02. Oktober 2022 / 14:14 Uhr

Der Kommunikator: Wie Trainer André Breitenreiter bei der TSG Hoffenheim Euphorie entfacht hat

Der Kommunikator: Wie Trainer André Breitenreiter bei der TSG Hoffenheim Euphorie entfacht hat

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die TSG Hoffenheim mit Trainer André Breitenreiter gehört zu den Top-Teams der Bundesliga.
Die TSG Hoffenheim mit Trainer André Breitenreiter gehört zu den Top-Teams der Bundesliga. © IMAGO/Team 2
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André Breitenreiter kehrte im Sommer zurück auf die große Bundesliga-Bühne. Für Außenstehende überraschend führte der Fußballlehrer die TSG 1899 Hoffenheim in die Spitzengruppe der Liga – ihm gelang es dank seiner ganz besonderen Art der Kommunikation.

Eines seiner Lieblingswörter ist "Kommunikation". André Breitenreiter spricht gerne und viel. Mal laut, mal leise, mal eindringlich fordernd, mal empathisch. Es ist eine der großen Stärken des neuen Trainers der TSG Hoffenheim, die richtigen Worte zu finden. "Kommunikation heißt für mich erst mal, dass ich offen bin für den Austausch mit allen. Wenn ich immer distanziert und nur in der beobachtenden Rolle bin, dann entwickele ich auch kein Zusammenspiel mit der Mannschaft, den Betreuern und Mitarbeitern", erklärt Breitenreiter seine Vorgehensweise. "Deswegen bin ich immer sehr dicht dran. Jeder Mensch benötigt etwas anderes im Umgang, der eine mehr Führung, der andere etwa mehr Ruhe. Dafür will ich ein Gespür entwickeln."

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Das scheint ihm in seiner neuen Umgebung bei der TSG gut zu gelingen. In bisher sieben Ligapartien erspielte die Breitenreiter-Mannschaft vier Siege und ein Unentschieden bei nur zwei Niederlagen. Nach einem enttäuschenden neunten Platz in der vergangenen Saison, an deren Ende Vorgänger Sebastian Hoeneß gehen musste, hat der neue Cheftrainer in Hoffenheim Euphorie entfacht und den Klub vorerst in der Spitzengruppe der Bundesliga geparkt. "Ich glaube, dass wir sehr viel Qualität haben und gut drauf sind. Es ist für jeden Gegner schwer, gegen uns zu gewinnen", bewertet Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner die aktuelle Situation. An diesem Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) will es Hertha BSC versuchen. Breitenreiter, der am Spieltag seinen 49. Geburtstag feiert, wird es den Berlinern nicht einfach machen. Er gilt als Taktikfuchs, der immer wieder neue Lösungen findet.

Schicksalsschläge: Plötzlich wurde der Fußball für Breitenreiter unwichtig

Zu der TSG kam er im Sommer mit einem Meistertitel auf der Visitenkarte. Mit dem FC Zürich landete er in der vergangenen Saison sensationell auf Platz eins in der Schweiz. Es war seine erste Meisterschaft, für den FC die erste seit 13 Jahren. "Er ist ein genialer Trainer", lobte Präsident Ancillo Canepa. Wie gut Breitenreiters Arbeit war, zeigt sich jetzt: Zürich ist nach acht Spielen noch sieglos, steht auf dem vorletzten Tabellenplatz der Liga. Sein Trainernachfolger, der Ex-Bundesliga-Profi Franco Foda, wurde bereits wieder entlassen.

Doch vor dem Meistertitel war Breitenreiter nach Stationen beim TSV Havelse, dem SC Paderborn, Schalke 04 und Hannover 96 von der Trainerbildfläche verschwunden. Bei 96 wurde er im Januar 2019 entlassen, war anschließend zweieinhalb Jahre ohne Job. Der Fußballlehrer hatte keine einfache Zeit, musste private Schicksalsschläge verkraften. Seine Mutter verstarb, sein Vater zog wegen einer Demenzerkrankung in ein Pflegeheim. Da wurde der Fußball plötzlich unwichtig. "Ich weiß, welche Werte mir meine Eltern vermittelt haben", sagte er einmal. Erst als privat wieder Klarheit herrschte, war Breitenreiter bereit für einen neuen Job. Zürich bekam den Zuschlag.

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Die Rückkehr in die Bundesliga war aber immer in seinem Kopf, als Hoffenheim sich meldete, brauchte er nicht lange zu überlegen. "Das war nicht einfach, aber die Gespräche haben mich schon nach wenigen Minuten gepackt", sagte er. "Ihre Prinzipien, offensiv, mutig, flexibel und aktiv zu sein, decken sich absolut mit meiner Vorstellung vom Spiel."

Trotz Top-Start in die Saison: Breitenreiter verzichtet auf Superlative

Der Trainer hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, in die Mannschaft um Torjäger Andrej Kramaric seine Spielidee zu implementieren: Pressing in des Gegners Hälfte, taktische Flexibilität, schnelles Umschaltspiel, geordneter Spielaufbau, anstatt den Ball aus der Abwehr heraus auf eine Flugreise zu schicken. Breitenreiter erklärt: "Ich will nicht, dass wir den Ball nach vorn knallen und dann die Daumen drücken. Dafür sind unsere Spieler zu gut."

Und die scheinen unter dem Trainer zu reifen. Enge Spiele, wie gegen Bochum (3:2), wurden gewonnen, gegen Mainz (4:1) eine Überzahl souverän ausgespielt. "Es ist noch viel zu früh. Ich schwelge jetzt nicht in Superlativen", sagte Breitenreiter. Das wäre auch nicht seine Art der Kommunikation.

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