28. Dezember 2021 / 09:03 Uhr

Der Fehler des Jahres beim VfL Wolfsburg: Van Bommel und das peinliche Pokal-Aus

Der Fehler des Jahres beim VfL Wolfsburg: Van Bommel und das peinliche Pokal-Aus

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Peinliches Pokal-Aus: Mark van Bommel (r.), der ehemalige Trainer des VfL Wolfsburg, wechselte im Duell mit Münster einmal zu viel aus.
Peinliches Pokal-Aus: Mark van Bommel (r.), der ehemalige Trainer des VfL Wolfsburg, wechselte im Duell mit Münster einmal zu viel aus. © imago images/Nico Herbertz
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Bundesliga, Pokal, Champions League: Der SPORTBUZZER resümiert das Jahr des VfL Wolfsburg. Im fünften Teil der Serie beschäftigen wir uns mit dem Fehler des Jahres.

Ob Ex-VfL-Trainer Mark van Bommel während der Feiertagsruhe mal an den 8. August gedacht hat? An diesem Tag ist ihm und seinem Trainerteam in der ersten Runde des DFB-Pokal im Duell bei Viertligist Preußen Münster der Wechsel-Fehler des Jahres unterlaufen. Trotz eines 3:1-Sieges flog der Wolfsburger Fußball-Bundesligist raus - per DFB-Urteil.

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Es folgte viel Spott und Häme. Vor allem für van Bommel, der schlichtweg nicht wusste, wie viele Spieler im Pokal eingewechselt werden durften. Der erst im Sommer geholte neue Wolfsburger Trainer hatte während der regulären 90 Minuten drei Auswechslungen vorgenommen, in der Verlängerung kam zunächst auch Yannick Gerhardt aufs Feld. Dann machten sich Admir Mehmedi und Sebastiaan Bornauw bereit. Macht zusammen sechs Einwechslungen - die fünf "normalen", plus eine Extra-Einwechslung in der Verlängerung. Das jedoch erlauben die DFB-Statuten nicht!

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Einen Tag nach dem Spiel hatte Münster Einspruch eingelegt, beim VfL nahm man daraufhin den Patzer mit Humor. Manager Jörg Schmadtke teilte via Vereins-Homepage mit, dass man darüber nachgedacht habe, „alle Beteiligten zu einem Volkshochschul-Grundkurs ‚Richtig Lesen‘ anzumelden". Zudem hatten die Wolfsburger mit einer Anspielung auf den Wechselfehler Werbung für den Ticketverkauf zum ersten Liga-Spiel der Saison gegen Bochum gemacht...

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Die Sache mit dem Pokal-Aus landete beim DFB-Sportgericht. Im Vorfeld der Verhandlung war durchgesickert, dass sich die VfL-Bank beim vierten Offiziellen Tobias Fritsch nach einer sechsten Wechselmöglichkeit erkundigt haben will - und weder von ihm noch von Schiedsrichter Christian Dingert daran gehindert wurde, die regelwidrige Auswechslung vorzunehmen. Dingert vermerkte den Wechselfehler anschließend auf dem Spielberichtsbogen. In der Verhandlung erklärte wiederum Fritsch, dass er der Wolfsburger Bank keine Erlaubnis für einen sechsten Wechsel gegeben, sondern lediglich auf die zur Verfügung stehenden Wechselslots hingewiesen habe.

Das DFB-Sportgericht entschied pro Münster, der VfL wiederum ging in Berufung, Ende August jedoch wurde die vom DFB-Bundesgericht abgeschmettert. Wolfsburg war endgültig raus. Manager Schmadtke erzählte ein paar Tage später, nachdem der große Frust über den Fehler verflogen war, wie sehr er auf dem Baum war: „Lassen Sie es mich so sagen: Als ich nach der Rückfahrt aus Münster in Wolfsburg angekommen bin, war ich wieder unten. Aber am nächsten Morgen im Büro sind die meisten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter den Tisch gekrochen, weil sie nicht unbedingt mit mir reden wollten.“

Ob van Bommel auch dazu gehörte, ist nicht überliefert. Aber dieses peinliche Aus blieb stets mit seinem Namen verbunden. Dabei waren die Spiele danach von den Ergebnissen her top für den ehemaligen Mittelfeldspieler. Viermal in Folge wurde gewonnen, Wolfsburg war Bundesliga-Spitzenreiter. Allerdings: Auch in diesen Spielen war zu sehen, dass der Niederländer den VfL nach einer schwierigen Vorbereitung (viele Spieler kamen wegen der EM erst nach und nach zum Team) fußballerisch nicht hatte weiterbringen können. Es folgten acht Spiele hintereinander ohne Sieg – und so gab der Klub am 24. Oktober, einen Tag nach dem 0:2 gegen Freiburg, nach nur 116 Tagen die Trennung von van Bommel bekannt.