11. Juni 2020 / 12:13 Uhr

Der Erfinder der Achumer Wiese: Willi Daseler macht im Oktober Schluss

Der Erfinder der Achumer Wiese: Willi Daseler macht im Oktober Schluss

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Der FC Hevesen: Willi Kastning (oben von links), Rolf Sassenberg, Karl Harting, Willi Harting, Ernst Brinkmann, Willi Krömer, Heinz Busch, Dieter Könemann und Willi Daseler. Unten von links: Jochen Mälitz, Klaus Feldhaus und Dieter Strahler. fotos: pr. jö
Willi Daseler ist einer der "stillen Stars". © Jörg Bressem
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Wenn im Ehrenamt bisweilen von „stillen Stars“ die Rede ist, dann trifft das auf Willi Daseler ganz besonders zu. Er möchte eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt stehen, sagt er gleich zu Beginn unseres Gespräches. Doch das wird spätestens im Oktober unvermeidbar sein, wenn der 82-Jährige auf dem Kreisfußballtag von seinen Aufgaben im Spielausschuss zurücktritt und verabschiedet wird.

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Dann blickt er auf sensationelle sechs Jahrzehnte ehrenamtliche Arbeit zurück, und dann werden alle Auszeichnungen, Danksagungen und stehenden Ovationen nicht ausreichen, um dieses Geschenk zu würdigen. Ein ganzes Leben für den Fußball, doch warum macht man das? Willi Daseler muss kurz überlegen, dann sagt er: Beim FC Hevesen habe er sich auch deshalb so lange engagiert, weil der Verein auf der Achumer Wiese irgendwie sein Kind sei. Gemeinsam mit Ernst Brinkmann war er es, der damals auf die Idee kam, das Gelände zum Sportplatz zu machen. Ihm ist es zu verdanken, dass ein Verein, dessen Wurzeln in Hevesen liegen, einige Kilometer außerhalb der eigenen Gemarkung Fußball spielt, nur einen Steinwurf von Daselers Wohnhaus entfernt.

Er erfand die Achumer Wiese, und das kam so: Die Turnerschaft Rusbend und der VfL Echtorf konkurrierten vor Urzeiten um eine Wiese im Dorf Hevesen, um dort Fußball zu spielen. Es gab Streit um die Nutzung, und es gab Schwierigkeiten, den Platz vom örtlichen Landwirt zu erwerben. Fünf umliegende selbstständige Gemeinden hatten Mühe, sich zu einigen. Als sich der geforderte Kaufpreis dann auch noch verdoppelte, verkündeten die Interessenten kurzerhand: „Wir gehen auf die Achumer Wiese.“

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Die hatte Daseler nämlich mit seinem Freund und mit Bürgermeister Karl-Heinz Stansch längst klargemacht. Anfangs spielte man mit Duldung der britischen Armee, der das Gelände gehörte. Später ging es in das Eigentum der Stadt Bückeburg über. Daseler spielte zu der Zeit aktiv beim FC Hevesen Fußball, stieg aber schon in ganz jungen Jahren parallel dazu in die Vorstandsarbeit ein. Er war Spartenleiter, er war zweiter Vorsitzender, und er machte das bis 1996, weil seine Frau Lina verständnisvoll mitzog. Die Arbeit hatte er auch gleich nebenan, als Zivilangestellter bei den Hubschraubern der Bundeswehr.

1989 ging es los

Zur Arbeit im NFV-Fußballkreis kam er 1989. Heinz Fahlbusch aus Niedernwöhren und Günter Stahlhut aus Enzen warben ihn auf dem Sportplatz in Achum an und investierten einige Biere, um ihn zu überreden. Sieben Jahre lang tanzte Daseler also auf zwei ehrenamtlichen Hochzeiten. „Die Arbeit im Fußballkreis konnten wir uns besser als heute aufteilen“, erzählt er. Damals seien halt noch mehr Sportfreunde bereit gewesen, eine Aufgabe zu übernehmen. Weil nicht ausreichend Personal nachgerückt sei, habe sich die Arbeit im Laufe der Jahre verdichtet. Das sei nur mit der heutigen EDV-Unterstützung zu leisten.

