12. April 2021 / 19:01 Uhr

Der 20-Tore-Stürmer: RB Leipzigs Sörloth kann's jetzt auch doppelt

Der 20-Tore-Stürmer: RB Leipzigs Sörloth kann's jetzt auch doppelt

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Alexander Sörloth ist nun auch für mehr als einen Treffer pro Partie gut.
Alexander Sörloth ist nun auch für mehr als einen Treffer pro Partie gut. © Getty Images
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Wenn seine Name fällt, ist schnell vom 20-Millionen-Transfer-Missverständnis die Rede. In Bremen zeigte Alexander Sörloth nun gleich zweimal, warum RB Leipzig ihn im Sommer holte. Verstummen damit Kritiker und versiegen so auch die Gedanken in Sachen frische Offensivkräfte?

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Leipzig. Attraktives 4:1 (3:0) der Roten Bullen bei chancenlos-devoten Bremern. Dani Olmo (23.), Alexander Sörloth (32./41.) und Marcel Sabitzer (63.) treffen. Ja, das 400. Punktspiel der RB-Historie ist eines mit Strahlkraft, lässt bei nur noch fünf Punkten Rückstand auf die Bayern die abgeheftete Akte „Meisterkampf“ einen Zipfel weit aus dem Schreibtisch illern.

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Die 400 hat so gar nichts mit dem Erstlingswerk der RB-Gründungsväter am 8. August 2009 zu tun. An jenem Tag wurden Kapitän Ingo Hertzsch und Co. bei der U23 von Carl Zeiss Jena tätlich angegriffen und bespuckt, fuhren ungeduscht und besudelt zurück. Kommentar in der LVZ zu den Begleiterscheinungen jenes fünftklassigen 1:1 auf einem Nebenplatz des Ernst-Abbe-Sportfelds: „Wenn es in diesem Stil weitergeht, stampft Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz die Nummer wieder ein und kauft sich eine zweite Südsee-Insel.“ Alexander Sörloth ist im August 2009 zarte 13, der norwegische Bub jagt dem Ball im Trondheimer Club Strindheim IL hinterher.

DURCHKLICKEN: Das sagen Spieler und Trainer

Willi Orban (RB Leipzig): Wir sind früh verdient in Führung gegangen und haben dann auch schnell nachgelegt. Dann waren es auch eine runde Sache. Für uns war es heute ein guter Tag. Es war unsere Motivation und unsere Intention, zu zeigen, dass wir auch im Pokalspiel weiterkommen wollen. Es ist eine riesige Chance, ins Finale zu kommen. Deshalb war es wichtig, heute zu gewinnen und zu zeigen, dass wir gut drauf sind. Zur Galerie
Willi Orban (RB Leipzig): "Wir sind früh verdient in Führung gegangen und haben dann auch schnell nachgelegt. Dann waren es auch eine runde Sache. Für uns war es heute ein guter Tag. Es war unsere Motivation und unsere Intention, zu zeigen, dass wir auch im Pokalspiel weiterkommen wollen. Es ist eine riesige Chance, ins Finale zu kommen. Deshalb war es wichtig, heute zu gewinnen und zu zeigen, dass wir gut drauf sind." ©

Sörloths drei Probleme

Knappe zwölf Jahre und vier RB-Aufstiege später darf der 25-jährige Mittelstürmer der Rasenballer mal wieder von Beginn an spielen. In Bremen. Alexander Sörloth. Wenn sein Name fällt, ist von Knoten, die nicht platzen, die Rede. Vom 20 Millionen Euro teuren Transfer-Missverständnis. Und auch von Sasa Kalajdzic, der im Schaufenster des VfB Stuttgart steht und Elektrolyte aus einer Dachrinne trinken könnte.

Sörloth schleppt seit seiner Verpflichtung im Sommer 2020 drei Probleme mit sich herum. Er ist Norweger. Er ist nicht Erling Haaland. Und er macht zu wenig Tore. Dabei ist untergegangen, dass ihm in der Mini-Sommer-Vorbereitung kaum Zeit blieb, sich an Julian Nagelsmanns XXL-Anforderungen zu gewöhnen. Dass mit den geringen Einsatzzeiten Matchhärte und Selbstwertgefühl über Bord gingen. Dass ein Stürmer ohne Power, Praxis und Zutrauen im Haifischbecken Strafraum mit dem Kiel nach oben schippert.

Nagelsmann erstmal zufrieden

In Bremen köpft Sörloth das 2:0 und schießt das 3:0. Der norwegische Nationalspieler hat jetzt 1217 Bundesliga-Minuten und fünf Treffer auf der Uhr. Umgerechnet auf die bisher 28 Partien kam er pro Spiel 43,46 Minuten zum Einsatz. Sörloth trifft also statistisch gesehen alle 243 Minuten. Wenn ihn Nagelsmann 34 Mal über 90 Minuten bringen würde, käme Sörloth demnach auf knappe 13 Tore. Addiert man die Tatsache dazu, dass so ein Stammspieler-Status Kräfte freisetzt und in Mehr-Toren mündet, stürmt da ein Mann, der spielend für 20 Tore gut ist.

Warum also in die Stuttgarter Ferne schweifen, wenn das Gute stürmt so nah?

Julian Nagelsmann, 33, ist einstweilen zufrieden mit seinem 1,95-Meter-Hünen: „Alex war in der Box sehr gut, da hat er seine Momente gut genutzt.” Sörloth ist kein großer Redner, muss von den RB-Medien-MitarbeiterInnen zur Interview-Zone getragen werden. Dort sagt er kurz und bündig: „Meine Tore wurden super vorbereitet, das hat es mir leicht gemacht. Wir haben unsere Angriffe gut zu Ende gespielt.“