14. September 2020 / 07:30 Uhr

Haariger 96-Start im Pokal: Allein Maina kostet mehr als Würzburg-Team

Haariger 96-Start im Pokal: Allein Maina kostet mehr als Würzburg-Team

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Ducksch steht mit Zopf und Spieltrieb ziemlich allein für freie Schaffenskraft in einem Kader, der eher mit soliden Handwerkern besetzt ist.
Marvin Ducksch steht mit Zopf und Spieltrieb ziemlich allein für freie Schaffenskraft in einem Kader, der eher mit soliden Handwerkern besetzt ist. © Florian Petrow
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Heute um 18.30 Uhr wird es ernst für Hannover 96. In der ersten Runde des DFB-Pokals geht es zu den Würzburger Kickers. Trainer Kenan Kocak konzentriert sich darauf, „nach dem Abpfiff die Arme hochzureißen“.

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Immer Ärger bei Hannover 96. In diesem Sommer kamen viele alte Zöpfe ab, der Mannschaftsrat verließ 96 komplett. Die Vorbereitung lief zum Teil haarsträubend. Der neue Look saß nicht so, wie sich der Trainer das vorstellte. Es gab viel zu meckern für Kenan Kocak wegen der TTT-Probleme – Transfers, Trainingslager, Testspiele. Kurz vor dem Pokalduell heute Abend in Würzburg (18.30 Uhr) schaltet Kocak nun den Rasierer aus – und stellt um auf Streichelmodus.

Vom Mahner zum Förderer

„Ich liebe K.o.-Spiele“, sagt Kenan Kocak. Außerdem hätte er die Journalisten gern in die Spieler-Kabine mitgenommen. „Das geht leider nicht, aber die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, ich wünsche mir, dass sie sich für ihre fantastische Arbeit belohnt.“

Sehr gut, fantastisch. Das hörte man in den vergangenen Wochen selten über 96. Kocak passt sich zum wiederholten Male an, vom Mahner zum Förderer, so wie bei Marvin Ducksch vor einigen Monaten. Der Stürmer stand bei Kocak auf dem Abstellgleis, bis er nach der Coronapause aufdrehte.

Kocak macht Ducksch zum Führungsspieler

Ex-Wolfsburg-Manager Olaf Rebbe erkundigte sich sogar im Auftrag von PAOK Saloniki vor sechs Wochen, ob Ducksch für seinen Kaufwert (1,8 Millionen Euro) nach Griechenland zu locken sei. War er vorerst nicht.

Kocak machte ihn bei 96 zum Führungsspieler. Ducksch steht mit Zopf und Spieltrieb ziemlich allein für freie Schaffenskraft in einem Kader, der eher mit soliden Handwerkern besetzt ist. Eine weitere Ausnahme ist der Rasta-lockige Patrick Twumasi, der aber nicht Spiel-fit sein kann nach zwei Monaten ohne Fußballtraining.

Bilder vom Training von Hannover 96 (13. September)

Torwarttrainer Rolf Moßmann gibt die Richtung vor. Zur Galerie
Torwarttrainer Rolf Moßmann gibt die Richtung vor. ©

„Alle Spieler, die in den Bus einsteigen, sind in der Lage, in der Startelf zu spielen“, sagte Kocak zwar. Twumasi stieg ein, aber Kocak wird ihn sich als Joker aufsparen – den Angreifer auch nicht einsetzen, wenn 96 auch ohne ihn sticht.

Innenverteidigung steht

Bei aller Kritik am „krassen Umbruch“ (Sportdirektor Gerhard Zuber) bekommt Kocak in Würzburg eine ordentlich auf Wettkampf frisierte 11er-Truppe zusammen. „Sie zählen zu den Favoriten auf den Aufstieg und sind auf allen Positionen sehr gut besetzt“, sagte Würzburg-Coach Michael Schiele. Sehr gut, glatte Eins – das scheint wiederum ein bisschen übertrieben.

Die Viererkette mit den Neuen Sei Muroya und Niklas Hult, beide Nationalspieler, kann Kocak stehen lassen. Im Mittelfeld ersetzt das Duo „Kaiser Frantz“ den sportlichen Verlust von Waldemar Anton. 396 Profispiele in den ersten und zweiten deutschen Ligen haben Kapitän Dominik Kaiser und Co-Captain Mike Frantz auf den Buckeln. Das sollte in Würzburg doch ausreichen.

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Muroya, Hult und Frantz, dazu Torwart Michael Esser – mehr Neue stehen heute gar nicht in der Startelf. Offensiv sieht 96 mit Genki Haraguchi, Ducksch und Hendrik Weydandt überdurchschnittlich gut aus.

Maina voll einsatzfähig

Dazu kommt Linton Maina, der nach seiner Verletzung „voll einsatzfähig“ ist, sagt Kocak. Der 21-Jährige gilt als wertvollster Spieler der 2. Liga (7,5 Millionen Euro). Maina ist sogar teurer als die komplette Würzburger Mannschaft (6,7 Millionen laut transfermarkt.de).

Ausreden gelten heute nicht. Kocak sucht auch keine. Klar möchte er Verstärkungen für die Defensive. „Wenn nicht, ist auch nicht schlimm“, sagt er. Er konzentriere sich darauf, heute „nach dem Abpfiff die Arme hochzureißen“.