06. Mai 2018 / 21:56 Uhr

„Der Fußball ist kein Reparaturbetrieb“: Reaktionen auf rechtsradikalen Vorfall bei Lok Leipzig

„Der Fußball ist kein Reparaturbetrieb“: Reaktionen auf rechtsradikalen Vorfall bei Lok Leipzig

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Spricht am Freitag beim außerordentlichen Mitgliederabend: Lokomotive Leipzig-Präsident Thomas Löwe.
Spricht am Freitag beim außerordentlichen Mitgliederabend: Lokomotive Leipzig-Präsident Thomas Löwe. © Alexander Prautzsch
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Ein Trainer animierte die B-Junioren der Probstheidaer zum Zeigen des Hitlergrußes. Der Verein reagierte prompt, mit Suspendierungen, Rauswürfen und Hausverbot. Dafür bekommt der Club viel Lob. Die Negativschlagzeilen bleiben dennoch hängen.

Nach dem rechtsradikalen Vorfall vergangene Woche beim 1. FC Lok – der Großteil der B1-Elf hatte sich mit Hitlergruß fotografieren lassen und die Bilder in einer Whatsapp-Gruppe geteilt – hat Hermann Winkler das Vorgehen des Vereins gelobt. „Lok hat klare Kante gezeigt. Der Rauswurf der beiden Trainer ist richtig, die Jugendlichen dürfen nicht von der Fahne gehen“, sagte der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes und ergänzte: „Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, aber kein Reparaturbetrieb für Dinge, die in der Gesellschaft falsch laufen.“

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Vor solchen Vorfällen sei niemand gefeit. Der Sport habe mit seinen Strukturen und geschultem Personal die Möglichkeit, die Jugendlichen aufzufangen. Winkler stellt sich die Frage, ob die Inhalte der Übungsleiter-Ausbildung noch zeitgemäß seien, ob nicht der pädagogische Aspekt mehr Gewicht bekommen müsse. Weil Lok professionell mit dem Vorfall umgegangen sei, geht Winkler davon aus, „dass kein bleibender Imageschaden für den Verein oder den sächsischen Fußball haften bleibt“.

Lob vom Leipziger Verband: "Gut und richtig, dass Lok die Verantwortlichen sanktioniert hat.“​

Dirk Majetschak, Präsident des Fußball-Verbandes der Stadt Leipzig, sagte: „Vom Grundsatz her ist das entsetzlich, ich habe eigentlich keine Worte dafür. Dabei hat Lok unterdessen ja auch in puncto Integration einiges geleistet, dort sind Spieler aus vielen Ländern Mitglied. Ich finde es gut und richtig, dass Lok gleich reagiert, dass man die Verantwortlichen sanktioniert hat.“


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Der Vorfall wurde von überregionalen Medien aufgegriffen. Die Frankfurter Allgemeine beschäftigt sich mit den rechtlichen Folgen: Nach dem deutschen Strafgesetzbuch seien das Verwenden nationalsozialistischer Kennzeichen strafbar. Dazu gehört das Zeigen des Hitlergrußes. Dafür kann man mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden. Bei Spiegel online heißt es: „Der Verein, der 2003 neu gegründet worden war, änderte nach dem Vorfall sein Profilbild bei Facebook, dort ist nun unter dem Klublogo der Schriftzug ,Gegen Nazis’ zu lesen.“

Die Deutsche Presse-Agentur DPA schreibt: „Lok Leipzig hat seit vielen Jahren mit Rechtsextremisten und Neo-Nazis im Fan-Lager zu kämpfen. Beim Derby gegen Chemie Leipzig wurde 2002 zum Beispiel ein Banner mit der Aufschrift ,Rudolf Heß – Bei uns rechts außen’ ausgerollt.“ Solche Fälle aus der Vergangenheit holen den Verein immer dann ein, wenn das überwunden geglaubte Problem neu auftaucht.

Wegen Suspendierungen: B1-Mannschaft wird mit Spielern aus der B2 aufgefüllt​

Wie geht es sportlich weiter bei den B-Junioren des 1. FC Lok? Die B1-Mannschaft, Spitzenreiter in der Sachsenliga, hatte am Wochenende spielfrei, sodass sich der Verein sortieren kann. Lok hat vier Punkte Vorsprung auf Verfolger Plauen. Trotz der Suspendierung von 15 Spielern wird der Tabellenführer nach LVZ-Informationen weiterspielen – sonst würde es Geldstrafen wegen Nichtantretens zur Folge haben. Vielmehr versucht Lok, die Lücke mit Spielern des B2-Teams zu schließen. In den letzten fünf Partien geht es gegen Kontrahenten aus dem Mittelfeld oder Ende der Tabelle. Die B2 besiegte am Sonnabend im Landesklasse-Spitzenspiel den Döbelner SC 3:1 und liegt mit 105:10 Toren aus 17 Spielen nur deshalb nicht auf Platz eins, weil Liebertwolkwitz am 1. Mai nicht angetreten war und die drei Punkte noch fehlen.

Der Verein hatte den Fall am Freitag öffentlich gemacht und bemüht sich weiter um Aufklärung sowie Transparenz. Die Übungsleiter aller Lok-Teams nahmen ihre Spieler zusammen und mahnten die jungen Fußballer, sich von niemandem zu unüberlegten Dingen animieren zu lassen. „Die Betroffenen sollen eine zweite Chance im Verein bekommen“, so Vizepräsident Alexander Voigt. Die Teenager, im Schnitt 16 Jahre alt , hätten sich entschuldigt. Gemeinsam mit dem Landessportbund wird der Verein Workshops zum Thema Demokratieverständnis anbieten. Lok hat für Freitag (19 Uhr) einen Mitgliederabend einberufen, bei dem Präsident Thomas Löwe, Alexander Voigt und der Aufsichtsratschef Olaf Winkler sprechen werden.