25. November 2021 / 21:26 Uhr

Der härteste Spieler der Liga: Leipzigs IceFighter Burns auf dem Weg zum Publikumsliebling

Der härteste Spieler der Liga: Leipzigs IceFighter Burns auf dem Weg zum Publikumsliebling

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
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Eiskämpfer Michael Burns (rechts) an der Bande in Aktion © Christian Modla
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Eishockey als Lebenseinstellung und IceFighter im wahrsten Sinne des Wortes. Weder ein Lungenkollaps noch Herzrhythmusstörungen konnten den Deutsch-Kanadier Michael Burns ausbremsen. Seit Juni ist der 30-Jährige bei den Leipzigern und führt bereits die Strafminuten-Liste der Liga an.

Leipzig. Ein Rowdy für die sächsische Eishockeywelt: Sommerneuzugang Michael Burns mischt mit den Icefighters Leipzig die Konkurrenz auf. Der Vollblutstürmer führt das Zeitstrafenregister mit 50(!) Strafminuten in der Oberliga Nord an. „Was wir haben wollten, haben wir“, so IceFighters Boss Sven Gerike. „So einen Spielertyp wie ihn gibt es nicht oft.“

Barfuß in Flipflops in der Eishalle

Damit spielt der Coach auf die körperliche Präsens seines Außenstürmers an. „Er ist manchmal unorthodox in Entscheidungen und seinen Bewegungen, kreiert aber Chancen und macht Druck aufs Tor“, lobt der Trainer das Auftreten seines Players. Den Puck über den Flügel mit Geschwindigkeit gen Netz zu manövrieren, Penality-Killings und Body-Checks gehören in sein Repertoire, erklärt Burns. Der Kufencrack fügt sogleich hinzu, dass er seine Emotionen besser auf dem Eis kontrollieren müsse. „Ich muss manchmal relaxter bleiben und runterkommen. Ich versuche, daran zu arbeiten.“

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Sein Markenzeichen, die langen schwarzen Haare, trägt er zusammengebunden und sitzt barfuß in Flipflops in der frostigen Umkleide der Eishalle. Der gebürtige Nordamerikaner ist eindeutig kanadische Kälte gewohnt. Als Bub im Alter von sieben Jahren schnürte er die Schlittschuhe. Klar, dass auch sein Zwillingsbruder Jeremy und sein jüngerer Bruder Nathan nicht um den Nationalsport umhinkamen.

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Seither ist das Trio dem Sport verbunden. Ausgebildet bei den Edmonton Oil Kings, fegte Burns mit der U17 des Team Pacific international gegen die USA, Deutschland und Finnland übers Eis. Dann griff er gemeinsam mit seinem Bruder bei den Vancouver Giants an. „Das war genial, eins meiner besten Jahre, da ich gemeinsam mit meinem Bruder spielen konnte.“ Burns kombinierte ferner sein Wirtschaftsstudium mit Hockey. Dann führte es den Globetrotter ans andere Ende der Welt. Flucht aus dem Job-Alltag: „Ich wollte reisen. Eishockey stand nicht auf dem Plan.“ Es kam, wie es kommen musste. Ein Trainer seiner Heimatstadt trainierte einen australischen Club. Alsbald ging Burns mit den Sydney Bears aufs Eis. Die Reise sollte nicht enden.

Eiskämpfer zwischen Genie und Wahnsinn

Burns empfahl sich 2019 über ein Tryout bei den Hannover Indians, ging hier zwei Spielzeiten auf Puckjagd. Ausgebremst wurde er jedoch durch einen Lungenkollaps nach einem harten Bodycheck. Das Comeback ließ auf sich warten, wegen auftretender Herzrhythmusstörungen. Seit einem medizinischen Eingriff habe Burns keine Probleme mehr. „Ich war nie gesünder und bin fit“, so fiel der Deutsch-Kanadier in der Messestadt ein und liefert seither offensiv – vier Tore und zehn Vorlagen.

Er wisse um seinen aggressiven Hockeystil, achte auf seinen Körper und möchte gesund bleiben, erklärt der Eiskämpfer. Burns will so lange wie möglich Eishockeyspielen. Was kommt danach? „Hockey gehört zu meinem Leben", erklärt er. Dem Sport will er entsprechend treu bleiben. Fernab der Heimat genießt er Leipzig. Wintersport, Wanderungen, vor allem die Familie, fehlen dem Kanadier aber. Speziell über Weihnachten sei es schwer. Unterstützung hat er bei seiner Freundin und deren Eltern in den Niederlanden.


Doch der Player fokussiert sich ohnehin auf den Eiskampf. „Dieses Jahr ist wichtig, um zu zeigen, was ich kann.“ Am Sonntag steht das Match gegen seinen Ex-Verein an, vor Geisterkulisse. Das schmeckt dem Rechtsschützen so gar nicht. „Vor allem in Leipzig. Die Fans sorgen hier für eine spezielle Atmosphäre. Doch es ist wie es ist.“ Burns und Team werden sich auf das Spiel fokussieren. Das sollte im Sinne des Trainers sein. Gerike begrüßte just seinen potenziellen Leistungsträger als den „Bandenhobel, der sich durch die Gegner durchtankt.“ Er müsse nur noch die Emotionen im richtigen Augenblick bringen. Sein Schützling, der eine Führungsposition in der Mannschaft übernehmen und leben soll, spiele „zwischen Genie und Wahnsinn“. Er habe das Zeug zum nächsten Publikumsliebling, weiß Gerike.