16. April 2017 / 15:31 Uhr

Der beispiellose Absturz des SC Paderborn 07

Der beispiellose Absturz des SC Paderborn 07

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wilfried Finke ist (wieder) die prägende Figur beim SC Paderborn. André Breitenreiter (l.) und Stefan Effenberg sind längst Vergangenheit.
Wilfried Finke ist (wieder) die prägende Figur beim SC Paderborn. André Breitenreiter (l.) und Stefan Effenberg sind längst Vergangenheit. © imago
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Vor zwei Jahren spielten die Ostwestfalen als Sensationsaufsteiger noch in der 1. Bundesliga. Inzwischen droht der SC Paderborn 07 einen neuen Negativrekord aufzustellen. Die Gründe für den Totalschaden.

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Es ist erst ungefähr zwei Jahre her, da spielte der SC Paderborn 07 noch gegen Borussia Dortmund. Ganz regulär, in der Meisterschaft, am 18. April 2015. Mit 0:3 ging die Partie damals verloren.

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Mittlerweile enden derlei Vergleiche der westfälischen Nachbarn (100 Kilometer Luftlinie) schon deutlicher: mit 1:6 etwa. Sie kommen sowieso nur noch zustande, wenn der BVB der Einladung eines Testspiels folgt, so wie in der vergangenen Wintervorbereitung. Denn inzwischen trennen die Klubs zwei Ligen - und mehrere Fußball-Welten.

Zweimal in Folge stieg der SC Paderborn ab. Von Liga 1 in Liga 3. Und dort stehen die Ostwestfalen nun schon wieder auf einem Abstiegsplatz. Drei Abstiege in Folge aus der 1. Bundesliga hatte es im deutschen Fußball noch nie gegeben. Am Oster-Sonntag wurde Trainer Stefan Emmerling gefeuert. Steffen Baumgart (ehemals 1. FC Magdeburg, Berliner AK 07) wird sein Nachfolger. Aber ist dieser Chaos-Klub überhaupt noch zu retten?

Wir zeigen, was alles schief lief in Paderborn.

Der Auseinanderfall

Sensationsaufsteiger schön und gut. Aber durch das eine Jahr in der Bundesliga sind dem SCP auch wichtige Personalien abhanden gekommen. Spieler wie Lukas Rupp, Mario Vrancic, Elias Kachunga oder Kapitän Uwe Hünemeier verließen den Klub. Bessere Vereine lockten. Aus Erstligazeiten verblieben nur fünf Spieler im Kader. Am fatalsten war aber sicherlich der Abgang von Trainer André Breitenreiter zum FC Schalke 04. Seitdem kamen und gingen in Paderborn sechs (!) Trainer, darunter das Missverständnis mit Stefan Effenberg.

Der Alleinherscher

Apropos Effenberg. Der berichtete von "null Menschlichkeit im Umgang" mit ihm. Dass er damit Klubchef Wilfired Finke meinte, ist ein offenes Geheimnis. Der allmächtige Möbel-Unternehmer und Mäzen des Vereins diktierte ihm Entscheidungen, redete ständig rein, wie Effenberg nach seinem Aus erklärte. Zwar trat der 65-Jährige nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga von seinem Amt als Präsident zurück. Nach 19 (!) Jahren. Doch nach nur sieben Monaten war er auch schon wieder zurück im Amt. Begründung: "Die sportliche Entwicklung ist nicht so verlaufen, wie wir es uns alle gewünscht haben." Seine Rückkehr hat daran bislang nichts geändert.

Kein Manager

Der aktuelle Drittliga-Kader wurde ohne einen Sportdirektor zusammengestellt. Nach der Entlassung von Michael Born im März 2016 gab es rund ein Jahr (!) keinen Nachfolger. Erst mit der Verpflichtung von Markus Krösche von Bayer Leverkusen im März 2017 wurde das Loch gestopft. Die Möglichkeiten des Eingreifens des einstigen SCP-Kapitäns waren nach dem Rückrundenstart allerdings begrenzt.

Keine Kohle

Der Doppel-Abstieg hat den SC Paderborn finanziell arg in Bedrängnis gebracht. Nicht nur, dass der Zuschauerschnitt mit rund 5000 deutlich unter den kalkulierten 7500 liegt. Der Spielbetrieb konnte nur aufgrund eines von der Stadiongesellschaft gewährten Darlehens von rund vier Millionen Euro aufrechterhalten werden. "Die aktuellen Lasten führen dazu, dass wir in der Dritten Liga nicht überlebensfähig sind“, sagte Finke.

Was würde dann erst ein erneuter Abstieg bedeuten?