17. Mai 2020 / 15:44 Uhr

Der kommende Fahrplan, Lob und Kritik: So lief das NFV-Webinar

Der kommende Fahrplan, Lob und Kritik: So lief das NFV-Webinar

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Direktor Jan Baßler (am Podium) beantwortet ausgewählte Fragen der Vereine, Präsident Günter Distelrath (rechts) und Steffen Heyerhorst hören zu.
Direktor Jan Baßler (am Podium) beantwortet ausgewählte Fragen der Vereine, Präsident Günter Distelrath (rechts) und Steffen Heyerhorst hören zu. © Screenshot
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In einem Online-Seminar hat der NFV am Samstag seine Vereine über vier Szenarien informiert, mit denen die Saison fortgesetzt wird. Dabei scheinen sich schon favorisierte Lösungen herauszukristallisieren. Die gefallen nicht allen.

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90 Minuten dauerte das sogenannte Webinar (ein Seminar, das online stattfindet), in dem der Niedersächsische Fußball-Verband allen Vereinen die vier Szenarien genauer erläuterte, die die Zukunft der laufenden Saison im Amateurfußball klären könnten. Von den Vereinen der Region waren unter anderem auch Landesligist SSV Kästorf, der bei einer Quotientenregelung denkbar knapp nicht aufsteigen würde, und Bezirksligist 1. FC Wolfsburg dabei. Ihre Meinungen zum Webinar sind gemischt.

Die Fakten: Vier mögliche Szenarien sind in der Verlosung, am außerordentlichen Verbandstag, der wahrscheinlich am 27. Juni stattfindet soll, wird - Stand jetzt - eine von ihnen beschlossen werden. Das Quartett der Möglichkeiten ist:

Am Samstag vertieften der NFV-Vorstand und dessen Justiziariat die Szenarien im Beisein der Vereine, nannten mögliche Pros und Contras und erklärten, wie die Beschlussfassung nun ablaufen solle. Außerdem hatten die Klub-Vertreter die Möglichkeit, über einen Chat Fragen zu stellen.

Die Bilder vom 2. NFV-E-Football-Cup

Die Sieger von der SG Wehrstedt/Salzdetfurth. Zur Galerie
Die Sieger von der SG Wehrstedt/Salzdetfurth. ©

Der nächste wichtige Termin wird nun Mittwoch, der 20. Mai, sein. Dann "wird sich der Verbandsvorstand unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den Webinaren final mit der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung der Varianten zum Umgang mit der Saison 2019/2020" beschäftigen, so heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. NFV-Präsident Günter Distelrath kündigte für diesen Termin aber bereits an: "Ohne der Entscheidung des Verbandsvorstandes vorzugreifen, lässt sich aber jetzt bereits sagen, dass von diesen Varianten nicht alle vier auf dem Verbandstag eingereicht werden." Ein Grund: Nur 30 Prozent der Vereine sprachen sich für eine Saisonfortsetzung aus. Dass der NFV versuche, diese Lösung durchzusetzen sei "schlichtweg nicht richtig", so Distelrath.

Nicht alle Szenarien stehen zur Abstimmung

Bei den vier Szenarien handele es sich bislang noch nicht um fertige Anträge. "Sie seien", so der NFV-Boss, lediglich "die Clusterung der vor allem von den Vereinen eingereichten Vorschläge. Insgesamt haben uns über 100 Varianten erreicht, die wir jetzt erst einmal in diesen vieren zusammengefasst haben." Auf dem außerordentlichen Verbandstag werden also zumindest vonseiten des NFV nicht nicht alle vier Szenarien zur Abstimmung stehen - wenn Vereine oder Delegierte Anträge einreichen, kann sich die Zahl der Beschlussvorlagen trotzdem noch erhöhen.

Und wie läuft die Abstimmung ab? Das erklärte NFV-Direktor Jan Baßler im Webinar für den Fall, dass die vier bekannten Szenarien zur Abstimmung stünden: "Über die Anträge wird nacheinander abgestimmt. Beginnen müsste man den am weitreichendsten Eingriff in unsere Satzungen und Ordnungen, nämlich der Annullierung der Saison. Damit dieser Antrag wirksam würde, bräuchte es 50,1 Prozent." Werden diese nicht erreicht, wird über die nächste Variante abgestimmt. Baßler: "Die Fortsetzungsvariante hätte den kleinsten Eingriff zur Folge, sodass sie erst dann zur Abstimmung kommen würde, wenn keine der drei anderen Varianten eine Mehrheit erhält.“

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Mohammed Rezzoug, Vorsitzender und Trainer des 1. FC Wolfsburg, lobte das "tolle Webinar. Der NFV ist auf den Unmut der Leute eingegangen." Doch Rezzoug hatte auch den Eindruck: "Wenn man genau zugehört hat, merkt man, in welche Richtung das geht." Er glaubt daran, dass der NFV von seiner Seite aus nur die beiden Abbruch-Varianten nach Quotientenregelung zur Wahl stellen wird. Das würde auch zu der Ankündigung von NFV-Chef Distelrath bezüglich der Vorstands-Sitzung am Mittwoch passen.

"Man muss es ehrlich meinen"

Das gefällt Stefan Redler, Spartenleider in Kästorf, gar nicht. Sein Verein wäre einer der großen Verlierer der Quotientenregelung, er plädiert für die Saisonfortsetzung. Er kritisiert: "Es deutet alles auf einen Abbruch hin. Der eine oder andere wusste genau, wo er hinwollte." Dass Alternativ-Vorschläge, wie beispielsweise eine zweigleisige Oberliga nicht diskutiert wurden, hatte ihn gestört. Deshalb verließ er das Webinar mit gemischten Gefühlen: "Der NFV hat sich Mühe gegeben, das Webinar war eine gute Sache - aber man muss es dann auch ehrlich meinen."