensatz zu den 10,08 Sekunden in Weinheim" diesmal der Wind nicht half und zudem mehr Druck da war, ist das für mich sogar noch eine Steigerung." Was Knipphals (jetzt als Chiropraktor Teil von Almas Betreuer-Team) besonders stark fand: "Deniz ist mega-cool geblieben." Und Morawietz, seit Ewigkeiten VfL-Coach, war auch begeistert, meinte: "Vor allem die Zeit... bei praktisch null Wind, bei einem Meter Rückenwind wäre ein deutscher Rekord herausgekommen, eine Zeit unter 10,0 möglich gewesen."