09. August 2019 / 14:55 Uhr

Der hörgeschädigte Jan Medewitz vor Pflichtspieldebüt für Frankonia Wernsdorf

Der hörgeschädigte Jan Medewitz vor Pflichtspieldebüt für Frankonia Wernsdorf

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Jan Medewitz (r.) im Testspiel beim SV Schmöckwitz-Eichwalde, bei dem er gleich einen Doppelpack erzielte. 
Jan Medewitz (r.) im Testspiel beim SV Schmöckwitz-Eichwalde, bei dem er gleich einen Doppelpack erzielte. © Oliver Schwandt
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AOK-Landespokal: Der 26-jährige Akteur des SV Frankonia Wernsdorf wird beim Match in Langen von Coach Norbert Welzel eingesetzt.

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"Da ich auf dem Rasen nicht alle Anweisungen meiner Mitspieler hören kann, habe ich mir angewöhnt, visuell auf meine Nebenleute zu achten. Ich gucke mich auf dem Feld mehr um“, sagt der hörgeschädigte Jan Medewitz, der sich vor drei Wochen dem Fußball-Landesligisten SV Frankonia Wernsdorf angeschlossen hatte. Wenn der 26-Jährige über die rechte Außenbahn das Leder nach vorne treibt, unterscheidet er sich nicht von seinen Mitspielern in Wernsdorf. Nur zwei Hörgeräte in den Ohren deuten auf sein Handicap hin.

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Gleich bei seinem ersten Auftritt im Frankonia-Trikot zeigte er, warum er auch in Wernsdorf ein Kandidat für die erste Elf ist. Beim 3:2-Erfolg in Schmöckwitz steuerte Medewitz zwei Treffer bei. „Am liebsten mache ich vorne die Buden. Aber ich finde es auch toll, meinen Mitspielern die Bälle aufzulegen“, so der Frankonia-Neuzugang, der mit den Wernsdorfern am Samstag um 15 Uhr in der ersten Landespokalrunde beim Langener SV antreten muss.

In Fotos: Frankonia Wernsdorf besiegt den SV Schmöckwitz-Eichwalde mit 3:2.

Die Kicker von Frankonia Wernsdorf (rote Trikots) konnten sich durch eine starke erste Halbzeit mit 3:2 gegen den SV Schmöckwitz-Eichwalde durchsetzen. Zur Galerie
Die Kicker von Frankonia Wernsdorf (rote Trikots) konnten sich durch eine starke erste Halbzeit mit 3:2 gegen den SV Schmöckwitz-Eichwalde durchsetzen. © Oliver Schwandt

Auch Wernsdorf-Trainer Norbert Welzel ist von dem Jungen angetan: „Ich bin von seinen fußballerischen Fähigkeiten positiv überrascht. Jan hat in den bisherigen Testpartien gute Leistungen abgeliefert. Er hat ein gutes Auge und weiß immer, wie er seine Mitspieler in Szene setzen muss. Jan wird beim Pokalspiel in Langen sein Pflichtspieldebüt geben und er soll mithelfen, dass wir in die zweite Runde einziehen.“

Seit drei Monaten lebt Medewitz in Berlin-Johannisthal, wo er zu seiner Freundin gezogen ist. „Ich wollte auch hier unbedingt kicken, kannte jedoch niemanden, der mich bei der Vereinsfindung unterstützen konnte“, berichtet der Frankonia-Akteur. Beim Brandenburgligisten Union Klosterfelde hielt er sich den ganzen Mai über fit. Anschließend absolvierte Medewitz beim Brandenburgligisten SV Blau-Weiß Petershagen-Eggersdorf und beim Landesligisten FV Erkner Probetrainings. „In Erkner hatte es mir nicht gefallen und Petershagen hatte mir abgesagt“, erzählt der sympathische Sportler weiter. Beim SV Frankonia Wernsdorf fand er offene Türen vor. Welzel lud den 26-Jährigen ein, bei ihm einfach einmal mit zu trainieren. „Es hat mir sofort gefallen, dass es bei Frankonia durch eine hohe Trainingsbeteiligung einen echten Konkurrenzkampf um die Stammplätze gibt. Das gefällt mir sehr“, berichtet Medewitz, „die Wernsdorfer Mannschaft hat mich gut aufgenommen. Es sind viele tolle Typen im Team. Jetzt freue ich mich, dass die Saison bald los geht“

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Geboren ist Medewitz im niedersächsischen Einbeck. Bereits als kleiner Junge fing er in Dassel mit dem Fußballspielen an. Mit 17 Jahren wurde A-Junioren-Bundesligist Hannover 96 auf den talentierten Kicker aufmerksam. Unter Ex-Profi Daniel Stendel überzeugte Medewitz im Probetraining. „Leider bekam ich keinen Vertrag, da ich beim Medizincheck durchgefallen war, da ich eine Fußverletzung hatte“, erinnert sich der Niedersachse. Den VfV 06 Hildesheim störte die Fußverletzung nicht, so dass Medewitz in der A-Junioren-Niedersachsenliga zu 18 Einsätzen kam. Im Männerbereich spielte er unter anderem für den FC Grone (Landesliga) und für den WTW Wallensen.

Zwei Tore innerhalb von sieben Minuten aus 50 Metern

Beim niedersächsischen Kreisligisten erlangte er deutschlandweit Berühmtheit. Bei einem Punktspiel in Algesdorf gelangen ihm innerhalb von sieben Minuten zwei Treffer aus 50 Metern. „Davon gibt es ein Video, das sogar in der ARD Sportschau gezeigt wurde“, erzählt er stolz, „ich konnte zweimal den Keeper von der Mittellinie aus bezwingen“.

Sein Debüt in der Gehörlosen-Nationalmannschaft gab er 2017, als er im türkischen Samsun beim 5:1-Erfolg gegen England eine Viertelstunde vor dem Spielende eingewechselt wurde. „Es war ein tolles Gefühl, das deutsche Trikot auf dem Körper zu tragen“, sagt der in Berlin arbeitende Tischler. Dieses Feeling würde er gerne bald wieder haben. „Im September 2020 findet in Südkorea die Gehörlosen-WM statt. Mit guten Leistungen beim SV Frankonia Wernsdorf will ich den Bundestrainer überzeugen, dass er mich mit nach Asien nimmt“, kündigt der Mittelfeldspieler an. Den Worten kann er beim Langener SV (Landesklasse West) gleich Taten sprechen lassen. „Es wäre schön, wenn wir gewinnen würden“, so Medewitz.