16. Januar 2022 / 18:23 Uhr

Der 1. FC Union Berlin ist schon wieder reif für den Europapokal

Der 1. FC Union Berlin ist schon wieder reif für den Europapokal

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Max Kruse (Union Berlin): Wir haben hochverdient gewonnen. Das war ein starkes Spiel von der ersten bis zur 90. Minute. Wir hätten höher gewinnen können. Wir haben Leipzig gut bespielt und viele Tormöglichkeiten rausholt. Das zeugt davon, wie gut wir gespielt haben. Uns war klar, dass Leipzig hoch presst und wir den einen oder anderen längeren Ball spielen müssen. Wir sind immer über den zweiten Ball gefährlich geworden. Der Plan ist voll aufgegangen.
Zwei, die gut harmonieren: Sheraldo Becker (l.) und Max Kruse sorgten in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim für Schwung im Berliner Spiel. © Getty Images
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Der Berliner Fußball-Bundesligist kämpft den Tabellendritten Hoffenheim trotz kleinerer Probleme 2:1 nieder – Gästetrainer Sebastian Hoeneß lobt Union, Grischa Prömel erklärt seinen Torriecher.

Der Hoffenheimer Fußballtrainer Sebastian Hoeneß wirkte etwas ratlos am Samstagabend. 1:2 (1:1) hatte seine Mannschaft das Bundesliga-Spiel bei Union Berlin verloren, obwohl die Gäste vieles von dem umsetzten, was er, Hoeneß, ihnen zuvor aufgetragen hatte. „Ich kann meiner Mannschaft nicht viel vorwerfen“, erklärte der Trainer deshalb, „wir hatten viel Kontrolle.“

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Allerdings resultierte daraus nur ein zählbarer Erfolg – Unions Timo Baumgartl traf per Eigentor (16. Minute) zur Hoffenheimer Führung, Andreas Voglsammer (22.) und Grischa Prömel (73.) drehten die Partie vor 3000 Zuschauern zugunsten der Berliner. „Am Schluss war Leidenschaft dabei, war Wille dabei“, erklärte Unions Trainer Urs Fischer den Erfolg seiner Elf.

Hoeneß: "Keiner fährt so richtig gerne hierher"

Für Hoffenheim endete damit eine Serie von sieben ungeschlagenen Bundesliga-Spielen in Folge, während der 1. FC Union einmal mehr bewies, dass eine erneute Qualifikation für den Europapokal nicht so utopisch ist, wie es Trainer Urs Fischer gerne darstellt. Auf Platz fünf mit 31 Punkten residieren die Berliner nun, punktgleich mit dem Vierten Hoffenheim. Kann Union sogar Kurs auf die Champions League nehmen?

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„Es ist auf jeden Fall eine Mannschaft, die extremst schwer zu bespielen ist“, sagte Hoeneß, „keiner fährt so richtig gerne hierher.“ Es gebe kaum Spiele, in denen Union klar unterlegen sei. „Und das qualifiziert sie schon für Höheres“, meinte Hoeneß bei der Pressekonferenz. Es sei erstaunlich, wie stabil und auf welch hohem Niveau die Mannschaft spiele, „da muss man jetzt schauen, wo das hinführt. Hoffentlich auf jeden Fall einen Platz hinter uns“, sagte Hoeneß, während Fischer die Lobeshymnen schmunzelnd entgegennahm. „Ich glaube, die Momente waren heute auf unserer Seite“, begründete Fischer, warum seine Elf gegen optisch überlegene Hoffenheimer (56:44 Prozent Ballbesitz, 8:0 Ecken, 12:6 Torschüsse) gewonnen habe.

Auch im neuen Jahr spielt Fischers Mannschaft zwar keinen Traumfußball, aber höchst effizient, entschlossen und mit klarem Plan. Selbst das Fehlen von Topstürmer Taiwo Awoniyi und der Abgang Marvin Friedrichs nach Mönchengladbach ändern offenbar wenig an den Erfolgsaussichten. Im Sturm ersetzte Andreas Voglsammer den Torjäger mehr als ordentlich, und das nicht nur wegen seines Kopfballtors zum 1:1. Der Stürmer arbeitete viel, nach hinten und nach vorne, am Boden wie in der Luft.

Auch der aus Freiburg geholte Innenverteidiger Dominique Heintz („ich freue mich einfach, dass ich wieder auf dem Platz stand“) zeigte bei seinem Debüt für die Berliner eine ansprechende Leistung, ebenso wie der neu in die Startformation gerückte Linksverteidiger Bastian Oczipka, der viele gute Flanken schlug, darunter jene, die zum Ausgleich führte. Neben Voglsammer, Oczipka und Heintz waren Levin Öztunali sowie Genki Haraguchi neu in die Startformation gerückt.

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Bis all die Umstellungen griffen, dauerte es über eine Halbzeit lang. Fischer monierte zu Recht, dass seiner Elf zwischenzeitlich der Zugriff gefehlt habe, man habe den Druck auf den Ball „nicht so gut hinbekommen.“ Das lag vor allem an inspirierten Hoffenheimern, die immer wieder über Ihlas Bebou Nadelstiche setzten. Der trickreiche Stürmer erzwang durch eine scharfe Flanke auch das 1:0, nachdem er zuvor den behäbigen Robin Knoche wie einen Altherrenspieler hatte stehen lassen.

Nach Voglsammers promptem Ausgleich kämpfte sich Union in der zweiten Halbzeit immer besser in die Partie, woran vor allem der nach 65 Minuten eingewechselte Sheraldo Becker und Max Kruse ihren Anteil trugen. Kruses Lattenschuss führte zum 2:1, weil Prömel per Flugkopfball den Abpraller gekonnt verwertete. „Ich habe gerade den richtigen Riecher. Ich mache gerade die Dinger weg“, sagte der Siegtorschütze, der bereits in Leverkusen beide Union-Tore erzielt hatte.

Die Fans wünschen sich, dass der gute Lauf fortgesetzt wird. „Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer eins“, sangen sie am Samstag nach Spielende. Die Anhänger wissen: Auch mit einem Sieg am Mittwoch im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Hertha BSC käme Union dem Europacup ein Stückchen näher.