14. März 2017 / 15:33 Uhr

Der Absturz von Leicester City: Das Märchen ist auserzählt

Der Absturz von Leicester City: Das Märchen ist auserzählt

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Leicester-Märchen mit den Protagonisten Claudio Ranieri (l.) und Jamie Vardy ist auserzählt.
Das Leicester-Märchen mit den Protagonisten Claudio Ranieri (l.) und Jamie Vardy ist auserzählt. © imago
Anzeige

Vom Abstiegskandidaten zur Meisterschaft – und einmal zurück: der sensationelle Erfolg des Leicester City F. C. ist vorbei. Inzwischen geht es nur noch darum, die Klasse in der Premier League zu halten. Und ganz nebenbei: ins Champions-League-Viertelfinale einzuziehen 

Anzeige

Das mit den Interview-Anfragen bei Leicester City ist in letzter Zeit so eine Sache. Hieß es in der vergangenen Saison noch, der Medien-Ansturm auf die Spieler der „Foxes“ sei zu groß, wird man aktuell damit vertröstet, dass ein Exklusivtermin „leider nicht realisierbar“ wäre.

Nachdem das Märchen, an dem der Leicester City F.C. vor rund einem Jahr zu schreiben begann, Woche für Woche an neuen Seiten zulegte, dicker und dicker wurde, wollte so gut wie jedes Medium ein Kapitel dieser Sensation nacherzählen. Der Fast-Absteiger der Vorsaison (Platz 14) auf dem Weg zur englischen Meisterschaft. Geschichten wie diese gibt es nicht mehr allzu häufig im internationalen Profi-Fußball. 

Und tatsächlich gab es wenige Monate später das Happy End.

Jamie Vardy war in der vergangenen Saison mit 24 Toren zweitbester Angreifer der Premier League.
Jamie Vardy war in der vergangenen Saison mit 24 Toren zweitbester Angreifer der Premier League. © imago

Doch inzwischen wurde das Buch zugeklappt. Es fängt Staub. Andere Zeiten sind wieder angebrochen. Die Realität für den englischen Champion sieht aktuell so aus: Tabellen-15., bei einem drei-Punkte-Pölsterchen auf den ersten Abstiegsplatz. Der als Welttrainer des Jahres 2016 ausgezeichnete Claudio Ranieri wurde Ende Februar entlassen. Geknickt teilte der Italiener mit: „Nach der Euphorie nach der letzten Saison und der Krönung mit dem Premier-League-Titel war es mein einziger Traum, bei Leicester City zu bleiben. Dem Klub, den ich für immer liebe. Traurigerweise sollte es so nicht sein."

Nun droht auch im Champions-League-Achtelfinale das Aus, das Hinspiel beim FC Sevilla wurde mit 1:2 verloren. Am Dienstagabend (20.45 Uhr, Sky) geht es für Leicester auch darum, für etwas Ablenkung vom Ligaalltag zu sorgen. Gerade in der Königsklasse blitzte immer mal wieder auch die Klasse der Vorsaison auf. Die Vorrundengruppe G schlossen die Engländer als Tabellenführer ab, mit vier Siegen aus sechs Spielen.

Die Stammelf besteht bis auf einen Abgang ja auch immer noch aus denselben Spielen – dieser wog allerdings schwer. Für knapp 36 Millionen Euro verließ mit N’Golo Kanté das Metronom, der Taktgeber, den LCFC. Als solcher brillierte er nicht, stellte aber das unverzichtbare statische Gleichgewicht fürs Spiel der „Foxes“ her. Und mit Riyad Mahrez (17 Tore, 11 Vorlagen, Afrikas Fußballer des Jahres 2016) und Jamie Vardy (24 Tore, 10 Vorlagen) sind in dieser Saison auch die Stützen der Vorsaison leistungstechnisch weggebrochen: aktuell kommen sie auf nur vier beziehungsweise sieben Tore.

Immerhin, unter Interimstrainer (bis Saisonende) Craig Shakespeare, Ranieris ehemaliger Assistent, hat Leicester die vergangenen beiden Ligaspiele gegen den FC Liverpool (3:1) und Hull City (3:1) gewonnen. Dabei änderte er gar nicht mal allzu viel. „Er hat die Dinge einfach gehalten und gesagt, was er von uns erwartet. Wir haben das umgesetzt", sagte Profi Danny Simpson. Und Ex-Bundesligaprofi Christian Fuchs erklärte: „Wir wollen den Sieg gegen Sevilla, die Erfolge waren die beste Medizin für uns.“ Der Österreicher sagte das dem eigenen Vereins-Sender. Für die ist das mit den Anfragen auch etwas anderes.