07. November 2020 / 08:43 Uhr

Der Amateurfußball rollt erst nächstes Jahr wieder

Der Amateurfußball rollt erst nächstes Jahr wieder

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Amateurfußball im Spielbetrieb, auf solche Szenen müssen sich die Fans wohl ein paar Monate gedulden (auf dem Foto der Heikendorfer Yannick Meenken und Neumünsters Tobias Bogun/v.re.).
Amateurfußball im Spielbetrieb, auf solche Szenen müssen sich die Fans wohl ein paar Monate gedulden (auf dem Foto der Heikendorfer Yannick Meenken und Neumünsters Tobias Bogun/v.re.). © Karsten Freese
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Schleswig-Holstein stellt den Fußballspielbetrieb auf Amateur-Ebene bis zum Jahresende ein. Das beschloss der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) bei einer Präsidiumssitzung am späten Donnerstagabend.

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Damit will der Verband den Vereinen während der Corona-Pandemie Planungssicherheit geben. Derzeit könne nicht gesagt werden, „ob und in welcher Form die behördlichen Auflagen einen Trainings- und Spielbetrieb im Dezember zulassen“, informierte der SHFV. Da nach Freigabe des Trainings- und Wettkampfbetriebes eine 14-tägige Vorbereitungszeit für die Vereine folgen würde, wäre vor Weihnachten lediglich die Austragung eines Spieltages am 19. und 20. Dezember 2020 möglich, heißt es. „Für das Präsidium waren diese zeitlichen Zusammenhänge ausschlaggebend dafür, dass eine vorzeitige Pause des Spielbetriebs beschlossen wurde“, sagte SHFV-Präsident Uwe Döring.

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Und wie geht es nach Silvester weiter? Die AG Spielbetrieb ist beauftragt worden, Szenarien für den weiteren Verlauf der Saison 2020/21 zu erarbeiten. Diese sollen unter anderem berücksichtigen, ab wann Nachholspiele angesetzt werden können. Große Überraschung hat die Entscheidung des Landesverbandes natürlich nicht mehr ausgelöst. Die Fußball-Szene zwischen Nord- und Ostsee war einhellig davon ausgegangen, dass 2020 nichts mehr läuft. Wir haben bei Vereinsvertretern nachgefragt – auch danach, wie ihre Vorstellungen von einer Rückkehr zum Spielbetrieb nach der Pause aussehen.

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Sven Boy (Trainer PSV Neumünster): „Für den Fußball in Schleswig-Holstein macht diese Entscheidung Sinn. Die Winterpause ist zum Greifen nah. Ich würde mir wünschen, dass man im Verband darüber nachdenkt, schon im Februar den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, um mehr Flexibilität Richtung Saisonende zu haben. Mit Rückschlägen und Pausen muss man schließlich auch im neuen Jahr rechnen. Wir müssen es nehmen wie es kommt und bauen auf die Eigenmotivation bei der Umsetzung individueller Trainingspläne.“

Nadeem Hussain (TSV Kronshagen): „Die Entscheidung des SHFV ist nachvollziehbar, denn es würde keinen Sinn machen, sich eventuell ab Anfang Dezember nur für einen Spieltag vor der Winterpause vorzubereiten, wenn er denn überhaupt stattfinden könnte. Vielleicht wäre es eine Lösung, vor dem geplanten Beginn nach der Winterpause schon Nachholspiele in den Spielplan einzubauen. Bei einem dann engen Zeitplan würde es sich auch aus meiner Sicht anbieten, vorübergehend den Wettkampfbetrieb mit fünf Auswechselspielern ablaufen zu lassen, damit sich keine Verletzungen bei den Spielern wegen der körperlichen Belastungen häufen.“

Maik Haberlag (Eckernförder SV): „Wenn es tatsächlich Anfang Dezember losgegangen wäre und alle Teams zwei Wochen Mannschaftstraining absolviert hätten, bliebe immer noch fraglich, ob an nur einem Wochenende vor Weihnachten die Plätze witterungsbedingt überhaupt noch bespielbar gewesen wären. Insofern war die Entscheidung des Verbandes nur logisch.“

Steve Frank (Trainer FC Kilia): „Die Jungs bekommen die Empfehlung, zwei- oder dreimal in der Wochen zu joggen. Dazu muss ich die aber gar nicht auffordern, denn meine Spieler sind so diszipliniert und selbstständig. Sie achten selbst sehr akribisch auf ihren Fitnesszustand. Daher muss ich keinen Trainingsplan rausgeben.“

