19. Dezember 2019 / 08:31 Uhr

Der Letzte macht das Licht aus: Ur-Krostitzer-Cup gestrichen

Der Letzte macht das Licht aus: Ur-Krostitzer-Cup gestrichen

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
Ur Krostitzer Cup Delitzsch. im Bild: Duebens Keeper Reik Schuster macht sich ganz lang nachdem er den Winkel verkuerzt hat und pariert den Krostitzer Versuch vom Neunmeterpunkt.  Foto: Alexander Bley
Szene aus glücklichen Zeiten beim Ur-Krostitzer-Cup in der hell erleuchteten Mehrzweckhalle. © Alexander Bley
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Hallenfußball: Der traditionsreiche Ur-Krostitzer-Cup findet 2019 nicht statt. Im Jahr 1982 wurde die erste Hallenkreismeisterschaft ausgetragen, 1997 wurde der Ur-Krostitzer-Cup aus der Taufe gehoben wurde. Nun ist Schluss.

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Delitzsch. Es war lange Jahre DER Höhepunkt zwischen den Feiertagen – der Delitzscher Ur-Krostitzer-Cup im Hallenfußball. Doch anno 2019 müssen Spieler und Schlachtenbummler auf die liebgewonnene Tradition verzichten. Die Organisatoren Manfred Otto und Heiko Wittig haben schlicht die Nase voll. „Es hat nur noch wenige Vereine gejuckt. Du rennst jedes Mal vielen hinterher und bettelst. Wir haben genug!“, sagt Otto und ergänzt: „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen.“

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Rückblick: Was hatten sich Kicker und Fans gefreut, als 1982 in der damals neu eröffneten Artur-Becker-Halle die erste Hallenkreismeisterschaft ausgetragen wurde. Fußball in der Halle wurde über Jahre hinweg zum Zuschauermagneten. Noch toller wurde es, als die Kicker nach der Wende in die größere Sporthalle an der Delitzscher Berufsschule umziehen konnten.

Topteams über Jahre am Start

Der Wunsch nach Hallenfußball war so groß, dass neben der Hallenmeisterschaft um den Heinz-Fischer-Pokal im Jahr 1997 der Ur-Krostitzer-Hallencup aus der Taufe gehoben wurde, zu dem alle höherklassigen Teams des Altkreises Delitzsch/Eilenburg eingeladen wurden. Der Turniertermin zwischen Weihnachten und Neujahr wurde zum Kultereignis mit dem Charakter eines Klassentreffens. Nicht selten war die Halle sogar ausverkauft. Die Stimmung kochte über, wenn Außenseiter gegen die stets favorisierten Eilenburger (Rekordsieger), Krostitzer oder Delitzscher gewannen.

Klar gab es immer mal wieder auch vereinzelt Gegner des Hallenfußballs unter Trainern oder Offiziellen aus Angst vor der höheren Verletzungsgefahr in der Halle. Doch der Spaßfaktor überwog und durchsetzungsstarke Funktionäre und Trainer wie Gerd Stephan und Nico Knaubel beim FC Eilenburg, Herbert Häublein beim FSV Krostitz oder Sven Roos beim ESV Delitzsch beziehungsweise Concordia Schenkenberg, um nur einige zu nennen, war es zu verdanken, dass die Topteams über Jahre immer an den Start gingen und für das Salz in der Suppe sorgten.

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Organisatoren haben genug

Doch die Bedingungen wurden immer schwieriger. Einerseits musste seit einigen Jahren ein externer Veranstalter gesucht werden, da der DFB den Kreisverbänden nur noch Turniere mit den unbeliebten Futsalregeln erlaubte, andererseits gab es gerade in den kleineren Vereinen immer mehr Verantwortliche, für die alte Traditionen nichts bedeuteten und die ihre Teams von den Turnieren fern hielten. Dazu kamen Schwierigkeiten mit der Terminfindung. Sobald von der Tradition zwischen den Feiertagen abgewichen werden musste, kam es zu erheblichen Problemen.

Das alles zermürbte die Väter des Delitzscher Hallenfußballs Manfred Otto und Heiko Wittig zusehends. Als dann noch bei den letzten Turnieren einige erhebliche Unsportlichkeiten und Meckereien über Kleinigkeiten von einigen Spielern und Trainern hinzukamen, hatten Otto und Wittig genug. „Das müssen wir uns im Ehrenamt nicht mehr antun“, waren sie sich einig. „Wir sind kein Fußabtreter für einige Unverbesserliche und wir sind auch keine Bittsteller bei Vereinen, ob sie denn mitspielen wollen.“

Turnier schon vor drei Jahren vor dem Aus

Beiden tut es vor allem für die vielen Fans, aber auch für diejenigen, die den Hallenfußball immer unterstützt haben und gern zum „Klassentreffen“ kamen, in der Seele weh, dass die fast vier Jahrzehnte lange Tradition der Hallenmeisterschaften und Hallenpokalwettbewerbe zu Ende geht. Schade für alle, die den Ur-Krostitzer-Hallencup und den Heinz-Fischer-Pokal gern hatten.

Bereits vor drei Jahren stand das Turnier vor dem Aus. Damals entschieden sich Wittig und Otto noch einmal kurzfristig dagegen. Nun war das Maß offenbar übervoll. Und doch, so ganz abschreiben mag Otto den Cup nicht: „Wir machen jetzt auf jeden Fall erstmal eine Pause. Vielleicht findet sich ja eine andere Gelegenheit.“

H . W./jd