18. Juni 2020 / 10:33 Uhr

Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte mit Malle-Sänger an der Spitze

Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte mit Malle-Sänger an der Spitze

Jan-Philipp Wottge
Kieler Nachrichten
Der TSV Stein steigt in Zeiten von Corona das erste Mal in die Landesliga auf.
Der TSV Stein steigt in Zeiten von Corona das erste Mal in die Landesliga auf. © Jan-Phillip Wottge
Anzeige

Der TSV Stein schafft passend zum 50. Geburtstag den Aufstieg in die Landesliga. Es ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Doch so richtig feiern konnte das Team aus dem Kreis Plön den Triumph nicht.

Anzeige
Anzeige

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

In Schleswig-Holstein beginnt künftig eine neue Stein-Zeit. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum gelang dem TSV Stein der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Als der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) Anfang Mai beschloss, die Saison aufgrund der Corona-Pandemie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen zu lassen und nach der Quotientenregelung zu werten, war der Weg für die Kicker vom Ostseestrand in die Sechstklassigkeit frei. Plötzlich war das Team also Landesligist!

Mehr zu #GABFAF

Was war passiert? Am 7. März 2020 gewann der Verbandsligadritte TSV Stein mit 2:1 gegen den Zweiten TSV Plön. Was zu diesem Zeitpunkt jedoch noch niemand ahnte, es sollte letztlich ein waschechtes Endspiel um den Aufstieg gewesen sein. Denn bereits eine Woche später ruhte der Spielbetrieb und wurde nicht mehr aufgenommen. Die Quotientenregelung kam zur Anwendung und Stein zog nach Durchschnittspunkten an den Plönern vorbei und sicherte sich somit die Aufstiegsberechtigung.

Doch beim TSV Stein musste man erst ein paar Nächte schlafen, um zu wissen, wie man mit der völlig unerwarteten Situation umgehen will. Schnell war klar, der Verein würde seiner Ligamannschaft keine Steine in den Weg legen. Kurz darauf gab auch das Verbandsligateam grünes Licht: "Wir wagen das Abenteuer", gab Steins Erfolgscoach Kristof Schneider bekannt.

Beim TSV Stern packen alle mit an

"Wir sind das kleine gallische Dorf und gehen diese Geschichte mit ganz viel Demut, aber auch jeder Menge Freude an. Es wird ein Abenteuer, von dem wir vor Jahren nicht im Ansatz geträumt haben", erklärt der Zweite Vorsitzende, Peter Danker, mit Blick auf die 750-Seelengemeinde im Kreis Plön.

Beim TSV Stein mit seinen 515 Mitgliedern packen alle mit an. Stein für Stein. So entstand in den vergangenen Jahren eine Sitzplatztribüne und auch das Vereinsheim, die Seele des TSV Stein, wurde kräftig aufgemöbelt. Hier wird noch plattdeutsch geschnackt und das Kartenspiel "Fett" ("Das kennt man nur hier. Es ist ein Intelligenzspiel, das man auch mit ein paar Promille spielen kann" verrät der Ehrenvorsitzende Eckhard Lamp mit einem Augenzwinkern) gezockt.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Hinter dem Tresen hat Uschi Bandowski seit zehn Jahren das Sagen. Ihr Mann Holger, von allen nur "Holli" gerufen, kümmert sich derweil um die Platzpflege, hilft aber bei Feiern auch am Zapfhahn aus. Zu feiern gäbe es in 2020 vieles: "Corona macht uns da einen Strich durch die Rechnung. Normalerweise hätten wir bei einem Aufstieg zum Vereinsjubiläum mindestens drei Tage die Nacht zum Tag gemacht", mutmaßt Wirtin Uschi, die den Spielern gerne "Deftiges wie Grünkohl" serviert. Uschi und Holli gehören zum Erfolgsteam. Ins Trainingslager reisen sie mit, um die "Jungs" zu versorgen. Auch der stets gefüllte Eiskoffer fällt in ihren Zuständigkeitsbereich. "Früher lag auch mal ein Schnäpschen zwischen den Eiswürfeln. Mittlerweile sind die Spieler zu professionell", lacht der 62-jährige Holli.

Familiär geht es dennoch beim TSV Stein weiterhin zu. Nicht selten kommen 300 Zuschauer zu den Derbys. "Doch von denen wird es in der Landesliga weniger geben", bedauert Danker, der auch als Stadionsprecher für gute Laune am Platz sorgt. Besonders die Nachbarschaftsduelle mit dem VfR Laboe, den "Pudelmützen", werden die Steiner vermissen. "Das ist die Schattenseite des Erfolges. Jetzt müssen sich hier andere Gegner warm anziehen", so Danker.

Bierbänke für mehr Zuschauer

Flotte Sprüche sind beim TSV Stein "en vogue". "Wir werden die Zuschauerkapazität bei den Sitzplätzen um 20 erhöhen. Zur Not mit Bierbänken", erläutert Timo Szopieray die Maßnahmen, die nach dem Landesliga-Aufstieg in Angriff genommen werden. Szopieray, der seit 2017 im Amt ist, ist erst der dritte Präsident der 50-jährige Steiner Vereinsgeschichte: "Ich muss also mindestens noch zehn Jahre machen, sonst versaue ich den Schnitt." Berühmtheit erlangte Szopieray allerdings nicht als "Präsi" des TSV Stein, sondern vielmehr unter dem Namen Andi Latte.

Mit dem Kreisliga-Song "Das Bier gewinnt" stürmte er 2016 an die Spitze der Spotify-Charts und hielt sich vier Wochen in den Top 10. Fortan machte der 44-Jährige Immobilienkaufmann als Partysänger auf Mallorca Karriere. Sein Herz schlägt dennoch in Stein und nicht am Ballermann: "Ich bin der Andreas Bourani der Kreisliga." Doch der Kreisliga ist der TSV Stein längst entwachsen. Jetzt ist Landesliga angesagt. Ganz ohne Mäzenatentum. Der TSV Stein ist familiär und lebt auch weiterhin vom Zusammenhalt. "Hier wird nicht zu allem Ja und Amen gesagt, aber am Ende findet man einen Kompromiss. Davon lebt der Verein", sagt Szopieray. Willkommen in der Stein-Zeit!