Mark Hungerecker (SVE Comet Kiel): „Alles andere wäre Unsinn gewesen. Ich gehe davon aus, dass es, sobald die Zahlen es zulassen, schnell wieder losgehen wird. Ab nächster Woche bekommen die Spieler einen Trainingsplan an die Hand. Allerdings fehlen für lange Zeit die Belastungen im Wettkampf. Das birgt ein erhöhtes Verletzungsrisiko gerade im muskulären Bereich. So war es schon nach der ersten langen Pause, als im Punktspielbetrieb binnen vier Tagen fünf Spieler deshalb ausfielen.“

Nils Voss (Co-Trainer SV Tungendorf): „Die Jungs werden freiwillig laufen gehen. Das werden wir aber nicht überprüfen. Und zum neuen Jahr werden wir dann Trainingspläne rausgeben, so dass wir anschließend fit in die Vorbereitung starten können.“

Dänischenhagens Trainer Frank Knocke macht sich für einen späten Neustart stark und würde die Saison auch bis in den Oktober strecken.
Dänischenhagens Trainer Frank Knocke macht sich für einen späten Neustart stark und würde die Saison auch bis in den Oktober strecken. © Sonja Paar

Maik Gabriel (Trainer Osterrönfelder TSV): „Wir hatten für vier Wochen etwas auf die Beine gestellt. Zweimal in der Woche so eine Art Krafttraining via Zoom, jeweils am Dienstag und am Donnerstag. Und das Ganze hat meinen Jungs auch ziemlich viel Spaß gemacht. Und zweimal in der Woche hatten meine Spieler einen Laufauftrag, den sie an mich zu schicken hatten. Das war großartig und das hätten wir diese vier Wochen so weiter gemacht und wären so gut für das nächste Punktspiel vorbereitet gewesen. Dies findet nun nicht mehr statt und nun müssen wir uns überlegen, wie wir damit nun umgehen. Mein erster Impuls ist, dass wir das Ganze auch weiter durchziehen und dabei Spaß haben. Das setzt aber natürlich eine gewisse Freiwilligkeit voraus. Denn letztlich wollen die Jungs natürlich lieber Fußball spielen, so dass man als Trainer da ein gesundes Mittelmaß finden muss.“

Frank Weschke (Trainer Büdelsdorfer TSV): „Die Spieler dürfen einen individuellen Plan absolvieren, sofern sie einen solchen Plan haben. Diesen schicken sie mir dann zu und ich segne den dann ab. Alle anderen Spieler sollen zwei oder dreimal in der Woche Sport betreiben und müssen dabei bestimmte Vorgaben erfüllen. Die Spieler sind jedoch frei in ihrer Entscheidung zu welchem Zeitpunkt sie dem nachkommen.“

Benno Szodruch (Trainer SSG Rot-Schwarz Kiel): „Die Entscheidung ist richtig und auch konsequent, weil sie im Sinne der Gesundheit der Spieler ist. Was die Sache jedoch schwierig macht, ist die Unklarheit darüber, dass man nicht weiß, wie es nach dem Jahreswechsel weitergeht. Dahingehend erhoffe ich mir zeitnah vor Weihachten eine Entscheidung, ob wir im Januar in Kleingruppen oder im gesamten Mannschaftsverbund trainieren können. Wir werden unsere Jungs im Dezember mit individuellen Laufplänen versorgen und hoffen darauf, dass der SHFV beziehungsweise die Politik es uns wieder erlaubt, Fußball zu spielen.“

Stefan Köpke (Trainer TSG Concordia Schönkirchen): „Ob jetzt der Fußball der richtige Sport ist, um Corona einzudämmen, mag dahingestellt bleiben. Wir tragen die Entscheidung mit. Ich finde sie konsequent und richtig. Den November hätten wir weder trainiert noch gespielt. Im Dezember dann beinahe untrainiert ein Spiel auszutragen, macht keinen Sinn, zumal die Verletzungsgefahr viel zu groß ist.“

Bastian Matthies (Trainer SG Dobersdorf/Probsteierhagen): „Grundsätzlich war das die einzige vernünftige Entscheidung. Ich habe mich gewundert, warum man nicht schon vorher erklärt hat, dass nun Winterpause ist. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Spiele von den Mannschaften, die unbedingt spielen wollten, ja eh meistes ausgefallen sind. Sofern es wieder absehbar ist, wann es wieder losgeht, werden wir wieder in die individuelle Arbeit gehen. Mir ist klar, dass etliche Fußballer jetzt auch laufen gehen und ihre Aufgaben zu Hause erledigen, doch sind dies meist Spieler, die es meist eh nicht nötig haben. Und Diejenigen, die es nötig hätten, die machen es eh nicht. Deswegen macht es meiner Meinung nach keinen Sinn irgendwelche individuellen Sachen vorzugeben, denn das nächste Spiel ist frühestens in zwei Monaten, wenn überhaupt. Wenn der Start irgendwann absehbar ist, dann werden auch wir wieder in die individuelle Vorbereitung gehen. Pläne haben wir in der letzen Lockdown-Phase bereits bereitgestellt. Darauf können die Spieler immer zugreifen, doch ansonsten gibt es keine festen Vorgaben.“

