01. Oktober 2020 / 23:38 Uhr

Der Last-Minute-Frust und die Folgen: Dem VfL fehlen jetzt die Europa-Millionen

Der Last-Minute-Frust und die Folgen: Dem VfL fehlen jetzt die Europa-Millionen

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Frust: Der VfL Wolfsburg ist in der Quali zur Europa League gescheitert - durch ein Last-Minute-Gegentor.
Frust: Der VfL Wolfsburg ist in der Quali zur Europa League gescheitert - durch ein Last-Minute-Gegentor. © imago images/ANE Edition
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Der VfL Wolfsburg ist in der Europa-League-Gruppenphase nicht dabei. Das 1:2 am Donnerstagabend in Athen sorgte für Frust - und hat auch finanzielle Folgen.

Knapp vier Wochen nach Beginn der neuen Saison hat der VfL sein Ziel der alten Saison doch noch verfehlt: Im letzten Qualifikationsspiel der Europa League verlor der Wolfsburger Fußball-Bundesligist gestern Abend mit 1:2 (1:0) bei AEK Athen und verpasste damit den Einzug in die Gruppenphase. Bitter: Das Siegtor für die Griechen durch Karim Ansarifard fiel in der vierten Minute der Nachspielzeit – durch den letzten AEK-Schuss der Partie.

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Admir Mehmedi hatte den VfL kurz vor der Pause in Führung gebracht, André Simoes sorgte nach dem Seitenwechsel mit einem Sonntagsschuss in den Winkel für den Ausgleich. In der Schlussphase war es kein hochklassiges, aber ein bis zum Ende dramatisch spannendes Spiel im Athener Olympiastadion – und die Wolfsburger Niederlage war zwar unglücklich, aber nicht unverdient. Denn während AEK zurückhaltend agierte, konnte der VfL mit seinen Feldvorteilen nur selten etwas anfangen.

<b>Pavao Pervan</b>: Durfte wie schon in Freiburg für den verletzten Koen Casteels ran – und machte seine Sache gut. Besonders stark: In der ersten Halbzeit hielt er einen Elfer von Mantalos. - Note: 2 Zur Galerie
Pavao Pervan: Durfte wie schon in Freiburg für den verletzten Koen Casteels ran – und machte seine Sache gut. Besonders stark: In der ersten Halbzeit hielt er einen Elfer von Mantalos. - Note: 2 ©

„Wir sind alle sehr enttäuscht“, sagte VfL-Trainer Oliver Glasner nach dem Abpfiff. „Es ist unglaublich bitter, wenn du mit der letzen Aktion das 1:2 bekommst. Wir wollten unbedingt in der regulären Spielzeit das Spiel gewinnen und sind dann ausgekontert worden.“ Generell habe sich sein Team „schwergetan, Chancen rauszuspielen. Wir konnten uns zu wenig durchsetzen, haben in der Offensive zu wenig Lösungen gefunden.“ Das eine Tore hätte dennoch reichen können, „aber dann haben wir hinten noch zwei Fehler gemacht“.

„Die Enttäuschung ist riesengroß", meinte auch Sportdirektor Marcel Schäfer. "Wir hatten betont, dass es unser Ziel ist, europäisch zu spielen. Das haben wir nicht geschafft - wegen eines Sonntagsschusses und einer Einzelaktion in der letzten Sekunde. Das ist schwierig in Worte zu fassen, weil es ein großes Ziel war, das wir nicht erreicht haben." Das Team habe sich in einem Spiel mit vielen Fouls "unnötig aus der Ruhe bringen lassen."

Für Kapitän Josuha Guilavogui war es eine Niederlage, "die extrem weh tut", jetzt "müssen wir damit leben. Jetzt müssen wir unsere Krafte für das Spiel am Sonntag in Augsburg finden." Auch Torschütze Mehmedi versuchte schon wieder den Blick nach vorn: "Gerade das zweite Gegentor darf uns nicht passieren, aber wir müssen nun noch enger zusammenrücken, versuchen, die Köpfe hochzuhalten - und in den anderen Wettbewerben das Maximale herauszuholen.“

Mit dem Verpassen der Gruppenphase geht dem VfL eine Menge Kohle flöten. In der vergangenen Saison schüttete die UEFA insgesamt 560 Millionen Euro an die teilnehmenden Vereine aus, für den Einzug in die Gruppenphase gibt es knapp 3 Millionen Euro. Diese Summe hätte sich bei entsprechenden Erfolgen schon in der Gruppenphase deutlich steigern lassen – für einen Sieg etwa gibt es 570.000 Euro und für ein Unentschieden 190.000 Euro.


VfL-Manager Jörg Schmadtke hatte schon vor dem Spiel erklärt, dass die Europa-League-Saison ohnehin „erst mit der Auslosung der Gruppenphase losgeht“. Und: „Sportlich und wirtschaftlich macht es einen Riesenunterschied, ob man nun dabei ist oder nicht.“ Ein Unterschied, der sich auf den Kader auswirken kann. Bis Montag ist die Transferliste noch geöffnet, der VfL prüft weiter die Möglichkeit, noch einen Offensivspieler zu holen – und hat dafür jetzt den einen oder anderen Euro weniger übrig. Schmadtke: „Das Erreichen der Gruppenphase hätte einen positiven Effekt auf unsere Handlungsmöglichkeiten gehabt.“

Ebenfalls nicht schön: Durch die Niederlage gestern Abend kann der VfL in dieser Saison keine Punkte mehr in der UEFA-Fünfjahreswertung sammeln. Die Punkte („Klub-Koeffizient“) bestimmen bei der Auslosung über die Setzliste, der VfL wäre heute mit einem Koeffizienten von 36,000 in Topf 1 der Top-Teams dabei gewesen – dank der Saison 2015/16 (CL-Viertelfinale gegen Real Madrid), die allein 24,000 Punkte wert war. Diese Saison fällt aber zur kommenden Spielzeit aus der Wertung. Sollte der VfL also in der Saison 2021/22 international dabei sein, drohen eine ungünstige Setzposition und entsprechend schwere Gegner.