04. Juni 2020 / 20:29 Uhr

Der Freitag der Entscheidung: Wird Lok Leipzig zum Regionalliga-Meister gekürt?

Der Freitag der Entscheidung: Wird Lok Leipzig zum Regionalliga-Meister gekürt?

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Robert Zickert und Patrick Wolf bejubeln einen Treffer ihres 1. FC Lok Leipzig. Können die Spieler am Freitag abermals jubeln, wenn der Nordostdeutsche Fußballverband die Blau-Gelben zum neuen Meister der Regionalliga erklärt?
Robert Zickert und Patrick Wolf bejubeln einen Treffer ihres 1. FC Lok Leipzig. Können die Spieler am Freitag abermals jubeln, wenn der Nordostdeutsche Fußballverband die Blau-Gelben zum neuen Meister der Regionalliga erklärt? © Picture Point
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Am Freitag tagt das Präsidium des Nordostdeutschen Fußballverbandes bezüglich der abschließenden Wertung der Regionalliga Nordost. Die Experten rechnen mit der Anwendung des norwegischen Modells und Lok Leipzig als Meister. Doch in diesem Fall würden Altglienicke und Energie Cottbus rechtliche Schritte einleiten.

Leipzig. Neapel, 5. Juni 1968 – die Sowjetunion und Gastgeber Italien duellieren sich im Halbfinale der ersten offiziellen Europameisterschaft und trennen sich nach 120 eher undramatischen Minuten 0:0. Das Problem: Elfmeterschießen waren noch nicht eingeführt, ein Münzwurf muss die Entscheidung bringen. Kopf oder Zahl –  wer darf ins Finale? In den Katakomben des legendären Stadio San Paolo tätigt der deutsche Schiedsrichter Kurt Tschenscher vor den Augen der jeweiligen Verbandspräsidenten und hinter für beide Mannschaftskapitäne verschlossenen Türen den historischen Wurf, bei dem der Zufall die Italiener auserwählte.

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DURCHKLICKEN: VSG Altglienicke gegen Lok Leipzig im November 2019

Der 1. FC Lok verspielt eine 2:0-Führung bei Altglienicke und holt mit einem 2:2 einen Punkt gegen den Tabellenführer. Zur Galerie
Der 1. FC Lok verspielt eine 2:0-Führung bei Altglienicke und holt mit einem 2:2 einen Punkt gegen den Tabellenführer. © Thomas Gorlt

Am Freitag, genau 52 Jahre später, wird ebenfalls hinter verschlossenen Türen von Verbandspräsidenten und ohne Beisein von Teamvertretern eine Entscheidung gefällt, die wohl alle lieber auf dem Platz ausgefochten hätten. 17 Uhr beginnt die Präsidiumssitzung des Nordostdeutschen Fußballverbandes, bei der endgültig das Verfahren mit der laufenden Saison der Regionalliga Nordost beschlossen wird. Es gilt als offenes Geheimnis, dass das norwegische Modell angewandt werden soll, bei dem die Punkte durch die Anzahl der gespielten Partien geteilt werden. Lok Leipzig würde mit einem Schnitt von 2,14 Zählern pro Spiel an Altglienicke (2,04) vorbei auf Platz eins ziehen und nordostdeutscher Meister werden.

„Sie werden keinen Erfolg haben“

Ganz so zufällig wie beim Münzwurf wäre dieser Entschluss jedoch nicht. Die Quotientenregelung wurde von der Uefa empfohlen, die Regionalligen Nord und Südwest verfahren danach, auch internationale Topligen wie die französische Beletage des Fußballs ermittelten die Abschlusstabelle durch den Punkteschnitt. Schwer vorstellbar, dass die Nordoststaffel der vierten Liga einen Alleingang startet.

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Ein Diskussionsende ist dennoch nicht in Sicht. Altglienicke, punktgleich mit den Probstheidaern, und Energie Cottbus (zwei Punkte Rückstand) haben bereits rechtliche Schritte angekündigt, könnten diese Drohung nach dem Urteil wahr machen. Michael Nagel rechnet damit. Der Anwalt für Sportrecht ist sich sicher, dass der Fall vor Gericht landet. „Zunächst werden sie vor das Sportgericht des NOFV ziehen, es könnte dann bis ganz nach oben zum Sportgericht des DFB gelangen“, glaubt Nagel, der jedoch vermutet: „Sie werden keinen Erfolg haben.“

Wie der Finaleinzug Italiens wäre auch die Meisterschaft nur ein Teilerfolg. Lok Leipzig müsste noch die Relegation gegen den West-Vertreter SC Verl um den Aufstieg in Liga drei spielen. Die italienische Nationalmannschaft gewann die EM-Finale gegen Jugoslawien in einem Wiederholungsspiel 2:0.