Fabian Doege (Trainer TuS Nortorf): „Das schafft jetzt erst einmal Klarheit für die kommenden Wochen. Wir gucken wie es weitergeht und planen dann erst konkret.“


Dannie Osterhoff (Trainer Wiker SV): „Ich habe es mir schon fast gedacht, und das ist aus meiner Sicht auch vernünftig, So wurden alle Vereine rechtzeitig informiert und man hängt nicht in der Luft und weiß nicht, wie es im Dezember weitergeht. Schade, dass wir wieder so lange auf Fußball verzichten müssen, aber im Sinne der Gesundheit vernünftig.“

Frank Knocke (Trainer MTV Dänischenhagen): „Die Entscheidung ist okay wegen der Planungssicherheit. Schwierig wird es im ersten Quartal im nächsten Jahr. Nur die Vereine mit adäquaten Plätzen, vor allem Kunstrasen, können sich vernünftig vorbereiten inklusive Vorbereitungsspielen. Vereine wie der MTV sind Bittsteller für Vorbereitungsspiele bei anderen Vereinen und können, wenn es schlecht läuft, im Januar und Februar nur laufen gehen. Die Trainingsplätze sind im Winter normalerweise keine Option. Die Halle ist Anfang 2021 wegen Corona auch keine Alternative. Das heißt, ein sehr früher Start verschafft manchen Vereinen Vorteile, anderen wiederum Nachteile. Meine Idee wäre ein Beginn der Saison Ende März oder Anfang April und dafür keine Sommerpause. Dann endet die Saison Mitte oder Ende Oktober; außerdem bin ich für fünf Auswechslungen, sowie im Sommer ab und zu mal eine englische Woche.“

Mattes Sievers (Spieler TuS Bargstedt): „Ich halte es für schwachsinnig, im Januar zu starten, da die Wetterlage dann in jedem der zurückliegenden Jahre nicht fußballtauglich war. Ich sehe im Januar zumindest noch keinen Spielbetrieb.“

Andreas Junghans (Obmann 1. FC Schinkel): „Es hätte ohnehin wenig Sinn gemacht bis Ende November zu unterbrechen und dann einen Spieltag im Dezember zu machen. Die Entscheidung ist sehr gut.“

Norman Bock (Trainer TSV Vineta Audorf): „Es ist vollkommen richtig. Dieses ewige Hochfahren von null auf hundert und zurück ist in der kurzen Zeit nicht gut. Es würde zur Wettbewerbsverzerrung kommen. Denn einige Vereine, die zum Beispiel einen Kunstrasen haben, könnten trainieren, andere nicht. Spiele würden witterungsbedingt eh’ ausfallen. Einige Spieler müssen sicherlich aufpassen, dass ihnen nach der Pause das Trikot noch passt. Da haben wir auch ein paar Experten.“

Pascal Diouri (Trainer des Suchsdorfer SV): „Ich habe meinen Spielern nach dem Abbruch zunächst zwei Wochen Pause gegeben. Als ich nun erfahren habe, dass es im Januar wieder losgehen soll, habe ich entschieden, dass meine Spieler einen Trainingsplan bekommen werden. Ich bin gerade dabei, den Plan zu schreiben und zu entwickeln.“

Mefail Sengül (Trainer TSV Lütjenburg): „Ich finde es gut, dass nun Winterpause ist. Die Verletzungsgefahr ist meines Erachtens einfach zu groß, wenn man kurzzeitig spielen würde und dann wieder nicht. Natürlich besteht die Gefahr, dass meine Jungs nun ein paar Pfunde zulegen. Deshalb habe ich meinen Spielern erklärt, was ich von ihnen in der fußballfreien Zeit erwarte und was sie machen sollen.“

Ismet Nac (Trainer Fortuna Bösdorf): „Das macht Sinn. Allerdings ist die lange Pause besonders bitter für Jugendliche in Brennpunkten, die den Sport als Anker für ein stabiles soziales Leben brauchen. Außerdem wird unterschätzt, dass sich die lange Pause auf die Verletzungsanfälligkeit der Spieler auswirkt. Nach dem ersten Lockdown schnellten die Ausfälle wegen muskulärer Probleme in die Höhe. Fithalten ist gut – es fehlen aber die fußballspezifischen Bewegungen mit Wettkampfcharakter. Das ist nicht ungefährlich.“