19. Oktober 2019 / 14:51 Uhr

Der Mann, der gegen Phil Taylor siegte

Der Mann, der gegen Phil Taylor siegte

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bei der Begrüßung ahnte Michael Hamacher (M.) noch nicht, dass er die Bühne später als Phil-Taylor-Bezwinger verlassen würde.
Bei der Begrüßung ahnte Michael Hamacher (M.) noch nicht, dass er die Bühne später als Phil-Taylor-Bezwinger verlassen würde. © Semonjek
Anzeige

Für Michael Hamacher aus Rosdorf ging mit seinem Spiel gegen Phil Taylor ein Traum in Erfüllung. Wie er in Hann. Münden sein Idol besiegte und was er der Dartslegende auf der Bühne erklären musste.

Anzeige

Sein Traum war ein Neundarter, das perfekte Spiel, und weiter hätten Phil Taylor und er dieses Ziel kaum verfehlen können. Und doch darf sich Michael Hamacher aus Rosdorf nun einer von drei Spielern nennen, die in Hann. Münden den größten Dartsspieler aller Zeiten besiegt haben.

Wie ihm das Kunststück gelungen ist, kann „Erzengel Michael“, wie er von seinen Dartsfreunden genannt wird, wenige Minuten nach seinem Spiel auch nicht erklären. Man sieht ihm noch an, wie heiß es auf einer Dartsbühne werden kann. Irgendwie habe er wohl alles richtig gemacht, sagt Hamacher.

Dart-Event in Hann. Münden

Phil Taylor gibt Autogramme Zur Galerie
Phil Taylor gibt Autogramme ©

Die Vorbereitung

Vier Stunden zuvor, gegen 18.30 Uhr, steht Hamacher wie die meisten Zuschauer für ein Erinnerungsfoto mit Taylor und seinem Kollegen Glen Durrant an. Hamacher ist bereits aufgeregt: „Der Walk-On wird der längste Weg meines Lebens. Ich werde nachher bestimmt rot.“

Der 47-Jährige soll als Elfter von 16 Herausforderern auf die Bühne – viel Zeit für ihn, um sich vorzubereiten. Aber auch viel Zeit, in der der Puls steigen kann. Phil Taylor gewinnt sieben der ersten acht Spiele. Um 20.30 Uhr macht sich die lange Wartezeit bemerkbar. „Mittlerweile will man nicht mehr in meiner Haut stecken“, sagt Hamacher.

Im provisorischen Übungsraum wirft er zusammen mit den anderen Herausforderern ab und zu ein paar Pfeile. Viele Spieler kennen sich bereits. Hamacher senkt seine Ansprüche: Er hoffe nur, dass Taylor ihn nicht zu schnell abhängen werde.

Vor Michael Hamacher tritt Pierre Adam gegen Phil Taylor an. Vom Saal aus verfolgt Hamacher, wie die Dartslegende ihre zweite Niederlage an diesem Abend hinnehmen muss. Um 21.40 Uhr richtet sich ein Scheinwerfer auf ihn, er wird als „Erzengel Michael“ vorgestellt und der vermeintlich längste Weg seines Lebens beginnt.

Das Spiel

Hamacher beeilt sich, die Bühne zu erreichen. Als er die Stufen hinaufgeht, wartet Phil Taylor schon auf ihn. Nach Handschlag und Trainingswürfen kann das Spiel eigentlich losgehen – doch die beiden Spieler unterhalten sich noch. „Ich musste doch Phil meinen Spitznamen erklären“, sagt Hamacher später.

Der Rosdorfer spielt zunächst nicht gut. Wenn sein Gegner an der Reihe ist, fummelt Hamacher nervös an seinen Pfeilen herum. Doch Phil Taylor, eigentlich dafür berüchtigt, Fehler seiner Gegner sofort zu bestrafen, nutzt das nicht. Kein einziges Mal wirft das Idol in diesem Spiel mehr als 100 Punkte.

Dennoch fehlen Hamacher noch mehr als 100 Punkte bis zum Ziel, als Taylor die Möglichkeit hat, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch der 16-fache Weltmeister nutzt die Gelegenheit nicht. Es wird laut im Saal. Und Michael Hamacher ergreift seine Chance: Mit einem Treffer auf die Doppel-5 besiegt er den größten Dartsspieler aller Zeiten.

O-Ton Michael Hamacher nach dem Spiel

Der Sieger

Hamacher jubelt nicht. Auf der Bühne scheint er vielmehr überrascht vom Verlauf des Spiels. Nach dem erneuten Handschlag mit Phil Taylor sind die Minuten im Rampenlicht schon vorbei. Erst danach fällt die Spannung vom 47-Jährigen ab. Aus allen Richtungen wird er beglückwünscht, muss für Selfies posieren.

„Als die ersten Pfeile nicht gut kamen, dachte ich schon: Schade drum“, gesteht Hamacher einige Minuten später. Dass Taylor ein schwaches Match lieferte, sei sein Glück gewesen: „Phil hatte ja auch seine Chancen. Dann erwische ich die Doppel-9 statt der Doppel-14, also musste es eben die Doppel-5 sein.“

Hamachers Fazit am Ende des Abends: „Es war ein geiler Tag. Heute ist mein Traum in Erfüllung gegangen.“ Und sein Foto mit Phil Taylor? „Das bekommt Zuhause einen Ehrenplatz.“

Mehr vom Sport in der Region

Von Tammo Kohlwes