Daseler ist Staffelleiter der 1., 2. und 3. Kreisklasse. Bei ihm laufen Verlegungswünsche auf, er legt die Strafen fest, stimmt sich darin aber regelmäßig mit den Kollegen Wilfried Claus, Frank Fahlbusch, Dirk Bruns und Björn Bödeker ab. Es soll ausgewogen sein, es soll alles das richtige Maß haben, das ist dem stets freundlichen und sympathischen Willi Daseler wichtig, deshalb wird seine Arbeit in den Schaumburger Vereinen auch hochgeschätzt.

Aufgaben Abseits des Fußballs

Warum er sich beim heimischen FC Hevesen so lange engagierte, wissen wir mittlerweile, doch warum macht er auch die Arbeit im Fußballkreis so ausdauernd? Er erledige das gerne, sagt er, und es sei wohl auch die Freude an der Pflichterfüllung und einem guten Ergebnis gewesen. Dann aber fügt der zurückhaltende, aber sehr aufgeschlossene Daseler ein wichtiges Argument hinzu: „Ich lernte Land und Leute kennen.“ Das freiwillige Engagement liegt ihm ohnehin, er machte es auch auf anderen Gebieten. In der Achumer Feuerwehr war er sogar mal stellvertretender Brandmeister.

Die schönsten Geschichten erlebte er aber beim Fußball. Als er zum Beispiel noch selbst spielte, lieh sich ein Schiedsrichter mal eine Armbanduhr von ihm, weil er die eigene vergessen hatte. Als er dann unseren Willi Daseler vom Platz werfen wollte, verlangte der prompt seine Uhr zurück – und wurde verschont. Unrecht? „Nein, die Zeiten waren anders“, sagt Daseler. In Erinnerung blieb ihm auch ein Spiel des FC Hevesen Mitte der siebziger Jahre beim SV Engern. Sein Verein führte zehn Minuten vor Schluss 2:0 und war dabei, einen überlebenswichtigen Sieg im Abstiegskampf der Bezirksklasse zu landen. Plötzlich aber legte sich dichter Nebel über den Sportplatz, das Spiel wurde abgebrochen. Der SV Engern gewann die Wiederholung, die Heveser waren abgestiegen.

Karriereende aus freien Stücken

Typisch für ihn ist auch, wie er seine Karriere in der ersten Herrenmannschaft des FC Hevesen beendete, nämlich aus freien Stücken. Als er von seinem Bückeburger Gegenspieler Heinz Struckmeier überlaufen wurde, wurmte ihn das so sehr, dass er seinen Platz für jüngere Spieler räumte. Welch enorme Wertschätzung er wegen solcher Aktionen, vor allem aber als einer der Väter des FC Hevesen genießt, wurde bei seinem Abschiedsspiel deutlich, als Hannover 96 mit Stars wie Hans Siemensmeyer, Horst Podlasly und Otto Laszig ihm zu Ehren auf der Achumer Wiese auflief.

Was aber will er mit der gewonnenen Zeit machen, wenn im Oktober Schluss ist? An eigenen Sport sei mit neuen Hüften und Herzschrittmacher leider nicht mehr zu denken, sagt er. Aber er werde wieder mehr Fahrrad fahren und sich vielleicht auch häufiger in den Urlaub aufmachen. Das sei noch nicht klar. Fest steht nur, dass er sich auf keinen Fall noch mal zum Weitermachen überreden lassen will, auch nicht beim Bier, so wie einst. Da wird Willi Daseler plötzlich energisch: „Es war schön, ich habe sehr viele interessante Leute kennengelernt, aber im Herbst ist es vorbei – für immer.“