10. März 2021 / 16:57 Uhr

„Deniz Aytekin kam ganz entspannt und sehr sympathisch rüber“

„Deniz Aytekin kam ganz entspannt und sehr sympathisch rüber“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Deniz Aytekin beim Online-Treffen der Fußballschiedsrichter des Bezirks Braunschweig.
Deniz Aytekin beim Online-Treffen der Fußballschiedsrichter des Bezirks Braunschweig. © Stephan Schamuhn
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FIFA-Schiri Deniz Aytekin war zu Gast bei den Fußball-Schiedsrichtern des Bezirks Braunschweig – allerdings coronabedingt nur online. Seinen Schiri-Kolleginnen und -Kollegen gab er Tipps und beantwortete Fragen.

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Schuld hatte Bibiana Steinhaus, dass die Online-Konferenz der Fußball-Schiedsrichter des Bezirks Braunschweig mit Deniz Aytekin nicht länger als anderthalb Stunden dauerte. Der Bundesliga-Referee hatte seiner Kollegin nämlich versprochen, die Sky-Reportage über sie anzusehen.

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Die Zeit hatte aber gereicht, dass sich die Zugeschalteten einen Eindruck von einem der besten deutschen Schiedsrichter verschaffen konnten, und vielleicht auch den einen oder anderen Tipp für ihre Schiri-Laufbahn einsammelten.

„Deniz Aytekin kam ganz entspannt und sehr sympathisch rüber“, urteilt Fenja Bookjans aus Woltorf. „Er hat uns als Schiedsrichterkollegen angesprochen, das war überhaupt nicht abgehoben.“ Und auch Björn Kleinelanghorst aus Duttenstedt hatte den Eindruck, das Aytekin ein offener Mensch ist. „Er ist mir sehr authentisch vorgekommen.“

Nach langer Verletzungspause hatte der FIFA-Schiri in der vergangenen Woche sein Comeback mit Spielleitungen in der 2. Bundesliga gegeben und stellte sich nur wenige Tage später den Fragen von mehr als hundert Unparteiischen und Funktionären aus der Schiedsrichterszene des Fußball-Bezirks Braunschweig. Unter der Moderation von Lehrstabsmitglied Christian Eulenstein (Northeim-Einbeck) erzählte der in Nürnberg geborene Aytekin von seinen Anfängen als Schiedsrichter und dem Weg durch die Spielklassen in die Bundesliga.

Schon in seinem ersten Bezirksligaspiel mit 18 Jahren war ihm eine brisante Partie vor 3000 Zuschauern anvertraut worden. Obwohl er einmal körperlich angegriffen wurde, hat er nie den Spaß an der Aufgabe als Schiedsrichter verloren. „Spaß an der Aufgabe zu haben, das ist das Wichtigste, und da prüfe ich mich vor jeder Saison“, sagte Aytekin, der von einem Stadionbesucher auch schonmal einen Bonbon geschenkt bekam.

Für die Entwicklung junger Schiedsrichter hatte er mehrere Tipps parat. So gehöre auf dem Platz neben der notwendigen Konsequenz bei der Einhaltung von Spielregeln, die einen nicht beliebt macht, auch die Menschlichkeit dazu. Außerdem müsse jeder Schiedsrichter wie alle anderen Sportler „bei sich bleiben“.

Sich mit anderen zu vergleichen und auch mal mit vermeintlich ungerechten Bewertungen von Beobachtern zu hadern, helfe nicht weiter. Für den Erfolg müsse man sich fokussieren und „wenn es mal bergab geht, dann ist nicht gleich alles schlecht, das ist dann eine Phase zum Schwung holen, um besser wieder da rauszukommen.“

Die Konferenz-Teilnehmer konnten Fragen stellen, und natürlich ging es dabei auch um den „Kölner Keller“. Grundsätzlich finde er den Video-Assistenten gut, sagte Aytekin und bat zu bedenken, dass auch dort Menschen sitzen, die in kürzester Zeit anhand von Kameraaufnahmen eine Situation beurteilen müssten. Das könne Fehler nach sich ziehen.

Aber nicht nur die Schiedsrichtertätigkeit von Deniz Aytekin mit allein drei Corona-Testungen für die Einsätze am Montag, Mittwoch und Freitag der vergangenen Woche, sondern auch das private und berufliche Leben kamen zur Sprache. Aytekin ist Online-Unternehmer „mit BWL-Hintergrund“, hat mehrere Firmen aufgebaut und erfolgreich verkauft.

Seine Leidenschaft für Musik ist durch eine ARD-Reportage bekannt geworden. Für die Zeit nach der aktiven Tätigkeit kündigte Aytekin bereits ein neues Projekt im Internet an, um „der Schiedsrichterei etwas zurückzugeben“. Und als Aytekin über das Homeschooling seines Sohnes sprach, wurde deutlich, dass das Alltagsleben eines FIFA-Schiedsrichters in der Corona-Pandemie sehr normal sein kann.

Der Vorsitzende des Bezirks-Schiedsrichterausschusses, Klaus-Peter Otto, bedankte sich bei Aytekin für die Bereitschaft, mit der Basis ins Gespräch zu kommen. „Wenn man bedenkt, dass er täglich drei Anfragen für Interviews oder Filme in allen möglichen Formaten bekommt, dann ist das wahrlich keine Selbstverständlichkeit gewesen“, sagt Jens Goldmann, Ottos Stellvertreter.

Von Matthias Press