20. November 2021 / 20:27 Uhr

Der 1. FC Union ist Berliner Stadtmeister - 2:0-Sieg gegen Hertha BSC

Der 1. FC Union ist Berliner Stadtmeister - 2:0-Sieg gegen Hertha BSC

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Union Berlin jubelt über den Derbysieg gegen Hertha BSC.
Union Berlin jubelt über den Derbysieg gegen Hertha BSC. © imago images/Nordphoto
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In einem kurzweiligen Berliner Stadtderby schlägt Union den Rivalen Hertha BSC 2:0 - für die Gastgeber treffen Taiwo Awoniyi und Kapitän Christopher Trimmel schon im ersten Durchgang. Hertha bleibt weitestgehend harmlos.

Die Union-Fans erhoben sich, sie sangen laut und vergnügt. "Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer eins", schallte es durchs Stadion An der Alten Försterei. Es herrschte Festtagsstimmung - außer im Gästeblock. Dort trauerten rund 2400 Hertha-Fans, einige Unbeherrschte schossen ein paar Böller ab. Doch auch das half nichts. 2:0 (2:0) siegte der 1. FC Union im Berliner Stadtderby gegen Hertha BSC. Taiwo Awoniyi (8. Minute) und Kapitän Christopher Trimmel (30.) trafen zum Sieg. Den Herthanern wurde ein Tor per Videobeweis wieder aberkannt (45.+1).

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Die Stimmung war schon vor dem Anpfiff prächtig, obwohl die Ultras beider Seiten die geschlossene Unterstützung versagten. Auf den Podesten, wo normalerweise die Vorsänger die Fanlieder anstimmen, tanzten vergnügt kleine Kinder. Vor den Einlasskontrollen hatten sich teils lange Schlangen gebildet. Trotzdem herrschte Stadtderby-Atmosphäre. Die Alte Försterei war unter „2G“-Bedingungen (nur geimpfte und genesene Personen erhielten Zutritt) bis auf den letzten Platz ausverkauft – zuletzt hatte es das Anfang März beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg gegeben.

Die besten Bilder vom Stadtderby zwischen Union Berlin und Hertha BSC.

Der 1. FC Union Berlin gewinnt das Derby gegen Hertha BSC mit 2:0 und krönt sich zum inoffiziellen Berliner Stadtmeister. Zur Galerie
Der 1. FC Union Berlin gewinnt das Derby gegen Hertha BSC mit 2:0 und krönt sich zum inoffiziellen Berliner Stadtmeister. © imago images

Auch auf dem Platz begann das Duell munter. Die Herthaner, angetrieben vom einsatzfreudigen Suat Serdar, begannen forscher, mutiger. Der Ball lief viel durch die Reihen der Blau-Weißen, nur in die gefährliche Zone schafften es die Herthaner nicht. Union stand kompakt, verteidigte teils mit der gesamten Elf und trat auf, als fände das Spiel auswärts statt.

Unions Trainer Urs Fischer, der neben Kapitän Christopher Trimmel auch den zuletzt am Fuß verletzten Max Kruse in die Startelf zurückbeorderte, hatte vor dem Spiel erklärt, dass „Kleinigkeiten“ das Derby entscheiden würden. So kam’s in der achten Minute dann auch, als Herthas Innenverteidiger Marton Dardai ein Luftloch schlug und damit Taiwo Awoniyi den Ball schenkte. Unions Stürmer dankte es mit seinem achten Saisontor, indem er Herthas machtlosen Torwart Alexander Schwolow verlud und flach zur Führung traf.

Kurz darauf drosch Grischa Prömel den Ball an die Latte, stand dabei aber im Abseits. Union war nun im Spiel, ohne allzu viel für selbiges zu tun. Geduldig empfingen die Gastgeber die Angriffe der Blau-Weißen, die meisten entschärften sie problemlos. Hertha fehlte der Mut zu mehr Risiko. Einzig Serdar schuf (wenn auch selten) überraschende Momente, die Unions Defensive um die kernigen Innenverteidiger Robin Knoche und Marvin Friedrich vor Probleme stellten.

Union blieb giftig, aufmerksam und immer darauf bedacht, knackig umzuschalten, wenn sich die Option auftat. Nach etwas über 20 Minuten scheiterte Kruse aus wenigen Metern an Schwolow, der prächtig reagierte. Kurz darauf rauschte Prömel heran, verpasste eine Trimmel-Flanke aber knapp. Der Ball flog hauchzart am langen Pfosten vorbei.


Solche Chancen fehlten der Hertha, die nach einer halben Stunde noch älter aussah, als es einer alten Dame gebührt. Niko Gießelmann schlug einen Eckball quer durch den Strafraum, der eigentlich zu lang geriet. Egal. Hinterm fernen Sechzehnereck stand Trimmel und hielt einfach mal drauf. Flach hoppelte der Ball an Freund und Feind vorbei, schließlich an den Innenpfosten und von dort zum 2:0 ins Tor.

Die Union-Fans nahmen den Zwei-Tore-Vorsprung zum Anlass, erste Triumph- und Schmähgesänge anzustimmen. „Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer 1“, schallte durchs Stadion, und, so viel Häme musste gestatte sein, „siehst du, Hertha, so wird das gemacht.“ Gästetrainer Pal Dardai dürfte dem heimischen Publikum gedanklich zugestimmt haben, allzu harmlos war seine Elf bis dahin aufgetreten, ließ jegliche Effizienz vermissen. Die erste bessere Chance vergab Routinier Petar Pekarik, der den Ball in der 37. Minute am langen Pfosten vorbeijagte.

Einen Grund zum Jubeln fanden aber auch die Hertha-Fans in der ersten Hälfte noch. Pekarik köpfte zum vermeintlichen 2:1 ein, nachdem Luthe unzureichend geklärt hatte. Weil Piatek zuvor im Abseits stand, nahm Schiedsrichter Felix Brych das Tor unter Mithilfe des Videobeweises wieder zurück. Zur Pause klatschten die Union-Fans eifrig, der Hertha-Block schwieg.

Aus den Kabinen kamen die Gäste mit mehr Schwung, den Vorträgen in der Offensive mangelte es indes weiter an Präzision. Um die kompakte Union-Defensive auseinanderzunehmen, fehlten den Herthanern die Werkzeuge. Und als Marco Richter nach einem Konter dann doch mal viel Platz erhielt und übers halbe Feld sauste, flankte er den Ball ins Seitenaus. Typisch für eine Hertha, die an diesem Derbytag zwar rackerte und viel probierte, meist aber die falschen Entscheidungen traf. Auf der Gegenseite verpassten die Unioner bei ihren teils ansehnlichen Aktionen mehrfach das 3:0. Kruse scheiterte an Schwolow, Haraguchi am glänzend klärenden Dardai, Friedrich und Prömel nach einer Ecke.

Herthas Trainer Pal Dardai durfte noch auf eine Wende hoffen. Mit Kevin-Prince Boateng und Jurgen Ekkelenkamp (für Maximilian Mittelstädt und Piatek) wechselte er nach einer Stunde frische Kräfte ein, zur Pause war schon Ishak Belfodil für Lucas Tousart gekommen. Allein, es half nichts. Spielerische Akzente konnten auch die neuen Kräfte nicht setzen, Union verteidigte konsequent und blieb bei Kontern gefährlich. Die letzte Chance hatte der eingewechselte Sheraldo Becker, der in der 90. Minute an die Oberkante der Latte schoss. Kurz darauf war Schluss und die Triumphgesänge der Union-Fans bis weit in die dunkle Köpenicker Nacht zu hören: "Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer 1."